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"Golden Rice" und tote Kinder

Im "Focus" vom 14.10.2013 berichtet Patrick Moore, der sich gerne als Mitgründer von Greenpeace darstellt, von seiner Kampagne "Allow Golden Rice Now!". Deren Ziel ist die möglichst baldige Einführung und der Anbau von sogenanntem "Goldenen Reis" in den von Vitamin-A-Mangel betroffenen Ländern. Greenpeace selbst kommt in dem Artikel nicht zu Wort – daher hier unsere Sicht auf die Problematik.

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Vor allem in Afrika und Südostasien ist Vitamin-A-Mangel ein Problem, an dem laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 250 Millionen Kinder leiden. Moore glaubt, das Problem könne durch den Anbau gentechnisch veränderten Reises gelöst werden. "Golden Rice" produziert Betacarotin (auch als Provitamin A bekannt), das im Körper zu Vitamin A umgewandelt ein essentieller Nährstoff ist. Moores Vorwurf an Greenpeace, Zitat Focus ..."dass sie (Greenpeace) die Aussaat des 'Goldenen Reises' durch Proteste und Lobby-Arbeit seit Jahren verhindert, und somit Mitschuld am Tod der Kinder trägt".

Was aber sagt Greenpeace wirklich, im Focus-Artikel wurden wir nicht gefragt:

Die Bekämpfung von Unterernährung im Falle von unzureichender Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, auch "versteckter Hunger" genannt, darf nicht nur mit medizinischen Mitteln oder Versprechen der Gentechnik möglich sein. Kern des Problems ist vielmehr der mangelhafte Zugang der betroffenen Menschen zu einer vielfältigen Ernährung, welche die benötigten Nährstoffe über Früchte und Gemüse liefert. Dabei handelt es sich um weit mehr als nur Provitamin A, nämlich um sämtliche Vitamine, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffe. Mit Gentechnik ist dies ganz sicher weder erreichbar noch dürfte eine ausschließlich auf angereichertem Reis basierende Ernährung ein wünschenswertes Szenario sein.

Golden Rice wurde vor über 20 Jahren entwickelt und hat es seitdem nicht geschafft, seine Fähigkeit zur Behebung der Vitamin-A-Mangelproblematik unter Beweis zu stellen. In dieser Zeit sind Millionen von Dollar in das Prestige-Projekt der Agro-Gentechnik geflossen, die an anderer Stelle deutlich sinnvoller investiert gewesen wären. Längst verfügbare und funktionierende Maßnahmen zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels hätten so unterstützt werden können. So kann zum Beispiel mit Vitamin-A-Tabletten und Anreicherung von Lebensmitteln mit Mikronährstoffen das akute Problem behoben werden. Auch die WHO sieht Vitamin-A-Präparate als kurzfristig erfolgversprechendste Maßnahme gegen einen Mangel an, empfiehlt als nachhaltige Lösung aber langfristig vor allem eine vielfältige Ernährung. Vitamin-Präparate können nur eine Übergangslösung sein auf dem Weg zur Behebung der wahren Ursachen.

Denn eigentlich sollte eine entsprechende Versorgung mit vielfältigen Produkten auf Grundlage ökologischer Landwirtschaft eine Selbstverständlichkeit sein, die in den betroffenen Ländern aber auch im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft auf der Strecke geblieben ist. Langfristig wird nur die nachhaltige Produktion hochwertiger Lebensmittel in lokal angepassten Systemen die Probleme lösen. Immer offensichtlicher wird, dass insbesondere in tropischen Ländern nur mit Methoden des ökologischen Landbaus Erfolge erzielt werden können. "Golden Rice" als einzige schnelle Lösung zu präsentieren ist daher unverantwortlich und falsch. Greenpeace verhindert nicht den Anbau, sondern sagt, dass es bereits jetzt einfachere und bessere Methoden gibt, die Problematik von hungernden und erblindenden Kindern zu lösen.

 

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