Die Greenpeace-Outdoor-Kampagne

Mit Hochgebirgsausrüstung durch die Großstadt – Outdoorkleidung gehört heute in fast jeden Kleiderschrank. Die Outdoor-Branche verzeichnet Milliardenumsätze, Deutschland ist der größte europäische Absatzmarkt. Die Marken werben mit Bildern von waghalsigen Kletterern und Tiefschneefahrern – obwohl die meisten Kunden Großstädter sind, die bei einer Radtour oder Herbstwanderung warm und trocken bleiben wollen. Auch Kinder tragen bei Regen und Matsch auf dem Spielplatz oft eine „High Performance“-Ausrüstung. So hat sich die Outdoor-Branche vom Spezialanbieter zum Hersteller angesagter Alltagskleidung entwickelt.
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Das Problem an der Sache: Damit die Outdoor-Bekleidung von außen und innen trocken bleibt, setzen die meisten Hersteller per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) ein. Sie sind umwelt- und gesundheitsschädlich: Einige PFC können das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen. PFC kommen inzwischen rund um den Globus vor, von Eisbärlebern in der Arktis über den Dung von Pinguinen in Feuerland bis hin zur Muttermilch.

Im Dezember 2013 hat Greenpeace zum zweiten Mal Regenjacken und Handschuhe auf Chemikalien wie PFC untersucht. Insgesamt 17 Kleidungsstücke für Damen und Kinder der führenden Outdoor-Marken wurden in zwei unabhängigen Laboren getestet. Darunter bekannte Hersteller wie The North Face, Patagonia, Jack Wolfskin, Kaikkialla, Vaude und Mammut. Das Ergebnis: In allen Proben wurden per- und polyfluorierte Kohlenwasserstoffe gefunden, mit teilweise hohen Rückständen. Die Schadstoffe dünsten auch in die Luft aus, wie Greenpeace in diesem Test zum ersten Mal nachgewiesen hat.

Kein Wunder also, dass Greenpeace in selbst weit entfernt gelegenen Gebieten Chemikalien aus der Textilproduktion fand. Im Sommer 2015 machten sich Greenpeace-Teams auf, um dort, wo kaum ein Mensch einen Fuß hinsetzt, Proben zu nehmen. Ob in der Hohen Tatra in der Slowakei, in den Goldenen Bergen des Altai in Russland oder in den schweizer Alpen: Die im Report "Chemie in unberührter Natur" veröffentlichten Tests wiesen Chemikalien nach - selbst am Ende der Welt.

Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Dazu zählen Jacken mit PFC-freien Membranen aus Polyester sowie Imprägnierungen aus Polyurethan oder auf Paraffin-oder Silikonbasis. Alles keine grüne Chemie, aber umweltverträglicher als PFC-Chemie. Auch diese Jacken sind winddicht, atmungsaktiv und halten einem Wolkenbruch stand. „Vor dem Kauf sollten Verbraucher prüfen, ob sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen", rät Santen. "Die schadstofffreien Jacken genügen fast immer.“

Greenpeace fordert die Outdoor-Industrie auf, konkrete Ausstiegsziele für PFC festzulegen und fluorfreie Alternativen weiter zu entwickeln. Im Rahmen der EU-Chemikaliengesetzgebung gehören alle PFC auf den Prüfstand. Seit dem Start der Detox-Kampagne von Greenpeace im Jahr 2011 haben sich 32 große Textilmarken von A wie Adidas über H wie H&M bis Z wie Zara verpflichtet, bis zum Jahr 2020 auf gefährliche Chemikalien zu verzichten.

>>> Unterschreiben Sie hier das Outdoor-Manifest und werden Sie Teil der Detox-Bewegung

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