Greenpeace-Umfrage: Mehrheit der Deutschen will 2019 weniger Fleisch essen

Vorsätzlich handeln

Die Mehrheit der Deutschen will künftig weniger Fleisch essen – aber mehr dafür zahlen, sofern es aus artgerechter Haltung stammt. Das ergab eine Greenpeace-Umfrage zum Jahresbeginn.

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Stress vermeiden, mehr Zeit für Freunde, mehr Sport – alljährlich veröffentlicht die Krankenkasse DAK eine Rangliste der beliebtesten Neujahrsvorsätze der Deutschen. Ende 2018 gab rund die Hälfte der Befragten, die Vorsätze fürs neue Jahr haben, dabei an, sich gesünder ernähren zu wollen. Das ist eine gute Idee. Aber wie wäre es, sich besser zu ernähren? Nachhaltiger, verantwortungsvoller und natürlich auch gesundheitsbewusster – und zwar, indem man auf Fleisch verzichtet. Ist auch das ein Vorsatz der Deutschen für 2019? Das wollte Greenpeace wissen.

Ende Dezember befragte darum das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid 1014 Bundesbürger danach, ob sie im neuen Jahr etwas an ihrem Fleisch- und Wurstverbrauch ändern werden. Die Mehrheit der Befragten antworteten mit Ja: 54 Prozent wollen weniger Fleisch essen. Vier Prozent müssen sich das gar nicht vornehmen: Sie leben ohnehin vegetarisch oder vegan.

Umweltschutz oder Gesundheit?

Dabei gibt es Unterschiede zwischen Geschlechtern und Altersstufen. 62 Prozent der Frauen wollen künftiger weniger Fleisch essen, bei den Männern sind es nur 46 Prozent. Die Bereitschaft der jüngeren Befragten, ihre Essgewohnheiten zu verändern, ist mit 57 Prozent zwar etwa genauso hoch wie im Gesamtschnitt, interessanterweise liegt die Motivation aber woanders: Für Schüler ist der Schutz der Umwelt das wichtigste Thema, den Älteren geht es eher um die eigene Gesundheit.

Ein starkes Bedürfnis nach einer eindeutigen Haltungskennzeichnung gibt es bei denen, die nach wie vor Fleisch essen. 81 Prozent geben an, beim Kauf stärker auf die Bedingungen im Stall achten zu wollen. Dass artgerechte Tierhaltung ihren Preis hat, ist dabei so gut wie allen Befragten klar: 89 Prozent sind bereit, dafür mehr Geld zu zahlen. Dafür verlangen sie größtmögliche Transparenz. Eine freiwillige Haltungskennzeichnung für Handel und Gastronomie, wie sie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vorschlägt, genügt 85 Prozent nicht. Sie wünschen sich eine verbindliche, gesetzlich geregelte Kennzeichnung – nicht nur für Frischfleisch im Supermarkt, sondern für alle Fleischprodukte in Handel und in der Gastronomie.

Bis es soweit ist, müssen allerdings die Supermarktketten selbst die Herkunft offenlegen: 89 Prozent aller Befragten sind dafür, dass Supermärkte ihr Frischfleisch nach der Art der Tierhaltung ausweisen, von Massentierhaltung bis Bioqualität. Lidl hat es vorgemacht, andere zogen nach, Edeka weigert sich bislang.

Fleischkonsum sinkt seit Jahren

Auch wenn die guten Vorsätze zu Beginn des Jahres oft im Februar bereits Geschichte sind, ist der Verzicht auf Fleisch häufig dauerhafter. „Seit einigen Jahren sinkt der Fleischverzehr“, sagt Martin Hofstetter, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Es ist gut für die Umwelt, wenn sich dieser Trend fortsetzt.“ Nicht jeder möchte komplett auf Wurst und Fleisch verzichten – aber wer kein Vegetarier werden will, kann trotzdem einen Unterschied machen. Die Hoffnung ist: Entscheiden sich die meisten Konsumenten für Fleisch aus artgerechter Haltung, verschwinden die industriellen Ställe, in denen die Tiere bis zur Schlachtung ein besonders qualvolles Leben führen – das regelt dann der Markt. „Eine große Mehrheit der Bevölkerung nimmt nicht länger hin, dass Tieren unnötig Leid zugefügt wird“, so Hofstetter.

Doch damit Verbraucher am Kühlregal durchblicken, braucht es die Initiative der Landwirtschaftsministerin. „Durch eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch und Wurst kann sie eine verlässliche Basis für Verbraucher schaffen, die im Supermarkt ebenso wie im Restaurant Fleischprodukte aus artgerechter Haltung konsumieren wollen“, sagt Hofstetter. Dann klappt’s auch mit den Vorsätzen.

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