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Robben: Lebensgrundlage schmilzt

Die Situation für die Robben an Kanadas Küsten verschärft sich. Bedingt durch die globale Erwärmung falle die Eisbedeckung im Golf des St. Lawrence-Stroms und vor der Provinz Neufundland in den letzten sechs von sieben Jahren unterdurchschnittlich aus. Darauf weist eine neue Studie des Internationalen Fond für den Tierschutz (IFAW) in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Duke Universität hin. Betroffen seien die Sattel- und Klappmützenrobben, die Ende Februar ihre Jungen auf dem Eis zur Welt bringen.

In den vergangenen Jahren findet man an der Ostküste Kanadas immer wieder Kadaver von Robbenbabys. Wahrscheinlich wurden die Kleinen von ihrer Mutter getrennt und sind verhungert. Oder sie kamen in den herabstürzenden Eismassen zu Tode, sagte David Lavigne vom IFAW letzte Woche auf einer Pressekonferenz. Über die durch Ottawa unterstützte jährliche Jagd äußerte er den Verdacht, dass die kanadische Regierung vorsätzlich zu viele Robbenbabys zum Töten freigibt, um den Bestand zu dezimieren. Die kanadische Robbenjagd, die üblicherweise Mitte März beginnt und zwei Monate dauert, gilt als das größte Abschlachten von Meeressäugern auf der ganzen Welt.

Das zuständige Fischerei- und Meeresministerium in Ottawa bestreitet den Verdacht. Vielmehr gehe man davon aus, dass die Robbenpopulationen robust seien. Auch den Befund des IFAW und der Duke Universität hält man für falsch. Folglich sehe man keinen Grund von der jährlichen Fangquote abzurücken, die mittlerweile bei weit über 300.000 Jungtieren liegt. Als Grund für Robbenjagd führt das Ministerium immer wieder an, dass die Robben mitverantwortlich für den Zusammenbruch des Kabeljaubestandes vor der Ostküste seien. Ein Seegebiet das als notorisch überfischt bekannt ist.

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