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Die Amflora-Ernte hat begonnen

Das sagt eigentlich schon alles: Für die Bundesregierung hat heute Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Ernte der Gentechnik-Kartoffel Amflora eröffnet - nicht etwa die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner. Auf 15 Hektar wurde die Kartoffelsorte in diesem Frühjahr in Mecklenburg-Vorpommern ausgebracht. Im März hatte die Europäische Kommission sie für den Anbau zugelassen - gegen den Widerstand der Bevölkerung.

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Selten sind sich die Deutschen so einig: Mehr als drei Viertel sind für ein Verbot der genmanipulierten Industriekartoffel. Nach einem von Greenpeace in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten war die Zulassung für den Anbau sogar rechtswidrig. Selbst unter BASF-Aktionären ist die Amflora umstritten. BASF inszenierte darum den heutigen Erntebeginn als große PR-Veranstaltung. Der Minister wurde per Hubschrauber eingeflogen und vom "Forum Grüne Vernunft" empfangen, einer FDP-nahen Initiative, die die Gentechnik populärer machen möchte.

Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace, hat die Veranstaltung mit anderen Protestierenden begleitet. "Die BASF zeigt mit dieser Ernteaktion, wie stark ihr Einfluss auf die Politik ist." stellt sie fest. "Erst haben Union und FDP die Gen-Kartoffel Amflora als erste Pflanze namentlich in einem Koaltionsvertrag erwähnt. Nun erscheint ausgerechnet FDP-Wirtschaftsminister Brüderle zu einem Medientermin, um seine Unterstützung für eine gesellschaftlich unerwünschte und überflüssige Gen-Pflanze zu signalisieren."

Die Kartoffelsorte Amflora war von BASF vor mehr als 13 Jahren entwickelt worden, um die in der Papier- und Kleisterherstellung benötigte Stärke Amylopektin günstiger herzustellen. Heute gibt es jedoch bereits herkömmlich gezüchtete Sorten, die ähnlich viel Amylopektin produzieren und zudem einen höheren Ertrag pro Hektar bringen. Bauern bietet die Amflora also keinen wirtschaftlichen Vorteil - nur BASF hat etwas davon.

Dazu kommt noch, dass die Amflora ein Gen für die Resistenz gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin enthält. Dieses könnte im Darm von Tieren oder Menschen auf Bakterien übertragen werden und diese ebenfalls resistent machen. Die wachsende Antibiotika-Resistenz vieler Bakterien ist bereits jetzt ein ernstes medizinisches Problem. Zwar ist Amflora nicht zum menschlichen Verzehr zugelassen, doch Produktionsrückstände dürfen als Tierfutter eingesetzt werden. In Lebensmitteln sind Verunreinigungen mit Amflora-Stärke bis zu 0,9 Prozent erlaubt. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind bisher kaum erforscht.

"Neben der Atomkraft setzt sich die FDP hier für eine weitere veraltete und riskante Technik ein." sagt Greenpeace-Expertin Stephanie Töwe. "Die Interessen der Bevölkerung vertritt sie damit nicht. 77 Prozent der Deutschen lehnen den Anbau der Amflora ab. Auch die Wähler der FDP erkennen den Unterschied zwischen Fortschritt und Rückschritt besser: Von ihnen haben sich in einer Umfrage im Frühjahr 70 Prozent gegen die Gen-Knolle ausgesprochen."

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