Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

EU will Atommüll in Deutschland lagern

Die geplanten Atommüll-Endlager in Deutschland, Gorleben und Schacht Konrad, sollen nach Willen der Europäischen Kommission auch für radioaktiv strahlenden Abfall aus anderen EU-Staaten genutzt werden. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete am Freitag über einen entsprechenden Richtlinienentwurf der Kommission vom 6. November. Wegen der Gefahr terroristischer Anschläge will Brüssel langfristig eine oberirdische Endlagerung vermeiden, hieß es in dem Artikel.

Die Gesetzgebungskompetenz für die Einlagerung von Atommüll liegt jedoch allein bei den Mitgliedsstaaten. Nach Angaben der HAZ will die EU-Kommission ihre Kompetenzen in dem Bereich Atommüll-Entsorgung ausdehnen. Sie wolle die Mitgliedsländer verpflichten, bis zum Jahr 2008 Endlager für hochradioaktive Atomabfälle in tiefen geologischen Formationen zu genehmigen. Diese sollen spätestens 2018 genutzt werden. Für schwach radioaktive Abfälle seien bereits ab 2013 Endlager geplant.

Die Bundesregierung lehne den Vorschlag ab, erklärte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Die Überlegungen der Kommission widersprächen der rot-grünen Endlagerungspolitik. Aus inhaltlichen und formalen Gründen könne man ihnen nicht zustimmen. "Greenpeace lehnt die Internationalisierung der Atommüllentsorgung ab", erklärt Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse. Wir wollen keine ausländischen Atommüll in Deutschland. Wir wollen aber auch verhindern, dass der deutsche Atommüll in Russland landet. Trittin muss jetzt Nägel mit Köpfen machen und den Im- und Export von Atommüll endlich verbieten. (abu)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.