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Überschwemmungen in Pakistan und Indien - eine Folge des Klimawandels

Flüchten vor der Flut

Schwerer Monsunregen hat weite Teile Indiens und Pakistans unter Wasser gesetzt. Hunderttausende Menschen sind eingeschlossen, Millionen auf der Flucht. 

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In Indien und Pakistan herrscht Land unter. Die Flüsse Chenab und Jhelum sind nach heftigen Regenfällen über die Ufer getreten, weite Landstriche stehen unter Wasser. Mehr als 450 Menschen sind bereits in den Fluten gestorben, über 100 Dörfer bedroht. Im indischen Teil Kaschmirs haben die Wassermassen 200.000 Menschen eingeschlossen, in Pakistan sind rund zwei Millionen auf der Flucht vor den Fluten.

Grund für die Überschwemmungen ist der Monsun  eine Wetterlage mit starken Winden und starken Regenfällen, die regelmäßig zu Überschwemmungen führt. Im Grunde also nichts Ungewöhnliches für die Region. Das Ungewöhnliche und gleichzeitig Beunruhigende: Der Monsun ist in den vergangenen Jahren stärker geworden. Er bringt größere Wassermassen mit sich, die für größere Überschwemmungen sorgen, die wiederum größere Zerstörungen verursachen. 2010 kam es in Pakistan zur schlimmsten Hochwasserkatastrophe seit über 80 Jahren. Ein Fünftel des Landes stand wochenlang unter Wasser, über 1.700 Menschen starben, mehr als 1,5 Millionen Häuser wurden zerstört. Auch 2011 und 2013 gab es schlimme Überschwemmungen. Im Jahr 2014 ist der Monsunregen nun wieder besonders intensiv. Die Ursache dieser häufiger werdenden Katastrophen sehen Wissenschaftler im Klimawandel.

Der Monsun transportiert in den Sommermonaten feuchte Luft vom Indischen Ozean über den Subkontinent, die in Indien und Pakistan als heftige Niederschläge abregnet. Der Klimawandel mit steigenden Temperaturen kann in diesem Prozess fatale Folgen haben: Steigt die Lufttemperatur, verdunstet einerseits mehr Wasser und kann andererseits mehr Feuchtigkeit aufgenommen werden. Entsprechend stärker fällt der Niederschlag aus. Die aktuelle Flut in Pakistan und Indien zeigt die dramatischen Konsequenzen dieses Kreislaufs. Verstärkt wird die Katastrophe durch das Roden von Wäldern. Im Einzugsgebiet der nordpakistanischen Flüsse kam es zu großflächigen Abholzungen, in deren Folge die Regenmassen ungehindert in den Bächen und Flüssen abfließen können.

Die immer häufiger auftretenden Überschwemmungen in der Region nehmen den Menschen nicht nur ihre Häuser, sondern oft auch ihre Lebensgrundlage. In ländlichen Gebieten sind Kleinbauern auf ihre Ernte und ihr Vieh angewiesen, es gibt kaum Rücklagen. Werden die Ackerflächen von den Fluten mitgerissen oder stirbt das Vieh, kann dies existenzielle Folgen haben. Kommt es innerhalb weniger Jahre zu mehreren Überschwemmungen, ist die Existenz der meisten Kleinbauern in den betroffenen Regionen zerstört.

Die Menschen in Pakistan und Indien sind dringend auf internationale Hilfe angewiesen. Aber nicht nur sie. Der Klimawandel lässt das Risiko durch Wetterextreme weltweit steigen. Hilfsprogramme können die Symptome lindern, die Ursache treffen sie nicht. Dazu brauchen wir endlich konsequente Maßnahmen zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Allen voran des Kohlendioxides (CO2) aus der Verbrennung von Kohle.

Wichtige Schritte in diese Richtung können beim anstehenden Sondergipfel zum Klimawandel getan werden, zu dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kommende Woche geladen hat. Er findet am 23. September in New York statt, erwartet werden neben Staats- und Regierungschefs auch Verantwortliche aus der Wirtschaft und Vertreter der Zivilgesellschaft. Gemeinsam wollen sie sich mit konkreten Maßnahmen für eine drastische Senkung des globalen Treibhausgasausstoßes einzusetzen. Der Gipfel kann ein wichtiger Zwischenschritt sein auf dem Weg zu einem neuen Klima-Vertrag, der Ende kommenden Jahres auf der Klimakonferenz in Paris (COP21) verabschiedet werden wird. Wie nötig konkrete und beherzte Maßnahmen sind, zeigt die dramatische Lage in Pakistan und Indien. Es ist Zeit zum Handeln.

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