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G 20: Alle reden von der Finanzkrise. Wo bleibt das Klima?

Heute beginnt der Finanzgipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). Umweltschützer fordern von den Staats- und Regierungschefs, über den Querelen zur Finanz- und Wirtschaftslage nicht die massiven Klimaprobleme zu vergessen: Klima- und Wirtschaftskrise müssen im Zusammenhang und gemeinsam gelöst werden. Brasilianische Greenpeace-Aktivisten hatten am Mittwoch vor Beginn des Gipfeltreffens ein weithin sichtbares Banner in Rio de Janeiro aufgehängt: Climate and people first (Klima und Menschen zuerst)

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Die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder tragen eine hohe Verantwortung. Darauf weist Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid hin: Die G20-Länder repräsentieren nicht nur drei Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, sondern auch drei Viertel des Energieverbrauchs sowie der Emissionen des Treibhausgases CO2. Sie müssen endlich begreifen, dass Umweltschutz nicht im Widerspruch zu einer ausgeglichenen Wirtschaft steht, sondern ihre Voraussetzung darstellt.

Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass der Klimawandel sich bedrohlicher als erwartet vollzieht. Dem müsste auch der Finanzgipfel Rechnung tragen, so Smid: Niemand darf sich mehr Illusionen über die Folgen des Klimachaos wie drohende Hungersnöte oder Überschwemmungen machen..

Der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, geht in seinen neuesten Berechnungen davon aus, dass die Kosten des Klimawandels bis zu zwanzig Prozent des weltweiten Outputs ausmachen werden - mehr als die geschätzten Kosten der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren plus die beider Weltkriege.

Die brasilianischen Greenpeacer hatten am Mittwoch mit ihrem Banner an die Hoffnungen erinnert, die der Weltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro weckte: Die Industrienationen einigten sich erstmals auf Klimaschutzmaßnahmen und verpflichteten sich zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen auf freiwilliger Basis. Die Schwierigkeiten in den folgenden Jahren, zu rechtlich verbindlichen Vereinbarungen zu kommen, ließen die Hoffnungen auf einen effektiven Klimaschutz zunehmend schwinden.

Umso dringlicher sind jetzt verbindliche Beschlüsse zum Klimaschutz. Das von Greenpeace geforderte minimale Rettungspaket zur Minderung des Klimawandels und seiner Folgen wäre schon mit jährlich 110 Milliarden Euro seitens der Industrieländer zu finanzieren. (Zum Vergleich: Die deutsche Bundesregierung stellte im ersten Schritt zur Rettung der Hypo Real Estate Bank Garantien in Höhe von 102 Milliarden Euro aus). Dabei gehen Klima- und Wirtschaftsmaßnahmen Hand in Hand, erläutert Smid am Beispiel Erneuerbarer Energien: Der Ausbau und der Transfer solcher Technologien nützt der Wirtschaft und dem Klima, sowohl hier als auch in den Entwicklungsländern..

Kanzlerin Merkel kann jetzt die Weichen in die richtige Richtung stellen, erklärt Smid weiter. Zeitgleich zum G20-Gipfel finden in Bonn vorbereitende Absprachen für eine verbindliche Klimaschutzvereinbarung im Dezember in Kopenhagen statt. Deutschland muss mit der EU eine Vorreiterrolle übernehmen, und endlich verbindliche Zusagen zur finanziellen Unterstützung der Entwicklungsländer machen. Zudem muss sich die EU verpflichten, ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Nur so können auch die Schwellenländer zu Zugeständnissen bewegt werden.

Und ohne diese geht es nicht. Nicht nur Indien und China tragen in zunehmendem Maße zu Treibhausgasemissionen bei. Indonesien und Brasilien haben es durch die Zerstörung des Urwalds schon auf den 3. und 4. Platz gebracht.

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