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BfR: Weniger Pestizide bloß Werbung?

Am Mittwoch zog das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin eine positive Bilanz seiner bisherigen Arbeit. Das im November 2002 gegründete Institut, das sich unter der Federführung des Bundesverbraucherschutzministeriums befindet, sollte Risikobewertung auf hohem wissenschaftlichem Niveau, frei von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Interessen, transparent und damit nachvollziehbar für die Öffentlichkeit liefern. Doch ob dieser hehre Auftrag auch wirklich verinnerlicht wurde, wird immer fraglicher.

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So berichtet der Fachinformationsdienst Agrar-Europe in seiner 18. Ausgabe vom 2. Mai 2006 von Äußerungen des BfR-Präsidenten, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel: Wenn Discounter von den Erzeugern eine Unterschreitung der Rückstandshöchstmengen von Pflanzenschutzmitteln auf Obst und Gemüse um 30 Prozent verlangen, habe dies nichts mit einer Verbesserung des Schutzniveaus zu tun oder gar mit einer wirtschaftlichen Begründung. Prof. Hensel sagte, sein Institut stufe eine solche Forderung als Werbung ein.

Eine solche Äußerung ruft bei dem Greenpeace-Chemieexperten Manfred Krautter Befremden hervor: Jeder Schritt, Pestizidbelastungen von Lebensmitteln zu reduzieren, ist dringend notwendig. Es scheint absurd, dass entsprechende Bemühungen einzelner Handelsketten zum Gesundheits- und Verbraucherschutz in Frage gestellt und von Ihrer Seite als Werbung abqualifiziert werden.

Deshalb bat er den BfR-Präsidenten am Mittwoch in einem offenen Brief um eine Stellungnahme. Greenpeace geht grundsätzlich davon aus, dass eine möglichst weitgehende Reduktion toxischer Rückstände wie Pestizide in Lebensmitteln und die damit verbundene Reduktion der Belastung der Verbraucher mit solchen Chemikalien ein wichtiger Beitrag zum vorsorgenden Verbraucher-, Gesundheits- und Umweltschutz ist.

Das ist allerdings nicht der erste offene Brief, den der Präsident des BfR von Greenpeace erhielt. Bereits Mitte Mai fragte Greenpeace nach, wie es um die wissenschaftliche Forschung einer BfR-Mitarbeiterin gestellt sei, die für ihre positive Chlor-Chemikalienuntersuchung auch Gelder des Verbandes der Chlorindustrie erhalten hatte. Bislang liegt darauf noch keine Antwort des Instituts vor.

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