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Hochwasser: Die Elbeflut und die Folgen

Im Sommer 2002 sorgt eine riesige Flutwelle der Elbe und ihrer Nebenflüsse für Schlagzeilen. Es wird Jahre dauern, bis die enormen Schäden beseitigt sind. Experten warnen, dass Klimaveränderung und Erderwärmung mitverantwortlich sind für zunehmende Wetterextreme und Starkregenfälle.
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Weitere Fehlentwicklungen haben die Katastrophe noch verschlimmert: Durch das Waldsterben im Erzgebirge konnte weit weniger Regenwasser im Boden gebunden werden, Überflutungsgebiete wie die Elbauen sind verschwunden. Das Flutwasser hat auch nicht sanierte Produktionsstandorte überschwemmt. Die Elbe ist mit Chemikalien belastet, die nun flussabwärts bis ins Meer gelangen.

Chemiecocktail im Elbwasser

August 2002: Greenpeacer sind mit Schlauchbooten in überfluteten Städten im Einsatz, sie füllen Sandsäcke, sichern Deichanlagen und bringen Chemikalienfässer in Sicherheit. Im tschechischen Spolana, in Bitterfeld, Magdeburg und Dresden untersucht Greenpeace von Überflutung bedrohte Chemiestandorte sowie das Elbwasser auf Schadstoffe. Die Messergebnisse zeigen eine stark erhöhte Schwermetallbelastung im Elbwasser und Flutschlamm.

Die Bleikonzentration im Fluss lag etwa am 18. August 220-fach über dem Normalwert. Auf Grund der Belastung mit Fäkalien, Öl und Chemikalien sank der Sauerstoffgehalt im Flutwasser so stark, dass ein Fischsterben drohte. Zudem fielen Kläranlagen aus, so dass den Fluthelfern und -opfern ansteckende Krankheiten drohten. Die Schlammreste sind mit Chemikalien belastet und müssen gründlich entfernt werden.

Seit langem warnt Greenpeace, dass viele Betriebsgelände nahe der Elbe zu sanieren und besser gegen Hochwasser zu schützen sind. In vielen Fällen wurde zwar die Abwasserreinigung von Firmen und Kommunen verbessert und mit der Sanierung begonnen. Doch selbst in überflutungsgefährdeten Gebieten, etwa in Bitterfeld und Magdeburg, finden sich noch immer verunreinigte Betriebsgelände. Greenpeace fordert, dass für alle Einzugsgebiete großer Flüsse Altstandorte und Altlasten identifiziert werden müssen. Bei Sanierungsbedarf muss schleunigst gehandelt werden - bevor das nächste Hochwasser die Flüsse über die Ufer treten läßt. Gefährliche Chemieanlagen an Rhein, Main und Elbe müssen besonders gesichert werden, da bei Hochwasser sonst ein Chemiestörfall droht.

Mehr Wolken, mehr Regen

Der Planet Erde erwärmt sich. Und der Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlag verstärkt sich. Wenn die Temperatur der Meere steigt, dann verdunstet das Wasser schneller. Je heißer es ist, desto stärker saugen sich die Wolken mit Wasser voll. Die Häufigkeit von Regenfällen in Bayern mit mehr als 30 Litern pro Quadratmeter am Tag hat sich nahezu verdoppelt. Ursache der Fluten im Sommer 2002 war das Tiefdruckgebiet "Ilse", das feucht-warme Mittelmeerluft

brachte. Vollgepumpt mit Wasser aus dem Mittelmeer zog es um die Alpen herum nach Sachsen. Dort sind innerhalb weniger Tage am Erzgebirge flächenhaft bis zu 400 Liter pro Quadratmeter Regen gefallen. Wassermengen, die sonst innerhalb mehrerer Monate niedergehen.

Die Natur schlägt zurück

Einerseits steigen die Regenmengen deutlich an, andererseits ist der natürliche Stopp für die herabfallenden Wassermassen durch Menschenhand zerstört worden. So erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers stark durch begradigte und vertiefte Flüsse. Mehr Wasser fließt schneller und kann nicht mehr von den Uferbereichen aufgenommen werden, die häufig ohnehin verbaut und damit versiegelt sind. Natürliche Überflutungsgebiete wie die Auen der Elbe und ihrer

Nebenflüsse sind nahezu verschwunden. Greenpeace fordert, derartige Überflutungsräume wieder zu schaffen. Dadurch können Schäden verringert werden.

Verhindern lassen sich extreme Wetterereignisse, die direkte Folge des Klimawandels sind, damit jedoch nicht.

Überschwemmungen weltweit

Das Jahr 2001 war laut Weltmeteorologie-Organisation (WMO) nach 1998 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der systematischen Temperaturmessungen vor rund 160 Jahren. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) dokumentiert in seinem dritten Sachstandsbericht einen Anstieg der mittleren globalen Lufttemperatur um 0,6 Grad Celsius und prognostiziert eine weitere Erwärmung um bis zu sechs Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Ursache ist den Klimawissenschaftlern zufolge die Erhöhung der Konzentration so genannter Treibhausgase in der Atmosphäre.

Seit 1750 ist zum Beispiel die mittlere Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre um 31 Prozent gestiegen. Dieses Treibhausgas entsteht vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle und Gas. Erderwärmung und Klimaveränderung hinterlassen weltweit Spuren: Schwere Unwetter und Flutkatastrophen wüten im Sommer 2002 auch wieder in Asien. In China starben bei Unwettern landesweit bereits mehr als 1000 Menschen. Insgesamt 100 Millionen Einwohner sind von den Fluten bedroht. Im Osten Indiens sind in diesem Sommer bislang mehr als 550 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 15 Millionen Menschen in 8.000 Dörfern des Bundesstaates Bihar sind von den Überschwemmungen betroffen. In Bangladesh trieb im August 2002 eine Flutwelle Zehntausende Menschen in die Flucht.

Fazit

Klimaerwärmung ist ein globales Problem. Klimaschutzmaßnahmen sind dringend erforderlich. Und es ist weitaus billiger, in den nächsten Jahrzehnten in Klimaschutz und erneuerbare Energien zu investieren, als im Nachhinein die Schäden von Orkanen und Sintfluten zu beseitigen. Die volkswirtschaftlichen Schäden der Flutkatastrophe an Elbe und Mulde im Sommer 2002 werden allein in Deutschland auf 20 bis 30 Milliarden Euro geschätzt.

Greenpeace fordert:

  • Zuallererst muss den Betroffenen vor Ort geholfen werden.

    Unwetterwarnungen müssen frühzeitig, präziser und mit genauen Ortsangaben veröffentlicht werden.

  • Die Ölindustrie, die Milliarden am Verkauf von fossilen Energien verdient hat, muss finanzielle Hilfen für die Opfer von Jahrhunderthochwassern zur Verfügung stellen.
  • Die Erschließung von neuen Ölvorkommen muss gestoppt, statt dessen müssen klimafreundliche, Erneuerbare Energien, wie Wind-und Sonnenenergie, ausgebaut werden. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist in den kommenden Jahrzehnten um 80 bis 90 Prozent zu mindern.

Autor: Karsten Smid

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