Fortschritt beim Dosenthunfisch - wenn auch zu wenig

Es tut sich etwas beim Dosenthunfisch: Das Unternehmen Bolton Alimentari, bei uns durch die Marke Saupiquet bekannt, hat vor wenigen Tagen seine neue Nachhaltigkeitspolitik für Thunfisch veröffentlicht. Ein Fortschritt? Ja, aber nur ein kleiner.
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Bis 2013 sollen laut Bolton-Nachhaltigkeitspolitik 45 Prozent des Thunfischs für Dosen mit nachhaltigen Fischereimethoden gefangen werden: zum Beispiel Rute und Leine oder Ringwaden ohne sogenannte Fischsammler (Fish Aggregation Devices, FAD).

Dieser erste Schritt ist ein Ergebnis der Greenpeace-Kampagne in zahlreichen Ländern. Das spiegelt sich auch in der Nachhaltigkeitspolitik selber wieder: Bolton wird in Zukunft die von Greenpeace geforderten Schutzgebiete im Pazifik unterstützen. Auch verspricht das Unternehmen, keinen Thunfisch von Schiffen mehr zu kaufen, die in illegale Aktivitäten verstrickt waren oder ein Verladen auf See - sogenanntes transshippment - durchführen.

Dennoch: Andere Firmen gehen weiter. Zum Beispiel Princes, die Hauptmarke in England und Holland. Das Unternehmen will bis 2014 zu 100 Prozent auf nachhaltige Fangmethoden umsteigen. Das Bolton-Ziel könnte also höher gesteckt sein. Auch bei der Kennzeichnung ihrer Thunfischdosen ist ihre Politik unzureichend. Für den Verbraucher wird es noch lange dauern, bis er auf der Dose nachlesen kann, welcher wie und wo gefangene Thunfisch sich darin befindet.

Marktriese Bolton

Bolton Alimentari ist weltweit einer der größten Hersteller von Thunfisch in Dosen, mit Sitz in Italien und der größten Thunfischdosenfabrik in Europa. Diese produziert drei Millionen Dosen täglich und verarbeitet 25.000 Tonnen Thunfisch pro Jahr. Boltons Hauptmarke Riomare ist in über 30 Ländern, unter anderem in Österreich, der Schweiz, Holland, Griechenland, Kanada und Italien vertreten und mit mehr als 30 Prozent der unangefochtene Marktführer. In Deutschland verkauft Bolton den Dosenthunfisch unter der Marke Saupiquet.

Durch ihren großen Marktanteil könnte die Firma eine echte Veränderung in der Thunfischfischerei und für die lokale Bevölkerung der pazifischen Inselstaaten bewirken. Anfang 2010, als Greenpeace den Druck verstärkte, hatte Bolton noch keinerlei Grundsätze zur Nachhaltigkeit oder Kennzeichnung ihrer Produkte.

Bolton ist Mitglied der International Seafood Sustainablity Foundation (ISSF). Die Foundation wurde gegründet, um nachhaltige Fischerei zu fördern, ist aber weit hinter ihre Ziele zurückgefallen. Zahlreiche Firmen der ISSF, wie Bumble Bee, Clover Leaf, John West, Thai Union/Chicken of the Sea, bewegen sich noch immer nicht. Auch diese Firmen müssen sicherstellen, dass ihre Produkte nachhaltig sind, wenn ISSF das Wort Nachhaltigkeit in seinem Namen wirklich ernst nimmt.

Für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist die Entwicklung des Markenführers Saupiquet ein guter Schritt. Aber dabei darf es nicht bleiben. Ziel muss sein, dass Verbraucher nur noch 100-prozentig nachhaltige Ware im Regal bei den Thunfischdosen finden.

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