Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Spolana ist sich keiner Schuld bewusst

Das tschechische Chemiewerk Spolana sieht keinerlei Schuld bei sich für die Verseuchung der Elbe mit Giftstoffen während der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2002. In einer durch das Unternehmen vorgelegten Analyse heißt es jetzt, es habe lediglich unzureichende Kommunikation gegeben. Dadurch seien Nervosität bei Behörden und Gereiztheit bei den Anwohnern hervorgerufen worden.

Das Werk war im August 2002 während der Jahrhundertflut von der Elbe überspült worden. Dabei wurde ein Chemiecocktail aus Schwermetallen wie Arsen, Blei, Cadmium, und Quecksilber und einer unbekannten Anzahl von weiteren Chemikalien freigesetzt. Ein Greenpeace-Hubschrauber, der Luftaufnahmen von dem überfluteten Gelände machte, wurde beinahe von einer Chlorgas-Explosion getroffen, die das Hochwasser in einem Werksteil auslöste.

Bereits seit Jahren hat Greenpeace immer wieder auf die Gefahr einer Überflutung des verpesteten Geländes hingewiesen. Dort wurden in den sechziger Jahren unter anderem Grundstoffe für das im Vietnamkrieg benutzte Entlaubungsmittel Agent Orange hergestellt. Es ist nie saniert worden. Vor dem Hochwasser war die Quecksilber-Konzentration an einigen Stellen so hoch, dass man die silbrigen Kügelchen mit bloßem Auge erkennen konnte.

Greenpeace-Sprecher Jan Haverkamp wies die Analyse des Unternehmens zurück: Spolana hat jahrelang unsere Warnungen überhört und den Schutz vernachlässigt. Das Werk hat während des Hochwassers grundlegende Sicherheitsregeln missachtet. Die vorgelegte Analyse ist ein trauriger Beweis, dass die neu eingesetzte Firmenleitung es mit Offenheit und Verantwortung so wenig ernst nimmt wie die alte. (hol)

Weiterführende Publikationen zum Thema

The smart supermarket

Wie könnte er aussehen, der Supermarkt der Zukunft? Welche Möglichkeiten gibt es, die Unmengen an Plastik zu vermeiden, in denen waren heute eingepackt sind?

Mehr zum Thema

Ein LieferkettengesetzCHEN

Der ausgehandelte Entwurf ist eine Minimallösung. Der Schutz von Menschenrechten und Umwelt kann damit nicht wirksam durchgesetzt werden. 

Eine selbstverschuldete Krise

Was passiert mit einer halben Milliarde unverkaufter Kleidungsstücke? Auf keinen Fall dürfen sie vernichtet werden, fordert Greenpeace und wendet sich an die zuständigen Behörden.

Stiller Skandal

Erneut ist eine Entscheidung über das Lieferkettengesetz vertagt worden. In Berlin protestierten Greenpeace-Aktive deswegen für Umweltschutz und Menschenrechte.