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Ein Briefkasten mit 260.000 Unterschriften für einen schnelleren Atomausstieg

Greenpeace-Aktivisten haben einen 2,50 Meter hohen Briefkasten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin aufgestellt. Im Laufe des Tages werden sie ihn mit den Unterschriften von mehr als 260.000 Menschen füllen, die einen Atomausstieg bis 2015 und eine schnelle Energiewende fordern. Die Postkarten und Unterschriften werden morgen während der zweiten und dritten Lesung der Energiegesetze im Kanzleramt übergeben.

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Gerade nach Fukushima wollen die Menschen in Deutschland das Risiko der Atomkraft nicht mehr länger tragen als irgend notwendig, dem muss Angela Merkel in ihrem Energiepaket nachkommen, fordert Dietmar Kress, Leiter der Mobilisierungskampagne von Greenpeace. Wer gesellschaftlichen Konsens in Energiefragen will, muss die Forderungen der Zivilgesellschaft zur Energiewende auch ernst nehmen.

Das Interesse und die Beteiligung der Öffentlichkeit an Diskussionen zu Atomkraft und Energiewende waren in den letzten Wochen enorm. Auch bei den Mitmachaktionen von Greenpeace war die Bürgerbeteiligung so überwältigend wie seit langem nicht. Die Viertelmillion Unterschriften gingen per Post, im direkten Kontakt bei den Greenpeace-Ehrenamtlichen oder per Internet bei Greenpeace ein. Sie spiegeln klar den Wunsch nach einer konsequenten Energiewende und einer nachhaltigen Energieversorgung.

Atomkraft, richtiger Klimaschutz und eine gesicherte Energieversorgung aus umweltfreundlichen Energien sind Fragen, die die Menschen zutiefst bewegen, so Kress.

Volkswirtschaftlich verkraftbarer Atomausstieg ist bis 2015 möglich

Greenpeace hat mit seinem Szenario Der Plan - Deutschland ist erneuerbar belegt, dass ein Atomausstieg bis 2015 sicher und ohne volkswirtschaftlichen Schaden möglich ist. Ein Atomausstieg bis 2022 nimmt ohne Not über viele Jahre die Risiken eines Super-GAUs in Kauf und belastet künftige Generationen mit zusätzlichem Atommüll, der eine Million Jahre lang strahlt.

An der Mitmach-Initiative von Greenpeace haben sich seit Anfang Mai auch viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beteiligt. Die Schauspielerin Renan Demirkan meint zum Beispiel: Für mich ist die Kernenergie ein Verbrechen an der Menschheit. Am Tag der Tschernobyl-Explosion war ich exakt drei Monate vor der Geburt meiner Tochter - ich weiß, welche Panik japanische Mütter zurzeit durchmachen. Ihre Kollegin Jule Ronstedt ergänzt: Worauf wollen wir denn noch warten? Nein, ich denke, man sollte und kann den Ausstieg schneller als 2022 umsetzen. Und ich kenne keinen Grund, der dagegen spricht.

Publikationen

Der Plan - Deutschland ist erneuerbar!

Der Plan ist das Greenpeace-Senario für einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien. Deutschland ist erneuerbar, weil ein Ruck durchs Land geht, weil wir AKW abschalten, bereits 17 Prozent Erneuerbare Energien haben und damit international an der Spitze stehen, weil wir in 40 Jahren zu 100 Prozent unseren Strom aus Erneuerbaren Energien beziehen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

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