Greenpeace-Protest in London: neuer Vorstandschef von BP, Bernard Looney soll Konzernpolitik an Klimakrise anpassen

Weg vom Öl

Erster Tag im Amt, und schon Ärger mit Greenpeace: Auch vom neuen Chef des Ölkonzerns BP fordern die Umweltschützer, endlich den Kurs auf Klimarettung zu stellen.

  • /

Seinen ersten Arbeitstag hatte sich Bernard Looney sicher anders vorgestellt: Doch vor dem Hallo mit den neuen Kolleg*innen sah sich der neue Vorstandschef des Ölkonzerns BP erst mal mit einer spektakulären Greenpeace-Aktion konfrontiert. Vor dem Hauptquartier in London hatten sich nämlich 100 Greenpeace-Aktivsten vor sämtlichen Eingängen positioniert – angekettet an dreckige Ölfässer. Außerdem hatten die Umweltschützer 500 Solar-Panels für eine 800-Meter Solaranlage dabei  - als richtungsweisendes Geschenk an den neuen Vorstand und damit BP begreift, dass die Zukunft des Konzerns in den erneuerbaren Energien liegt – und nicht im Öl. Leider verhinderten herbeieilende Polizisten die Installation der Anlage.

Denn kein anderer europäischer Konzern hat in den letzten 50 Jahren mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verantworten als BP. Und kein anderer Ölmulti gibt derzeit mehr Geld aus, um gegen schärfere Klimagesetzte zu lobbyieren.

BP investiert weiter in Erderhitzung

Für den Sommer hat Bernard Looney ein Konzept zur „Neuausrichtung von BP in einer wärmer werdenden Welt“ angekündigt. Aber wenn der Konzern trotz Klimakrise und Wetterchaos weiter an seinen bisherigen Öl- und Gasförderplänen festhält, sind das nur warme Worte. Denn eigentlich plant der Ölmulti, bis 2030 nochmal 71 Milliarden US-Dollar in Öl-und Gasförderung zu stecken ­ - und gerade mal  2,2 Milliarden in den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Dringlichkeit noch nicht verstanden

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da brennen in Australien die Wälder, in Afrika und Pakistan vernichten gewaltige Heuschreckenplagen ganze Ernten , kaum ein Winkel der Welt, aus dem zur Zeit keine Hiobsbotschaften über die Vorboten des katastrophalen Klimanotstandes zu uns dringen – und einer der finanzstärksten Konzerne investiert weiterhin 32 mal mehr in die Erderhitzung als in saubere Energieformen. Nein: BP hat nicht verstanden, dass wir radikale Veränderungen brauchen. Eine „Neuausrichtung in einer wärmer werdenden Welt“ sieht anders aus. Das hieße, komplett auf die Förderung Erneuerbarer Energien umzusteigen. Nur ein paar Solaranlagen auf Tankstellendächern zu installieren ist keine Strategiewende!

Wollen wir die Klimakrise noch abmildern, braucht es auch die großen Öl-, Auto- und Energiekonzerne! Dann darf ein Siemens nicht mehr in Kohleminen investieren, ein Statoil nicht mehr in neue Ölfelder in der Arktis, ein RWE seine Braunkohlekraftwerke bis Ultimo am Netz lassen -  und auch BP muss wirklich umdenken. Nachfolgende Generationen werden Menschen wie Bernard Looney daran messen, wie sie dieser Verantwortung nachgekommen sind.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Der Erdöl-Reader

Dieser umfassende Bericht vermittelt Fach- und Spezialwissen zum Thema Öl auf anschauliche Art und Weise.

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Abschalten statt Einschalten!

Statt den Kohleausstieg schnell zu starten, lässt das neue Kohleausstiegsgesetz sogar zu, dass im Sommer 2020 mit Datteln 4 noch ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz geht. 

„Blamabel für Deutschland“

Statt das Klima zu schützen, sichert das „Kohleausstiegsgesetz“ Braunkohlekraftwerken maximale Laufzeiten zu. Greenpeace-Aktivisten vor dem Kanzleramt finden das inakzeptabel.

Klimaklage: Klappe, die zweite

Neun junge Menschen halten die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen für unzureichend und ziehen vor das Bundesverfassungsgericht. Greenpeace unterstützt die Verfassungsbeschwerde.