Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Einführung von Plaketten für Dieselfahrzeuge beschlossen. Fünf unterschiedliche Plaketten sollen künftig Aufschluss über die Schadstoffemissionen des jeweiligen Wagens geben. Dadurch sollen gezielte Fahrverbote in Städten ermöglicht werden. Klingt vielversprechend, der tatsächliche Nutzen dieser Verordnung darf jedoch bezweifelt werden.

  • /

Anstatt die Menschen wirksam gegen Feinstaub zu schützen, sollen nun umständlich je nach Euro-Norm Plaketten verordnet werden. sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Günter Hubmann. Dabei wäre es viel einfacher, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ohne Vollfilter auszusprechen, wenn die Grenzwerte der Feinstaub-EU-Richtlinien überschritten werden. Das Gleiche muss auch für Benziner ohne Kat gelten.

Greenpeace-Umweltschützer sind zur Zeit unterwegs, um deutschlandweit auf die Belastung durch Feinstaub aufmerksam zu machen. Das Dieselschwein, ein Auto mit rosa Rüssel und Schweinsohren, hat am Mittwoch in seinem Käfig vor dem nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf gestanden. Greenpeace hat dort eine Petition übergeben, die die Fraktionen im Landtag zu wirksamerem Schutz der Bürger auffordert.

Auch ihre Messstation hatten die Verkehrsexperten wieder dabei. Ein Trend, der sich schon bei den bisherigen Messungen in anderen Städten angedeutet hat, verhärtet sich: Der Anteil der Feinststäube ist besonders hoch. Gerade Feinststaub ist für den Menschen gefährlich. Vollfilter-Zwang für alle Dieselautos könnte wirksam Abhilfe leisten.

Statt einfache Konsequenzen zu ziehen, ist nun alles unnötig verkompliziert worden: Der Plaketten-Quark ist noch nicht einmal verbindlich. Wenn es den Ländern überlassen wird, ob und in welchem Umfang sie diese Maßnahmen umsetzen, sagt das viel über die Qualität dieses Beschlusses aus. Sinnvoller wäre eine steuerliche Vergünstigung für das Nachrüsten mit Vollfiltern, so Hubmann.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Wegwerfware Retouren

Die Deutschen bestellen immer mehr im Netz – und schicken immer häufiger Pakete zurück. Kaum jemand weiß allerdings, dass ein großer Teil der Retouren nicht wieder verkauft wird, sondern im Müll landet. Nur Einer von Zehn ist sich dieser Verschwendung bewusst, zeigt die Greenpeace-Umfrage zum Online-Kaufverhalten 2018.

Mehr zum Thema

Weg mit dem Müll

Was tun mit seinem Müll, wenn man ihn nicht selbst entsorgen will? Recherchen zeigen: Reiche Länder exportieren Hunderttausende Tonnen nach Malaysia ­– zum Schaden des Landes.

Mach was!

Während der Handel mit Rabattschlachten zum Massenkonsum ruft, trafen sich am Wochenende Kreative und Künstler, die auf Reparieren, Selbermachen, Tauschen setzen statt auf Kaufen.

Pakete bis zum Mond

2017 wurde so viel online bestellt, dass die Pakete fast bis zum Mond und zurück reichen würden. Was die Verbraucher nicht wissen: Große Teile der Retouren landen im Müll.