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China: Neues Ölunglück

Nicht einmal einen Tag nach der vorläufigen Schließung des Bohrlochs im Golf von Mexico folgt der nächste große Ölunfall: Nach der Explosion zweier Erdöl-Pipelines in der chinesischen Hafenstadt Dalian am 16. Juli hat sich bereits ein großer Ölteppich gebildet. Greenpeace-Experten sind vor Ort, um die Ausmaße des Unglücks und den Kampf gegen die Ölpest zu dokumentieren.

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Der Ölteppich breitet sich derzeit über etwa 100 Quadratkilometer aus. Nach ersten Schätzungen sind bereits 1.500 Tonnen Öl ausgeflossen. Zur Bekämpfung der Ölpest setzen die Verantwortlichen giftige Lösungsmittel ein. Die chemische Keule könnte die Situation – ähnlich wie im Golf von Mexiko – durchaus verschlimmern.

In Darian lagern die größten Erdölvorräte Chinas. Laut Medienberichten ereignete sich das Unglück, als ein liberianischer Tanker Rohöl im Hafen ablud. Das Ausmaß des Ölunfalls wurde von offizieller Seite anfangs untertrieben; falsche Versprechungen von einer schnellstmöglichen Säuberung und geringen Schäden für die Umwelt sollten die Medienaufmerksamkeit möglichst gering halten. Die Folgen der Ölverschmutzung für Umwelt und Wirtschaft sind jedoch erheblich: Darian ist eine der wichtigsten Fischereistädte in China. Es werde sich herausstellen, ob Fische und Meeresfrüchte in dieser Region noch genießbar sein werden, so Yang Ailun, Energieexperte bei Greenpeace China. Seit dem 21. Juli sind die Strände in der betroffenen Region für Besucher gesperrt.

Erstes Opfer

Die Aufräumarbeiten dauern noch an. Aktuelle Fotos von Greenpeace zeigen die Bemühungen vor Ort, die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Bei dem Versuch, eine Unterwasserpumpe zu befestigen, geriet ein Feuerwehrmann ins Öl und konnte gerettet werden. Ein zweiter Feuerwehrmann versank unter der über 20 Zentimeter dicken Ölschicht auf der Wasseroberfläche. Ein mehrköpfiges Expertenteam von Greenpeace ist in Darian und fordert die chinesische Regierung und die Verantwortlichen auf, aktiv gegen die Folgen dieses Unfalls vorzugehen. Greenpeace-Aktivisten verteilen Gesichtsmasken an die Aufräum-Truppe, an Fischer und sogar an lokale Polizisten. Sie alle sind unmittelbar den giftigen Lösungsmitteln ausgesetzt, mit denen die für das Unglück Verantwortlichen die Ölpest zu bekämpfen versuchen.

Zeitalter des Erdöls muss enden

Ob im Golf von Mexiko oder im Golf von Dalian, überall das gleiche Bild: Mit fossilen Energien wird es keine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung geben, betont Ailun. Um unsere Umwelt vor den Folgen derartiger Unfälle zu bewahren, müssen wir unser Energie-System reformieren. Wir müssen weg von den dreckigen fossilen Kraftstoffen wie Kohle und Öl, hin zu den sauberen Erneuerbaren Energien!

Zu deutlich belegen Unfälle wie diese die unkontrollierbaren Risiken der Erdölförderung und -lagerung. Ungeachtet der Technologie und der Sicherheitsvorkehrungen kann jederzeit ein ähnliches Unglück geschehen. Greenpeace-Überflüge in der Nordsee dokumentieren große Öllachen, die Nebenprodukt des alltäglichen Förderbetriebs sind. Länderübergreifend informieren Greenpeace-Aktivisten über die Risiken der Ölförderung und fordern ein Ende der Tiefseebohrungen.

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