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Interview mit dem Schauspieler Hannes Jaenicke

Ich kann etwas tun, das gibt mir Hoffnung

Der engagierte Schauspieler Hannes Jaenicke zeigt in einer eigenen Umwelt-Dokureihe die weltweiten Vernetzungen und Ursachen auf, die zum Aussterben von großartigen Tierarten führen. Am Dienstag, dem 8. September 2009 zeigt das ZDF um 20.15 Uhr seine Dokumentation über das Schicksal der Eisbären und ihre Bedrohung durch Klimawandel und Jagd. Wir sprachen mit dem Greenpeace-Förderer über sein Engagement für die Umwelt.

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Online-Redaktion: Hannes Jaenicke, freuen Sie sich darüber, dass Ihnen das ZDF so einen guten Sendeplatz für Ihren Film gegeben hat?

Hannes Jaenicke: Ich bin froh, dass unser Dokumentarfilm zu einer guten Sendezeit läuft. Als Schauspieler bin ich zu guten Sendezeiten meist in Spielfilmen zu sehen. Am Herzen liegt mir aber eben auch, dass dieses wichtige Thema zur gleichen Zeit läuft. Ansonsten werden solche wichtigen Beiträge ja eher auf die Nacht verschoben.

Ich möchte viele Menschen damit erreichen, sodass sie auf ihrem Sofa vor dem Fernseher darüber nachdenken, was sie ändern können. Nur sie können wirklich viel bewegen, nur handelnde Menschen haben die Macht.

Online-Redaktion: Umweltschutz spielt für Sie schon lange eine wichtige Rolle?

Hannes Jaenicke: Ich war ein kleiner Junge und saß vor dem Fernseher als ein Bericht über Greenpeace lief. Ein winziges Schlauchboot raste da neben einem schweren, großen japanischen Walfänger-Schiff. Das hat mich immens beeindruckt. Meine Cowboy-Instinkte wurden geweckt. Ich wollte unbedingt mit den Leuten Schlauchboot fahren. Es war tatsächlich auch der Anfang meines Interesses am Umweltschutz.

Die Greenpeace-Aktionen waren für mich eine ganz klare Inspirationsquelle, selbst etwas zu tun. Ich wurde früh Greenpeace-Förderer, fand insbesondere die Aktionen gegen Atomkraftwerke und die Brent Spar super. Und die Aktionen und das Greenpeace-Magazin sind auch heute noch Inspiration für mich.

Online-Redaktion: Sie machen heute ganz unterschiedliche Film-Projekte über die Rettung von Orang Utans im Tropenwald bis zur Gefährdung von Eisbären in der Arktis.

Hannes Jaenicke: Es sind ganz unterschiedliche Themen denen ich nachgehe und ich suche sie ganz kategorisch aus. Ich berate mich mit meinen Partnern und Redakteuren und gehe dabei nach der Liste der bedrohten Arten vor. Eisbären stehen da leider ganz oben, deshalb habe ich mich des Themas angenommen. Am 3.11.09 wird noch ein Film von mir erscheinen, zu bedrohten Haien.

Online-Redaktion: Für den Dokumentarfilm waren sie in Churchill, Kanada. Sind die Eisbären dort leicht zu sehen?

Hannes Jaenicke: Ja, denn die Eisbären sind schwach, sie hungern viele Monate, wenn ihnen am Ende des Winter das Eis als Plattform zum Jagen fehlt. Die Tiere sind dünn, ausgehungert und der Müll der Städte lockt sie an. Der Eisbären-Tourismus lebt gut von den hungrigen Tieren. Es war erschreckend zu sehen, wie wir mit klimaschädlichem Verhalten den Bären den Lebensraum wegheizen. Es ist ein wahrer Massentourismus: Diesel-Buggies rollen als Touristen-Busse den ganzen Tag in die Arktis, damit die Besucher noch die letzten Eisbären fotografieren können.

Online-Redaktion: Der Eisbär, das Maskottchen des Klimaschutzes, wird in Alaska sogar ganz legal abgeschossen.

Hannes Jaenicke: Leider verkaufen die Inuit ihre Lizenz zum Eisbären-Abschießen teuer an die Großwildjäger. Die Energie- und Ölkonzerne profitieren vom Klimawandel, von jedem Meter geschmolzenes Eis, weil man so in Zukunft viel schneller an die Profit bringenden Ölquellen gelangt. Die Bevölkerung profitiert noch gut vom Klimawandel, leider.

Online-Redaktion: Jetzt sind Sie wieder in Deutschland, welches Bild aus der Arktis begleitet Sie noch durch Ihren Alltag?

Hannes Jaenicke: Einen Eisbär im Meer habe ich noch oft noch vor Augen. Er sprang ins Wasser und schwamm und schwamm unermüdlich ins weite Meer hinaus und suchte dann, denke ich, eine Scholle. Wir warteten noch lange, aber irgendwann konnten wir ihn nicht mehr sehen, er kam auch nicht mehr zurück. Ich hoffe, er hat noch eine Eisscholle gefunden.

