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Mit Natursteinen gegen zerstörerische Fischerei

Tonnenschwere Steine versenken Greenpeace-Aktivisten auf den Grund des Sylter Außenriffs. Damit wollen sie ein Gebiet in der Deutschen Bucht vor der Zerstörung durch die Fischerei schützen. Das Gebiet wird seit Jahren durch Schleppnetze sowie schwere Saugbagger für den Abbau von Sand und Kies bedroht - obwohl es als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

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Seit Dienstagmorgen ist Greenpeace mit drei Schiffen vor Ort, um den Kraftakt zu stemmen. Die Aktivisten an Bord der Beluga 2, der Argus und einem Arbeitsschiff werden rund 1000 Steine vor Sylt auf den Meeresboden ablassen. Die Aktion wird mehrere Wochen dauern.

Wir müssen jetzt handeln, das Meer muss endlich geschützt werden, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. Die Fischer schaden sich mit ihren zerstörerischen Fangtechniken selbst. Wer heute alles wegfängt, wird morgen leere Netze haben.

Besonders verheerend wirken sich Schleppnetze aus. Die Fischer ziehen sie über den Meeresgrund und durchpflügen damit den Meereesboden. Alles, was sich diesen Fanggeräten aus Stahlketten und Nylonnetzen in den Weg stellt, wird mitgenommen oder untergepflügt.

Die Bundesregierung muss Fischerei, Sand- und Kiesabbau in den Schutzgebieten verbieten, fordert Menn. Nur so lassen sich Arten und Lebensräume schützen. Nur so haben die Fischbestände eine Chance, sich zu erholen.

Das Sylter Außenriff, rund 35 Seemeilen westlich von Sylt, ist eines der seltenen Steinriffe in der Nordsee. Die Steine ermöglichen vielfältiges Leben: Angefangen von Tieren, die auf ihnen festsitzen, über Fische, die zwischen ihnen Nahrung und Schutz finden, bis hin zu den Schweinswalen. Sie kommen vor allem zur Paarung und Geburt in das Schutzgebiet. Während dieser kräftezehrenden Phase finden die in Europa am stärksten bedrohten Wale dort noch ausreichend Nahrung. Bedrohte Fischarten im Sylter Außenriff sind beispielsweise Finte und Flussneunauge.

In Schutzgebieten, in denen weder Fischerei noch andere menschliche Nutzung stattfindet, können Jungfische ungestört heranwachsen, bis sie schließlich selber laichen. Dadurch wächst die Fischpopulation dort wieder an.

Beispiele von Schutzgebieten in den USA oder auf den Philippinen zeigen, dass die Fische nach einiger Zeit in die umliegenden Gebiete auswandern. Dort wachsen die Bestände dann ebenfalls wieder an. So profitieren auch die Fischer von den Schutzgebieten.

Deutschland hat sich wie die meisten Länder der Welt im Rahmen der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) vepflichtet, den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten und ein weltweites Netzwerk von Schutzgebieten zu errichten. Zusätzlich muss Deutschland durch die Anfang 2008 verabschiedete Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie einen guten Umweltzustand der Europäischen Meere bis zum Jahr 2020 erreichen.

Zum Weiterlesen:

Vorschlag für Meeresschutzgebiete im Mittelmeer

Meeresschutzgebiete

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Kurzinfo: Überfischung

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