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Kanada: Das schmutzige Geschäft mit dem Öl

Ölgewinnung aus Teersand - eine Praxis, die ungeheure Umweltschäden zur Folge hat. Laut einer Analyse der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defence Council (NRDC) mit Sitz in New York könnte Europa bis zum Jahre 2020 bis zu sieben Prozent seiner Verkehrskraftstoffe aus den Teersanden gewinnen. Schuld daran sind geplante oder bereits im Bau befindliche Pipelines in Kanada, wo die zweitgrößten Erdölreserven der Welt beherbergt sind.

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Die Herstellung von Benzin und Diesel aus Ölsand ist erheblich klimaschädlicher als die Herstellung aus konventionellen Ölreserven. Wie eine Studie für die EU-Kommission zeigt, verursacht Teersandbenzin im Lebenszyklus 23 Prozent  mehr Treibhausgase als konventionelles Benzin. Eine EU-Richtlinie von 2009 schreibt hingegen vor, dass die Treibhausgasemissionen von Verkehrskraftstoffen bis 2020 um sechs Prozent sinken müssen. Würde diese Richtlinie nicht sachgerecht umgesetzt, so könnte die Einfuhr von Ölsanden bis 2020 von heute 4.000 auf täglich 700.000 Fass ansteigen.

Ein Importverbot dieser Teersande, das ursprünglich schon 2011 vorgesehen war, wurde immer noch nicht beschlossen. Die Europäische Kommission schlägt jedoch im Rahmen ihres Klimapakets vor, nach 2020 ganz auf Klimaschutzauflagen für Kraftstoffe zu verzichten.

Ausufernder Klimaschaden

Das liegt vor allem an der Art der Gewinnung des Öls. Teersand ist ein Gemisch aus Öl, Sand und Gestein, das nur mit großem Energieaufwand zu Öl umgewandelt werden kann. Gefördert wird in riesigen Tagebauen, für welche enorme Flächen des borealen Waldes abgeholzt werden müssen. Moore und Flüsse werden dabei verschmutzt. Riesige Abwasserbecken, Unmengen an Energie und ein zu hoher Wasserverbrauch sind einige der Faktoren, die bei der Negativbilanz ins Gewicht fallen. Besonders alarmierend sind die krebserregenden Stoffe, die sich bei dem Prozess bilden.

Greenpeace zählt diese Art der Erdölgewinnung zu den größten Klimakillerprojekten weltweit.

"Durch den Abbau der Ölsande in Kanada geschieht ein weltweit wirkendes Klimaverbrechen, an dessen Auswirkungen jetzige und künftige Generationen leiden werden", so Greenpeace-Sprecher und Ölexperte Christoph von Lieven. Er befürchtet, dass der Abbau in Zukunft noch verstärkt wird, da Ölquellen anderswo zur Neige gehen und viele Erdölkonzerne in Kanadas Ölreichtum investieren. "Wer es ernst meint mit dem Klimaschutz, kann Ölsandabbau nirgendwo gestatten. Europa muss daher seine eigenen Gesetze ernst nehmen und die Einfuhr von Ölsanden verhindern."

Greenpeace-Aktivisten hatten mit einer spektakulären Aktion in einem Bergbaubetrieb des Erdölkonzerns Shell-Albion bereits vor drei Jahren gegen den Abbau protestiert. Doch die Regierung Kanadas bleibt stur - Konzerne wollen die Ölsandproduktion in Zukunft sogar verdreifachen. Das Land sieht sich so auf dem Weg zur Rohstoff-Supermacht.

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