Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Spolana verpestet Umland seit Jahrzehnten

Einer der feinsten Giftcocktails: Dioxin, Quecksilber, Polychlorierte Biphenyle und Hexachlorbenzol stammt von der tschechischen Chemiefabrik Spolana. Bei der laufenden Produktion, aber auch aufgrund von Altlasten verseucht die halbstaatliche Fabrik an der Elbe Wasser, Boden, Pflanzen, Tiere und Menschen der näheren und weiteren Umgebung.

Grund genug für Greenpeace der seit Jahrzehnten arbeitenden Dreckschleuder erneut einen Besuch abzustatten.

Am Sonntagmorgen erklomm ein internationales Team von Greenpeace-Kletterern den 200 Meter hohen Schornstein der Chemiefabrik Spolana. Im Gepäck: Ein Riesen-Banner mit der Forderung Stoppt Dioxin - Quecksilber - PCB - HCB!. Außerdem ruft Greenpeace das Spolana-Management auf, endlich der Verantwortung des Unternehmens Rechung zu tragen. Die Chemiefirma muss alle Vergiftungs-Opfer entschädigen.

Vergiftet hat das Chemie-Unternehmen nicht nur das Betriebsgelände, die Umwelt und die Anrainer, sondern auch ihre eigenen Mitarbeiter. So wurde zwischen 1966 und 1968 das Pflanzenvernichtungsmittel 2,4,5-T produziert. Es handelt sich dabei um einen Stoff für das berüchtigte Agent Orange, das die USA im Vietnamkrieg als Entlaubungsmittel einsetzten. Nachdem rund 80 tschechische Spolana-Angestellte ernsthafte gesundheitliche Schäden davontrugen, wurde die Produktion eingestellt. Heute sind nur noch 14 der Betroffenen am Leben.

Auch in jüngster Zeit fanden Untersuchungen auf dem Firmengelände hohe Konzentrationen an den Giftstoffen im Erdreich und einigen Gebäuden. Aber Dioxin, Quecksilber und HCB können auch im Boden und im Fettgewebe von Nutztieren und Fischen in der näheren Umgebung von Spolana nachgewiesen werden. Das zeigen unabhängige Laboruntersuchungen im Auftrage von Greenpeace. Die Chemiefirma ließ sich zu der arroganten Erklärung hinreißen, dass die Tierhalter, Bauern und Landbesitzer die Verseuchung selbst verursacht hätten.

Welche Gefahren von dem belasteten Firmengelände ausgehen, hat sich vor einem Jahr herausgestellt. Während des extremen Elbehochwassers wurde die nahe am Fluss gelegene Betriebsfläche vollständig überschwemmt. Rund 3.500 Tonnen teilweise hochgiftiger Chemikalien wurden ausgespült oder mitgerissen. Aus einem Lager für Chlor entwichen Tonnen des tödlichen Gases. Ein Teil gelang in die Luft und gefährdete die Menschen in den umliegenden Ortschaften.

Die beiden katastrophalen Flussverschmutzungen in den vergangenen Jahren waren vorhersehbare Ereignisse, kritisiert Andreas Bernstorff, Gift- und Chemieexperte von Greenpeace. Sowohl der Goldminenunfall im rumänischen Baia Mare im Jahre 2000, bei dem der ungarischen Fluss Theiss auf 700 Kilometer durch Blausäure vergiftet wurde, als auch die Elbverseuchung vor einem Jahr durch Spolana. Die Risikofreudigkeit der jeweiligen Betreiber wäre drastisch reduziert, wenn wir über internationale Umwelthaftungsgesetze verfügten. Dadurch würden die Verursacher zur Kasse gebeten.

Die Greenpeace-Aktion in Spolana setzt den Startpunkt für die Elbe-Tour 2003. Greenpeace will damit die tschechische Öffentlichkeit informieren. Zugleich soll auf die Gefahren und Risiken der an der Elbe gehäuft anzutreffenden Chemie-Anlagen und ihrer bedrohlichen Produkte für den Fluss hingewiesen werden. (mir)

Weitere Hintergrund-Informationen: Umweltverbrechen multinationaler Konzerne (PDF, 383 kb).

Publikationen

Umweltverbrechen multinationaler Konzerne

Staaten sind für das Gemeinwohl verantwortlich, daher sollte es auch im Interesse des Staates liegen, Gesetze zu erlassen, die dafür sorgen, dass Unternehmen das Gemeinwohl fürdern.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.