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Ein Jahr nach der Prestige-Katastrophe

Mehr als 2000 Kilometer Küste verseucht, bis zu 300.000 Vögel tot, Gift in der maritimen Nahrungskette, schwere Einkommensverluste der kleinen Fischer - das ist kurz gesagt die Bilanz ein Jahr nach der Havarie der Prestige. Unsere spanischen Greenpeace-Experten fassen diese Bilanz in einer Studie zusammen, die anlässlich des traurigen Jubiläums veröffentlicht wurde.

Zur Erinnerung: Am 13. November 2002 geriet der Tanker Prestige mit rund 77.000 Tonnen Schweröl an Bord bei stürmischem Wetter in Seenot. Die spanischen Behörden sorgten dafür, dass der Havarist nicht etwa in den nächsten sicheren Hafen geschleppt wurde, sondern hinaus aufs offene Meer. Am 19. November brach das Schiff entzwei und sank.

Niemals zuvor mussten so viele Vögel bei einer Ölkatastrophe in europäischen Gewässern sterben, waren so viele andere Tiere wie Muscheln, Krabben, Hummer in solchem Ausmaß direkt betroffen. Noch im ersten Halbjahr 2003 wurden bei offiziellen spanischen Untersuchungen erhebliche Rückstände des Schweröls in Meerestieren gefunden.

Tausende Fischer besonders an der galicischen Küste wurden in ihrer Existenz getroffen. Die Tourismusbranche in den betroffenen Regionen erlitt schwere Einbußen. Und noch heute wird schwefelhaltiges, Krebs erregendes Schweröl aus dem Wrack der Prestige an die Küsten geschwemmt. Experten erwarten, dass sich die Lage erst im Jahre 2015 normalisieren wird.

Die Kosten für die Reinigung und Wiederherstellung der Küsten beziffern sich laut Greenpeace-Studie auf schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die bislang größte Ölkatastrophe der Welt - der Untergang der Exxon Valdez vor Alaska 1989 - hat umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro an Reinigungskosten verschlungen.

Es fragt sich, welche Konsequenzen aus dem Desaster gezogen wurden. Die Havarie der Prestige war kein Zufall. Das Schiff war 26 Jahre alt, besaß nur eine Hülle, war einer von Tausenden Schrott-Tankern, die damals wie heute die Meere unsicher machen dürfen. Eine Katastrophe wie die vom November 2002 kann sich jederzeit und überall auf den Meeren wiederholen.

Die Antwort laut Greenpeace-Studie: gezogene Konsequenzen fast keine. Untersuchungen zu den gesundheitlichen Folgen für die vielen damaligen Helfer vor Ort gibt es in Spanien bis heute nicht. Pläne zur ökologischen Wiederherstellung hat die spanische Regierung bislang nicht vorgelegt. Notstandspläne für den Fall einer erneuten Ölkatastrophe ebenfalls nicht.

Zwar dürfen Einhüllen-Tanker, die Schweröl, Bitumen oder Teer geladen haben, seit Ende Oktober keine EU-Häfen mehr anlaufen. Aber die EU-Gewässer passieren dürfen sie nach wie vor. Einhüllen-Tanker mit anderen Ölarten an Bord dürfen noch auf Jahre hinaus fahren, innerhalb der EU bis 2010.

Eine Bilanz, die sich nicht gerade sehen lassen kann, meint auch Greenpeace-Experte Jörg Feddern. Wir fordern, dass alle Einhüllen-Tanker über 20 Jahre sofort von den Weltmeeren verschwinden. Das sind zurzeit rund 3.400 Schiffe. Und jeder Schrott-Tanker ist einer zu viel.

Hier der Link zur Studie

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