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„Mir geht es um Stil“

Greenpeace hat auf der Berliner Eco-Fashion-Week mit Safia Minney gesprochen, der Gründerin des grünen Modelabels „People Tree“
 

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Safia Minney, Gründerin des britischen Fairtrade-Fashion-Labels “People Tree” macht Mut, dass Ethik und Ästhetik, Mode und Moral zusammen passen.  Ihre Kleidung ist modern, orientiert sich aber nicht an schnellen Trends.  Auf der Berliner Modewoche sprach sie über  ihre nächste Kollektion und ihre Begeisterung für die Detox-Kampagne.

Bist du das erste Mal auf der Ethical Fashion Show in Berlin?

Wir stellen das erste Mal aus in Berlin, aber wir sind langjährige Fans und Besucher der grünen Modemesse. Wenn die Leute sehen, wie attraktiv und begehrenswert die Sachen sind, beschleunigt das den Wandel hin zu grüner Mode.  Und diese Messe gibt den Modelabeln, die ethisch und ökologisch korrekt produzieren, einen Raum sich zu zeigen  - viele sind zu wenig sichtbar bisher.

Wie hat sich die grüne Mode in den vergangenen Jahren entwickelt?

Es gibt immer mehr grüne Labels, die sich präsentieren, das Angebot an grüner Mode wird größer. Erstmal werden es immer mehr Label, die sich zeigen und das Spektrum wird immer breiter.  In diesem  Jahr sind über 100 Firmen im Greenshowroom und auf der Ethical Fashion Show vertreten. Hier wird auch Wissen vermittelt, es gibt Veranstaltungen etwa zu Textilsiegeln. Das macht die Messen zu einem Platz, wo man auch etwas lernen kann.

Was zeichnet dein Label aus?

Die Kombination von Ökologie und Fairtrade plus die Betonung des Handgemachten.  Wir arbeiten nicht mit großen Textilfabriken zusammen. Wir wollen Frauen in ärmeren Ländern wie Bangladesch, Indien und Nepal ein besseres Leben ermöglichen und lassen in ländlichen Gegenden fertigen. Die meisten der Frauen dort beherrschen traditionelle Techniken wie die Stickkunst, die unsere Kleider sehr besonders machen .  Unsere Kleidung wird von Hand gewebt. Zum Drucken der  ausdrucksstarken Muster und Designs werden spezielle Holzblöcke benutzt, die von Hand graviert wurden. 

Bei Ökomode denken immer noch viele, dass diese Mode vielleicht das Gewissen, aber nicht das Auge überzeugt – das kann man von dir nun gerade nicht sagen, du bist eine sehr gut angezogene Aktivistin.

Danke! Ich wollte auch nie wie ein Hippie aussehen, sondern im besten Sinne vorzeigbar sein. Allerdings heißt das nicht, dass ich immer neue Sachen gekauft habe. Schon als Jugendlichen habe ich lieber in Secondhand-Läden gestöbert. Ich habe ein Auge dafür, was mir und anderen steht, ich mag es am liebsten lässig. Im Moment muss ich nur daran gewöhnen, dass sehr figurbetonte Kleider angesagt sind mit einem Anteil Stretch. Das ist der Kate-Middleton-Effekt, also dass die Frauen verstärkt figurbetonte Kleider tragen wie eben Herzogin Kate sie häufig trägt, (sie lacht).  Mir geht es aber immer um Stil und nicht darum, dem neuesten Trend nachzujagen.

Was gehört denn zu einer nachhaltigen Garderobe heutzutage? Was sollte im Kleiderschrank hängen? Mit Kleidern alleine kann ich mich doch nicht anziehen, oder?

Ich rate dazu, sehr streng alles auszusortieren, was man eigentlich nicht das ganze Jahr tragen kann, sondern nur im Sommer oder im Winter. Das entschlackt den Kleiderschrank. Kleider lassen sich mit Strumpfhosen oder Strickjacken kombinieren. Natürlich braucht es einfach ein paar Schlüssel-Looks für Arbeit oder Freizeit, die immer gehen.  Ich bin ständig auf der Sache nach Inspiration - auf Flohmärkten, in Secondhand- oder Vintage-Läden. Mein Schlafzimmer ist eigentlich ein begehbarer Kleiderschrank.  Ich habe einen Berg hier liegen und einen da, das ist ein bisschen verrückt.  Aber ich schätze jedes einzelne Teil und wie gesagt:  Ich kaufe lieber Sachen mit Geschichte.

Auch Schuhe?

Ja, aber das habe ich spät begonnen. Meine Mutter hat mir noch gesagt, dass getragene Schuhe ein absolutes No-Go sind.  Von dieser Haltung habe ich mich befreit. Ich trage Schuhe zwei oder drei Jahre und bringe sie dann in einen Charity –Shop oder zum Recyceln.  Das spart übrigens eine Menge Geld.

Und wenn du doch ein neues Teil kaufst?

Es gilt die Devise: Wenn neu, dann bitte öko und fair, sonst lieber Secondhand.  Viele haben vergessen, wie gut Sachen sich gebraucht kaufen lassen. Man kann Kleidung auch prima im Freundeskreis tauschen – Jacke gegen Bluse,  Kleid gegen Hose. Das gibt auch einen Frischekick im Schrank und ist eine gute Therapie gegen Fast-Fashion-Shopping-Exzesse  in Haupteinkaufsstraßen.

Aber der Hang zu schnelllebiger Massenware scheint momentan auf dem Höhepunkt, wenn man das Gedränge etwa bei der Billigkette Primark ansieht.

Der Trend zu Wegwerf-Mode hat dazu geführt, dass wir Kleidung nicht mehr respektieren und auch nicht die Arbeit, die darin steckt. Allerdings gibt es auch die Gegenbewegung. Immer mehr Menschen wollen wissen, wie Kleidung hergestellt wird und woraus sie gemacht ist. Auf diese neue Sensibilität müssen wir aufbauen, um ethische Mode weiter nach vorne zu bringen.

Du hast zwei fast erwachsene Kinder. Hast du sie auch zum kreativeren Umgang mit Kleidung und Konsum erzogen?

Mein Sohn ist 21, meine Tochter gerade 18 Jahre alt geworden. Beide haben eine sehr gesunde Art im Umgang mit Kleidung, darauf bin ich sehr stolz. Meine Tochter sucht zwar immer nach einem neuen großartigen Outfit, schneidert aber selbst oder ändert Sachen so lange, bis sie perfekt sitzen.  Meinem Sohn sind Äußerlichkeiten weniger wichtig. Er freut sich allerdings, wenn ich ihm ein außergewöhnliches Teil vom Flohmarkt mitbringe.  Eltern haben immensen Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer Kinder. Auch darauf, sie unempfindlich zu machen gegen die Einflüsterung von Modemagazinen und Werbung.

Du hast das Detox-Manifest von Greenpeace unterzeichnet. Warum?

Weil es so dringend ist, die Modeindustrie zu verändern  und das tut die Greenpeace-Kampagne so erfolgreich. Wir hatten genug  Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Kirsten Brodde, Detox-Kampaignerin bei Greenpeace.
 

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