Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Clemenceau legt in Brest an

Die kläglichen Überreste der früheren Flugzeugträger Clemenceau - einst Stolz der französichen Marine - sind in die bretonische Stadt Brest zurückgekehrt. Doch diese Reste, die nun die offizielle Bezeichnung Hull Q790 tragen, haben es in sich: tonnenweise Asbest. Die französische Regierung wollte damit ein Umweltverbrechen begehen und das verseuchte Wrack billig in Indien entsorgen. Das hat nicht geklappt. Dem Schiffsrumpf steht nun die sachgerechte Abwrackung bevor.

  • /

Das sah Ende vergangenen Jahres noch ganz anders aus. Aus Toulon brach der Konvoi - ausgeschlachteter Schiffsrumpf und Schlepper - nach Indien auf. Dort sollte der asbestverseuchte Stahlgigant auf dem Schiffsfriedhof Alang unter unsäglichen Umständen zerlegt werden. Teilweise mit bloßen Händen, ohne Schutzbekleidung und oftmals ohne sachgerechte Fachkenntnisse wären dort die gefährliche Arbeiten erledigt worden. Maßnahmen zum Schutz der Umwelt vor den Giftstoffen aus den Schiffswracks haben dort Seltenheitswert.

Greenpeace-Aktivisten erkletterten im Mittelmeer den Schiffsrumpf und forderten die Umkehr. Doch die Fahrt ging weiter. Nach langem Hin- und Her ließ Ägypten den Konvoi den Suezkanal passieren. Erst eine Klage vor dem Staatsrat in Paris, Frankreichs höchstem Verwaltungsgericht, brachte die Wende: Mitte Februar entschied der Gerichtshof, das die Verschrottung der Schiffsrumpfes in Indien unzulässig sei. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac stoppte daraufhin den Versuch, den Asbest außerhalb Frankreichs loszuwerden und pfiff den Konvoi zurück.

Heute geht eine Geschichte zu Ende und eine andere beginnt, sagte Greenpeace-Sprecher Yannick Jadot. Frankreich hat sich bereit erklärt, Strukturen zum Verschrotten von Schiffen zu schaffen. Indien und Bangladesch weisen belastete Schiffe zurück. Die Verschrottung kann nicht mehr auf dem Rücken der indischen Arbeiter ausgetragen werden.

Nächstes Asbestwrack mit Kurs Indien

Während Frankreich scheinbar seine Lektion gelernt hat, kümmert sich die indische Regierung nicht weiter um die katastrophalen Zustände im eigenen Land wie beispielsweise in Alang. Greenpeace wirft Neu-Delhi vor, keine nachhaltigen Alternativen zum sauberen Abwracken zu suchen. Diese müssten die Belange von Industrie und Arbeitern berücksichtigen. Folglich hat bereits das nächste Asbestschiff Kurs auf Indien genommen.

Das Kreuzfahrschiff, das mehrmals den Namen wechselte und schon France, Blue Lady oder Norway hieß, wird in Alang erwartet. Trotz der weitverbreiteten Auffassung, dass die Zustände in Alang eine nationale Schande sind und umgehend reformiert werden müsste, erhält man von der indischen Regierung nur Lippenbekenntnisse, sagt Ramapati Kumar, Chemieexperte von Greenpeace Indien.

Weiterführende Publikationen zum Thema

The smart supermarket

Wie könnte er aussehen, der Supermarkt der Zukunft? Welche Möglichkeiten gibt es, die Unmengen an Plastik zu vermeiden, in denen waren heute eingepackt sind?

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Mehr zum Thema

Exportschlager Umweltgifte

Deutschland löst sein Plastikproblem nicht, es schiebt es nur weiter – in Länder, die mit der Bewältigung überfordert sind. Ein Greenpeace-Report beleuchtet die Gesundheitsfolgen.

Kein Allheilmittel

Das Bundesumweltministerium will das Zerstören neuwertiger Waren im Onlinehandel stoppen. Dafür kämpft Greenpeace seit Jahren. Wie ist der neue Gesetzesentwurf zu bewerten?

Übles Mehr in Meeresfrüchten

Plastik ist überall. Erst im Supermarktregal, dann im Meer – und wieder auf dem Teller: Eine Greenpeace-Untersuchung belegt Mikroplastik-Funde in vielen Fischeinkäufen.