Öl- und Gasförderung auf dem Meer

Immer mehr Erdöl und Erdgas wird unter dem Meer gefördert. Offshore-Aktivitäten in der Tiefsee sind besonders riskant, wie das verheerende Unglück der Öl-Bohrplattform "Deepwater Horizon" 2010 im Golf von Mexiko gezeigt hat. Doch nicht nur im Katastrophenfall, auch im täglichen Betrieb verschmutzen die Industrieanlagen das Meer.
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Um den Energiehunger der Welt, insbesondere der Industrienationen zu stillen, müssen immer neue Öl- und Gasquellen erschlossen werden. Da die Reserven auf dem Festland allmählich zur Neige gehen, setzen die Mineralöl- und Erdgaskonzerne verstärkt auf die Förderung unter dem Meer. Das ist technisch sehr aufwändig und teuer. Trotzdem lohnen sich die Investitionen für die Unternehmen. Zwar schwanken die Marktpreise für Rohöl und Erdgas immer wieder, doch langfristig werden sie astronomisch steigen.

2010 wurden weltweit rund 3,9 Milliarden Tonnen Öl gefördert. Der Anteil aus dem Meer liegt momentan bei rund einem Drittel. Die Internationale Energie Agentur schätzt, dass das Verhältnis zwischen Onshore- und Offshore-Förderung in den kommenden Jahrzehnten zwar in etwa gleich bleiben wird – dabei aber die Förderung in der Tiefsee (ab 400 Metern unter der Meeresoberfläche) deutlich steigen wird. 2009 wurden etwa 5 mb/d (Millionen Barrel pro Tag) in der Tiefsee gefördert, 2035 werden es vermutlich rund 9 mb/d sein.

Bisher haben sich die Offshore-Aktivitäten vor allem in der Nordsee und im Golf von Mexiko abgespielt. Hier sind die meisten Felder erschlossen und werden schon seit Jahrzehnten ausgebeutet. Nun treibt es die Industrie immer weiter von den Küsten weg, in immer größere Meerestiefen. 2007 waren bereits 157 Ölfelder angezapft, die 500 Meter tief oder tiefer liegen, 91 Prozent davon im Atlantik zwischen dem Golf von Mexiko, der brasilianischen Küste und Westafrika, im sogenannten Goldenen Dreieck.

Auch bei der Erdgasgewinnung (2010 insgesamt 3,2 Billionen Kubikmeter) liegt der Offshore-Anteil momentan bei etwa einem Drittel, Tendenz steigend – und auch hier lautet der Trend: Es wird immer weiter draußen und immer tiefer gebohrt. Der Rekord liegt momentan bei sagenhaften 2740 Metern Meerestiefe am Chayenne-Gasfeld im Golf von Mexiko. Künftig wird der Nahe Osten in den Fokus rücken: Das weltgrößte Vorkommen, mit 38 Billionen Kubikmeter Gas, wird unter dem Persischen Golf vermutet. Noch ist die Nordsee das wichtigste Fördergebiet. Weitere ungehobene Schätze lagern zum Beispiel noch vor Indien und Bangladesch, Malaysia und Indonesien.

Die Arktis im Visier der Gier

Durch den Klimawandel schmilzt das arktische Meereis und damit die bisherige natürliche Barriere gegen eine industrielle Ausbeutung. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten kommen zu der Erkenntnis, dass in der Region nördlich des Polarkreises etwa 30 Prozent der bisher unentdeckten, technisch förderbaren Gasvorräte und 13 Prozent (90 Milliarden Barrel) des unentdeckten Öls lagern. Bei gleichbleibender Nachfrage würde dieses Öl knapp drei Jahre den Weltbedarf decken. Der Run auf die Ressourcen hat bereits begonnen: Zur Ölgewinnung stehen drei Provinzen im Mittelpunkt des Interesses: das Arktische Alaska (USA), das Kanadabecken (Kanada) und Ostgrönland (Dänemark).

Der russische Ölkonzern Rosneft hat 2011 einige Kooperationsverträge mit Konkurrenten unterzeichnet, um Erdöl in unzugänglichen und klimatisch schwierigen Gebieten der arktischen Tiefsee zu fördern: Mit ExxonMobil und Shell wurden Verträge zur Ausbeutung der Ölvorkommen unter anderem in der Karasee nördlich des Polarkreises geschlossen. Shell betreibt derzeit bereits Gasfelder im ostrussischen Sachalin, bohrt vor Norwegen nördlich des Polarkreises und vor Grönland in Nordalaska. Dazu plant Shell Probebohrungen in der Beaufort- und Tschuktschen-See. Bohrvorhaben in Alaska wurden auch von ConocoPhilipps und BP angekündigt. Der norwegische Konzern Statoil hat sich Beteiligungen an der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in der Barentsee und dem Ochotskischen Meer vor Sibirien gesichert.

(Autorin: Nicoline Haas)

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