CO2-Endlagerung

CO2 – aus den Augen, aus dem Sinn?

Die Stromkonzerne wollen das Treibhausgas Kohlendioxid mittels CCS in die Erde verpressen. Die weitgehend unerprobte Technik ist teuer, energieintensiv und riskant.

Gefährliche Technologie

Mit der unterirdischen Lagerung von CO2 könnte nach dem Atommülldesaster das nächste Endlagerdebakel auf uns zukommen

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Trotz Energiewende steigen in Deutschland die CO2-Emissionen. Hauptgrund für die schlechte Klimabilanz ist der hohe Kohleverbrauch. Um trotzdem weiter massenhaft Kohle verbrennen zu können, setzen die Energiekonzerne auf die CCS-Technologie – obwohl deren Scheitern immer offensichtlicher wird. CCS steht für Carbon Capture and Storage  – die Verpressung und unterirdische Lagerung von CO2. Die Technik treibt den Kohleverbrauch und die Preise in die Höhe. Und ob das Gas sicher unter der Erde bleibt, ist völlig offen.

CCS – teuer, riskant und wenig effizient

Das Klimagas Kohlendioxid ist unbrennbar, schwerer als Luft sowie farb- und geruchlos. Das CO2 soll aus den Abgasen von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und in unterirdischen Gesteinsschichten verpresst. Dieser Vorgang ist sehr energieintensiv und führt daher zu einem stark erhöhten Kohlebedarf. Je nach Art des CCS-Verfahrens könnten bis zu 40 Prozent der Kraftwerksleistung verloren gehen.

Die Sicherheit der potenziellen CO2-Endlager ist nicht erwiesen. Leckagen könnten sich verheerend auswirken – in hohen Konzentrationen führt Kohlendioxid zum Ersticken. Zudem gefährden mögliche Leckagen das Grundwasser in der gesamten Region der Lagerstätten. Die CO2-Endlager müssen langfristig überwacht werden. In Deutschland sind erschöpfte Erdgasfelder und tiefe Salzwasser führende Grundwasserleiter (saline Aquifere) als Lagerstätten vorgesehen. Doch faktisch ist die CCS-Technologie überhaupt nicht ausgereift: Nirgendwo auf der Welt gibt es ein Demonstrationsprojekt, das Abscheidung, Transport und Verpressung von CO2 erfolgreich umsetzt. Die Technik ist Jahrzehnte von der Marktreife entfernt und kommt daher für effektiven Klimaschutz viel zu spät. 

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht

Europaweit wurden in den vergangenen Jahren die meisten CCS-Demonstrationsprojekte aufgegeben – wegen technischer Probleme, hoher Kosten und Widerstands der Bevölkerung. Auch in Deutschland stieß die CO2-Verpressung auf erheblichen Gegenwind in den betroffenen Regionen. Im Juni 2012 wurde das deutsche CCS-Gesetz beschlossen, das Erprobungslagerstätten bis maximal vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr erlaubt. Eine Länderklausel ermöglicht es den Bundesländern aber, die Lagerung auf ihrem Territorium auszuschließen. In den Ländern mit den meisten potenziellen Lagerstätten– Schleswig-Holstein, Niedersachsen,  Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – konnte der Widerstand der Bürger bisher eine CO2-Endlagerung verhindern. 

CO2-Endlager unter dem Meer

Aufgrund der fehlenden Akzeptanz für CCS an Land planen einige Energiekonzerne nun, ihr Kohlendioxid unter dem Meeresboden zu verpressen. Dabei wäre ein Vetorecht der Bundesländer ausgeschlossen – die für die Verpressung angedachten Gebiete liegen außerhalb der 12-Meilen-Zone,  so dass die Entscheidungshoheit beim Bund liegt. Um das CO2 zu den potenziellen Lagerstätten unter dem Meer zu transportieren, müssten gigantische CO2-Pipelines zum Transport des Klimakillers von den Kraftwerken bis an die Nordsee oder Ostsee gebaut werden. Als Lagerstätten werden Öl- und Gasfelder vorgesehen, deren Förderung durch das eingepresste CO2 noch gesteigert werden soll. Jegliche Einsparung von CO2-Emissionen würde zunichte gemacht, wenn gleichzeitig vermehrt Erdöl und –gas gefördert wird.  Durch den aufwändigen Transport und die Verpressung auf Plattformen im Meer würden außerdem die ohnehin schon horrenden Kosten der CCS-Technologie noch weiter in die Höhe getrieben.

