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Größtes Industrieprojekt des Planeten setzt gigantische Mengen Treibhausgase frei

Protest in kanadischer Ölsand-Mine geht weiter

Es ist ein deutliches Signal an US-Präsident Barack Obama: Wer beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle spielen will, darf keinen Handel mit klimaschädlichem Ölsand zulassen! Seit mehr als 20 Stunden protestieren deshalb Greenpeace-Aktivisten aus Kanada, den USA und Frankreich gegen den Abbau von Ölsand bei FortMcMurray in der kanadischen Provinz Alberta.

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In einem Bergbaubetrieb des Erdölkonzerns Shell-Albion haben 20 Aktivisten ein Riesenbanner mit der Botschaft Tar Sands: Climate Crime (Ölsand: Klimaverbrechen) ausgerollt und sich an Schaufelradbagger und Riesen-LKW gekettet. Heute treffen sich Präsident Barack Obama und der kanadische Premier Stephen Harper in den USA, um auch über die Klimaauswirkungen des Ölsands in Alberta zu sprechen.

Greenpeace-Campaigner Christoph von Lieven ist in diesem Juli für Greenpeace in der Region Alberta auf Recherche gegangen - es war eine Reise in eine apokalyptische Welt.Der kanadische Ölsand-Abbau ist das größte industrielle Projekt des Planeten, erläutert von Lieven. Eine Fläche von der Größe Englands wird hier verwüstet, als Abfallprodukt entstehen riesige Giftseen mit einer tödlichen Mischung aus Arsen, Quecksilber und anderen Chemikalien. Die größten Ölkonzerne und Banken profitieren hier von einer Umweltzerstörung apokalyptischen Ausmaßes. Diese industrielle Katastrophe muss gestoppt werden.

Die US-Regierung fährt beim Thema Ölsand einen widersprüchlichen Kurs: Einerseits ist sie durch die Klimaschutz-Ankündigungen von Präsident Obama und den U.S. Energy Independence and Security Act (Abschnitt 526 und 804) dazu verpflichtet, keine Ölsandprodukte einzuführen. Andererseits hat sie gerade den grenzüberschreitenden Bau einer neuen Pipeline zur Einfuhr dieses "Dirty Oils" aus Kanada genehmigt. Kanada ist mit 18,5 Prozent der größte Öllieferant der USA, noch vor Saudi Arabien oder Kuweit.

Der Ölsand-Abbau wurde erst in den letzten Jahren durch die zur Neige gehenden Ölquellen und die anhaltend hohen Ölpreise lukrativ. Alle großen Erdölkonzerne wie Shell, BP, ExxonMobile, Total, Suncor, Syncrude und StatoilHydro investieren in die Ölgewinnung in Westkanada. Aktuell werden täglich 1,2 Millionen Barrel Öl gefördert. Das Herauslösen des sandgebundenen Öls setzt gigantische Mengen an Treibhausgasen frei: Pro Barrel gewonnenen Öls werden 62 bis 176 Kilogramm CO2 freigesetzt – das sind drei bis fünf Mal so viel schädliche Klimagase wie bei der konventionellen Ölförderung.

Auf der kommenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen soll ein Nachfolge-Abkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden. Durch die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls hat sich Kanada verpflichtet, seine Treibhausgas-Emissionen bis 2012 im Vergleich zu 1990 um sechs Prozent zu senken. Der Treibhausgasausstoß durch die Ölsandförderung steht im Widerspruch zu Kanadas Reduktionsverpflichtungen. Kanada entfernt sich von seiner Zielmarke immer weiter. Nach wissenschaftlichen Schätzungen wird der zunehmende Ölsand-Abbau ab dem Jahr 2020 für über 40 Prozent der CO2-Emissionen in Kanada verantwortlich sein.

Wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen fordert Greenpeace deshalb einen Ausstieg aus dem Ölsand-Abbau in Kanada.

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