Und ich hatte noch ein erschreckendes Erlebnis: Es war eigentlich nur ein Gespräch mit einem Meeresbiologen in der Arktis. Ich wollte wissen, warum die Orcas oft so jung sterben. Er erzählte mir ganz nüchtern, dass die tot aufgefundenen Orcawale dort auf extra Giftmüll-Deponien entsorgt werden müssen. Sie enthalten einfach zu viel tödliche PCBs und toxische Stoffe wie Kadmium oder Nickel. Wale, die so giftig sind, dass sie nur als Sondermüll entsorgt werden können – da bekam ich einen kurzen Einblick in die schrecklichen Ausmaße, die die Umweltzerstörung schon angenommen hat.

Online-Redaktion: Wieviel CO2 haben Sie mit der Arktisreise produziert?

Hannes Jaenicke: 22 Tonnen. Ich weiß, dass das ein fauler Kompromiss ist, aber ich musste mit meinem Team hinfliegen. Wenn ich Menschen dadurch zum Umdenken bewege, hoffe ich, dass das sich das rentiert.

Online-Redaktion: Was können wir in Deutschland für die Arktis tun?

Hannes Jaenicke: Für die Arktis und unser Klima können wir mehr tun als wir vielleicht denken. Es geht dabei ja auch nicht nur um einen weit entfernten Eisbären auf einer Scholle, sondern um uns Menschen. Auch wir werden unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Ich selbst achte beim Einkauf auf wenig Plastik bei Verpackungen, kaufe regionales Bio-Obst und Gemüse, das nicht extra eingeflogen werden musste. In der Stadt bewege ich mich meistens zu Fuß oder mit dem Rad und ich beziehe Strom aus regenerativen Energiequellen von Greenpeace Energy. Zu einem Ökostromanbieter wechseln kann jeder ganz leicht. Aber neben dem umweltfreundlichen Fahrradfahren müssen wir uns auch überlegen, ob wir wirklich immer wieder das neueste Laptop oder Handy brauchen.

Online-Redaktion: Die nächste wichtige Klimakonferenz findet im Dezember in Kopenhagen statt. Was erwarten Sie sich davon?

Hannes Jaenicke: Ich hoffe, dass Länder wie China, Indien oder Russland sich ihrer Verantwortung bewusst sind und dorthin kommen. Ich hoffe aber auch, dass Angela Merkel oder der dann Regierende die Konferenz sehr ernst nimmt. Hier muss Deutschland ganz klar eine Linie fahren – für den Klimaschutz. Die CO2-Emissionen müssen schnell gesenkt werden, dafür müssen wir uns verpflichten.

Online-Redaktion: Und was wünschen Sie sich von Angela Merkel?

Hannes Jaenicke: Ich habe schon eine große Hochachtung vor ihr. Ich glaube, dass sie viel Erfahrung in Sachen Umweltschutz hat. Sie sollte jedoch eine klare Mission haben und dazu stehen. Sie kann nicht sagen, sie sei am Klimaschutz ernsthaft interessiert und ist dann gleichzeitig für Kohlekraftwerke.

Online-Redaktion: Welche Gesetze sollte es in Deutschland für den Klimaschutz geben?

Hannes Jaenicke: Zum einen brauchen wir den Einfuhrstopp für Tropenhölzer. Der Regenwald sollte wo es auch nur geht geschützt werden. Auch sollte so etwas wie Klopapier zum Beispiel nur noch aus Recycling-Papier bestehen. Das viele Plastik in Verpackungen, Tüten und so weiter gehört auch verboten. Und ganz wichtig: Wir müssen schnell raus aus den Fossilen Brennstoffen.

Online-Redaktion: Als Prominenter öffnen sich sicher die Türen zu politischen Entscheidungsträgern leichter?

Hannes Jaenicke: Ja, ich habe schon mit sehr vielen Politikern gesprochen, meine Prominenz nutze ich ganz bewusst dafür, ob es sich nun um Brigitte Zypries, Sigmar Gabriel oder Peer Steinbrück handelt. Ich habe nach den Gesprächen oft das Gefühl, dass sie sich wirklich für Klimaschutz interessieren, aber der Lobbyismus sie zu gängeln scheint. Die Gespräche waren deshalb oft eine traurige Erfahrung, denn Hoffnung auf guten Klimaschutz haben eigentlich viele im Inneren.

Online-Redaktion: Hoffnung, wo ist sie in Ihrer Welt?

Hannes Jaenicke: Hoffnung ist mein Motor, meine treibende Kraft. Sie ist das wichtigste im Menschen, was ihn zum Handeln bewegt. Das kann eine Person sein, wie Barack Obama, die Hoffnung in mir weckt. Das sind aber auch Szenen, die ich bei meinen Projekten erlebe. Aber auch einfach die Tatsache, dass ich in Deutschland grünen Strom aus regenerativen Energien beziehen kann, das gibt mir auch viel Hoffnung. Ich bin dadurch nicht mehr abhängig, schädliche Energiegewinnung wie Kohlekraft oder Gas aus Russland zu unterstützen. Ich kann etwas tun, das gibt mir Hoffnung.

Interview: Janina Behrens

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