CO2 vermeiden - nicht verpressen!

Die Endlagerung von CO2 ist keine Lösung für das Klimaproblem, sondern dient als Feigenblatt für den weiteren Abbau von Braunkohle und den Bau neuer Kohlekraftwerke. Die Technik ist weit von der Marktreife entfernt und deutlich teurer als der Ausbau Erneuerbarer Energien. CCS birgt unkalkulierbare Risiken: Gefährliche Leckagen der CO2-Endlager und schädliche Folgen für das Grundwasser können nicht ausgeschlossen werden. Die Industrie darf der kommenden Generation keinen Kohlendioxid-Abfall vererben, der aufwändig gelagert und dauerhaft gesichert werden muss. Der Klimawandel kann nur aufgehalten werden, wenn wir weniger fossile Energieträger  verbrennen. Anstatt Kohlendioxid zu verpressen, muss ein Großteil der Kohle-, Öl- und Gasreserven unter der Erde bleiben.

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Häufig gestellte Fragen

  • Was ist CCS?

    CCS bedeutet Kohlendioxidabscheidung und -Endlagerung (Carbon Capture and Storage): Das klimaschädliche CO2 aus Kraftwerken und Industrieanlagen soll aufgefangen und unterirdisch verpresst werden. Die Technik ist gefährlich, unökonomisch und weit von der Marktreife entfernt. Die CO2-Endlagerung zählt zum sogenannten Geo- und Climate-Engineering: nachträgliche Reparaturmaßnahmen, die das Klimaproblem nicht an der Wurzel packen.
     

  • Zu welchen Gefahren führt die Kohlendioxid-Endlagerung?

    Geologen warnen, dass die Sicherheit der Endlager nicht gewährleistet ist. Die Verpressung von vielen Millionen Tonnen CO2 in salzwasserführende Gesteinsschichten könnte zur Versalzung des Grundwassers führen. Auch schleichende oder plötzliche Leckagen sind nicht ausgeschlossen. Dies gilt auch für CO2-Pipelines, in denen das CO2 vom Kraftwerk zum Speicherort gebracht würde. CO2 ist zwar ungiftig, kann aber in hohen Konzentrationen zum Erstickungstod führen.

  • Kann die Kohlendioxid-Endlagerung zur Lösung der Klimaproblematik beitragen?

    Nein. Die Technik ist noch mindestens 20 Jahre von einem großtechnischen Einsatz entfernt und käme daher für den Klimaschutz zu spät. Zudem führt die CO2-Endlagerung zu erheblichen Mehrkosten, weil sie den Brennstoffbedarf stark erhöht. Deshalb und angesichts der Gefahren der CO2-Endlagerung ist nicht zu erwarten, dass CCS jemals einen relevanten Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten wird.

  • Wie ist die aktuelle Rechtslage?

    Das CCS-Gesetz ist seit Juni 2012 in Kraft. Es ermöglicht Demonstrationsprojekte, wobei die jährliche Speichermenge auf 4 Millionen Tonnen und max. 1,3 Millionen Tonnen pro Lagerstätte begrenzt ist. Bundesländer können die Lagerung auf ihrem Territorium nach Abwägung anderer Formen der Bodennutzung untersagen. Die wichtigsten Speicherländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern nutzen diese Länderklausel.

  • Forderungen

    • Die Verbrennung fossiler Energien beenden anstatt nachträglicher Reparaturmaßnahmen
    • Kein Geo- und Climate-Engineering, das Probleme in die Zukunft verschiebt

    Veröffentlichungen zu diesem Thema