Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

DVD-Tipp: Darwins Alptraum - die dunkle Seite der Globalisierung

Am 7. Dezember kommt der preisgekrönte Dokumentarfilm Darwins Alptraum des österreichischen Filmemachers Hubert Sauper als DVD in den Handel: Er erzählt mit schockierenden Bildern das Gleichnis von den großen und den kleinen Fischen auf unserem Planeten. Von einer Welt, in der immer der Stärkste sich durchsetzt. Bis niemand mehr überleben kann.

  • /

Das Verhängnis begann unscheinbar: Vor rund 30 Jahren setzten Wissenschaftler im afrikanischen Viktoriasee einige Nilbarsche aus. Die Tiere vermehrten sich schnell. Alles schien gut. Das Gedeihen des großen Raubfischs versprach den Menschen am Viktoriasee mehr Nahrung und besseres Einkommen als die zahllosen anderen Fischarten. Doch am Ende stand eine ökologische und soziale Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Während sich im Viktoriasee der Nilbarsch - heute fast nur noch Viktoriabarsch genannt - ungehemmt vermehrte, verbreiteten sich auf den Meeren die Fischereiflotten der Industriestaaten. Mit immer größeren Schiffen und riesigen Netzen fischen sie die Ozeane leer. Sind die Meere vor der eigenen Haustür fast leer, so kaufen die reichen Länder des Nordens sich den Fisch woanders. Zum Beispiel den Viktoriabarsch aus Tansania. Er gilt in Europa als Delikatesse.

Heute ist der Viktoriasee, zweitgrößter Süßwassersee der Welt und fast so groß wie ganz Bayern, ein sterbendes Gewässer: Am Anfang stand ein künstlich verpflanzter Fisch. Er führte zur unkontrollierten industriellen Fischerei. Durch den fremden Seebewohner und die Fischerei wurden die anderen Fischarten bis an den Rand der Ausrottung dezimiert. Ohne die pflanzenfressenden Fischarten und durch Abwässer vermehrten sich die Algen.

Bei den meisten der 30 Millionen Menschen am See ist statt des erwarteten Wohlstands die nackte Not eingekehrt. Die traditionelle Fischerei, Existenzgrundlage vor allem vieler Frauen, ist nahezu zerstört. Täglich heben vom kleinen Flugfeld der tansanischen Stadt Mwanza Frachtflugzeuge mit Tonnen von Barschfilets ab. Für die Bevölkerung bleibt zurück, was wir Europäer verschmähen: die ausgeschlachteten Reste. Was kommt dafür aus den Industriestaaten zurück? Unter anderem - Waffen. Waffen für die vielen Kriege auf dem afrikanischen Kontinent.

Hubert Sauper: Darwin's Nightmare könnte ich in Sierra Leone erzählen, nur wäre der Fisch ein Diamant, in Honduras eine Banane, und in Angola, Nigeria oder Irak schwarzes Öl.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schwarzer Tag fürs ewige Weiß

Wirtschaftliche Interessen wogen schwerer als die Gesundheit der Ozeane: Die Antarktisschutzkommission CCAMLR beschließt vorerst kein Schutzgebiet im Weddellmeer.

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.