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Ein Interview mit Wolfgang Lohbeck

Interview: SolarChill und die Hintergründe

Jedes Jahr verderben in den Entwicklungsländern Impfstoffe im Wert von Dutzenden Milliarden US-Dollar, weil die Kühlung nicht funktioniert hat, sagt Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck. Gerade dort, wo Armut, Krankheiten und Unterernährung das Leben zahlloser Menschen beeinträchtigen, ist meistens Sonne im Überfluss vorhanden. Nach dem Prinzip Kühlung durch Sonne hat Lohbeck deshalb SolarChill mitentwickelt - eine solare Kühltechnologie vor allem für Entwicklungsländer.

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Greenpeace Online: Wolfgang, SolarChill hat am Mittwochabend den Preis der britischen Kühlmittelindustrie erhalten. Wer und was steckt hinter dem Begriff SolarChill?

Wolfgang Lohbeck: SolarChill ist eine Initiative von Greenpeace, für die wir aber bewusst andere Partner mit ins Boot genommen haben, vor allem Organisationen der Vereinten Nationen wie WHO und UNICEF. Genauer gesagt geht es um eine Weiterentwicklung des Greenfreeze, des FCKW/FKW-freien Kühlschranks, besonders für Entwicklungsländer.

Es handelt sich um solar betriebene, absolut umweltfreundliche Kühlgeräte, die unabhängig vom Stromnetz und von Batterien funktionieren. Weltweit haben zweieinhalb Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu elektrischem Strom. Der Bedarf an Kühlgeräten, die keinen Strom aus dem Netz benötigen, ist darum gewaltig.

Es wird zwei Typen geben: Typ A, das Kühlgerät für Impfstoffe, ist praktisch serienreif. Wir warten nur noch auf die Zertifizierung der WHO, die aber schon zugesagt ist. Ab nächstem Jahr geht er in Produktion. Typ B, ein ganz normaler Haushaltskühlschrank, soll demnächst in die Testphase gehen.

Greenpeace Online: Warum die Unterscheidung zwischen der Kühlung von Impfstoffen und der von Lebensmitteln?

Wolfgang Lohbeck: Technisch ist das Kühlgerät für Impfstoffe einfacher als ein Haushaltskühlschrank. Andererseits gelten für Impfstoffe aber besondere Standards, die von der WHO vorgeschrieben und überwacht werden. Zum Beispiel müssen Impfstoffe nicht einfach nur gekühlt werden. Sie dürfen auch nicht einfrieren. Das Kühlgerät muss konstant und zuverlässig eine bestimmte Temperatur halten.

Jedes Jahr verderben Impfstoffe im Wert von Dutzenden Milliarden US-Dollar, weil die Kühlung nicht funktioniert hat, weil das schwache Stromnetz zusammengebrochen ist, das Kerosinkühlgerät versagt hat oder der Treibstoff ausgegangen ist usw. Das ist in vielen Fällen buchstäblich eine Überlebensfrage.

Die Gesundheitszentren in ärmeren Ländern brauchen Geräte wie den SolarChill darum ganz dringend. In solchen Gesundheitszentren haben wir den Prototypen A auch getestet - in Kuba, Senegal und Indonesien. Die Geräte stehen dort jetzt noch und die Leute in den Zentren sind begeistert. Das sind solide Kühlgeräte, einfach zu bedienen. Und sie halten ihre Temperatur auch, wenn die Sonne mal eine Woche lang nicht scheint.

Greenpeace Online: Wie geht es jetzt mit Typ B weiter, dem Haushaltskühlschrank?

Wolfgang Lohbeck: Der geht jetzt in den Test. Um die Testphase von einem auf ein halbes Jahr zu verkürzen, werden wir mehr Geräte aufstellen - je drei auf Kuba und in Indien. Wegen der ganz anderen, vor allem häufigeren Beanspruchung sollen die in Restaurants, Privathaushalten und Büros stehen.

Greenpeace Online: Die Technologie soll weltweit frei verfügbar sein. Was heißt das?

Wolfgang Lohbeck: Das bedeutet, es gibt keine Patente. Wir haben ein großes internationales Unternehmen für die Serienproduktion gewinnen können. Aber auch jeder andere Hersteller kann auf die Technik zurückgreifen. SolarChill kann also auch in den Entwicklungsländern selber gebaut werden. Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach: Wasser wird heruntergekühlt und gibt dann die Kälte sehr kontrolliert wieder ab.

Greenpeace Online: Wie schätzt ihr den Bedarf ein? Und wie sieht es mit den Kosten aus?

Wolfgang Lohbeck: Was die Impfstoffkühler angeht, spricht UNICEF von jährlich mindestens 10.000 Stück. Aber UNICEF ist natürlich nicht überall, es gibt andere internationale Hilfswerke mit eigenen Zahlen. Realistisch ist wahrscheinlich ein Bedarf von 100.000 Stück pro Jahr.

Beim Haushaltskühlschrank sieht es anders aus. Davon werden Millionen gebraucht. Das Problem ist, dass zu den normalen Kosten des Kühlschranks noch die Kosten für die solaren Paneele kommen. Für die Verbraucher in den reichen Industriestaaten ist das machbar, und durch die Serienproduktion werden die Geräte ja auch preiswerter.

Aber in den Entwicklungsländern können sich die weitaus meisten Menschen eine solche Anschaffung natürlich nicht leisten. Der SolarChill-Kühlschrank ist etwas für Versorgungszentren, Schulen und andere kommunale Einrichtungen. Außerdem müssen Gelder umgeleitet werden, damit möglichst viele Kommunen mit den Geräten ausgestattet werden können.

Vor allem ist SolarChill ein Beispiel dafür, wie man ein Massenbedürfnis erfüllt, ohne die Umwelt zu schädigen.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch, Wolfgang!

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