Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ungeklärtes Walsterben vor der US-Ostküste

Meeresbiologen in den USA suchen nach der Ursache für das Massensterben von rund einem Dutzend Walen. Deren Kadaver wurden 250 Kilometer vor der US-Ostküste gesichtet. Die Forscher haben eine für Meeressäuger tödliche Alge im Verdacht. Doch auch Sonargeräte der Marine können zum Tod der Tiere beigetragen haben.

Bereits 1987 sind 14 Wale in derselben Gegend an dem Gift der Alge verendet. Der Einzeller enthält Saxitoxin, ein Lähmungsgift, und wächst im Sommer an der Ostküste von Maine und Massachusetts. Durch besonders günstige ozeanische Strömungen kann ein Algenteppich in die Gegend der Wale geschwemmt worden sein, so der Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Dort vorkommende Makrelen reichern das Gift an. Die Fische werden wiederum von Walen gefressen. Um Sicherheit über die Todesursache zu erhalten, untersuchen Experten in dieser Woche Blut, Urin und Haut der Meeressäuger nach Spuren des tödlichen Gifts.

Als wesentlich geringer schätzen amerikanische Experten die Möglichkeit ein, dass die Wale durch das Sonarsystem der Marine Schaden genommen haben. Durch eine Untersuchung des Walkörpers kann geprüft werden, ob die Innenohren der Wale geplatzt sind, erklärt Thilo Maack. Die Verletzung führt zu einer Orientierungslosigkeit der Tiere und bedeutet letztendlich ihren Tod.

Der Buckelwalbestand in der Region ist durch die Verluste nicht gefährdet. Doch mit Sorge beobachten Experten die wenigen Glattwale im Nordatlantik. Die gerade mal 320 Tiere, die im Sommer im Maine-Küstengebiet auf Nahrungssuche gehen, könnten ebenfalls vom Algengift betroffen werden. Da Glattwale allerdings eher Plankton als Fische fressen, müssen sie sich nicht zwangsläufig vergiften. (nic)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Schutz den Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee

Meeresschutz findet in Deutschland nur auf dem Papier statt: In den zehn Offshore-Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sind auch acht Jahre nach ihrer Ausweisung keinerlei Schutzmaßnahmen in Kraft.

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?

Erweiterung des Schlacht-Felds

Japans Wal-Schlachten, vorgeblich zu wissenschaftlichen Zwecken, geht weiter. Nun erhöht das Land die Fangquote für Minke- und Seiwale sogar – und ignoriert offizielle Beschlüsse.