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Island-Urlauber wollen keine Waljagd

Der internationale Druck auf die isländische Regierung steigt: Seitdem isländische Walfänger wieder Wale töten, stornieren immer mehr Urlauber ihre Reise auf die Insel im Nordatlantik. Die meisten Absagen kamen aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Island-Reiseveranstalter befürchten, dass das Fernbleiben unter den jährlich rund 240.000 Touristen Schule machen könnte.

Bislang nutzte ein Viertel aller Island-Besucher die Möglichkeit zum friedlichen Beobachten der Wale, die sich in isländischen Gewässern geradezu tummeln. Die junge Whale-Watching-Industrie profitierte von dem Ruf, Island sei einer der besten Plätze, um Blau-, Finn-, Buckel-, Sei- und Pottwale sowie Orcas und Delfine zu betrachten. Jährlich wurden Einnahmen von rund acht Millionen Euro erwirtschaftet.

Vertreter der Whale-Watching-Stationen sind überzeugt, dass sich Wale-Betrachten und Wale-Töten nicht vereinbaren lässt: Genau zu der Zeit und an den Stellen, wo sie mit den Fans der Meeressäuger auf Beobachtungsposten gehen, weil dort die Wahrscheinlichkeit Wale anzutreffen am größten ist, gehen auch die Walfänger ihrem blutigen Handwerk nach. So wird befürchtet, dass die Hälfte der walbegeisterten Urlauber im nächsten Jahr wegbleiben könne.

Mitte der vergangenen Woche ging bei der Regierung in Reykjavik ein Schreiben von 21 europäischen Reiseveranstaltern ein - darunter auch der weltweit größte Reisekonzern TUI -, in dem sie aufgefordert wurde, die Erlaubnis zum Töten von 38 Zwergwalen noch einmal zu überdenken. Doch Reykjavik beruft sich darauf, dass die Internationale Walfangkommission (IWC) den Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaube.

Mit seiner Forschung will das isländische Fischereiministerium angeblich herausfinden, welchen Einfluss die Wale auf die Fischbestände haben. In den nächsten zwei Jahren sollen deshalb 500 Wale getötet werden. Dazu meint der Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack: Die wissenschaftlichen Untersuchungen, die Reykjavik vornehmen will, zielen vorrangig darauf ab, zu zeigen, dass Wale zu viel Fisch wegfressen.

Das ist jedoch eine ökologisch haltlose Behauptung, kritisiert Maack. Die immer häufiger festgestellte Fischarmut in den Ozeanen ist allein auf die menschengemachte Überfischung zurückzuführen. Die Wale sollen jetzt als Sündenbock für die menschlichen Verfehlungen herhalten.

Der Geschäftsführer von Greenpeace International, Gerd Leipold, sieht noch eine weitere Gefahr: Kein wissenschaftliches Ziel rechtfertigt das Töten von Walen. Das ist schlicht und ergreifend der Versuch der isländischen Regierung, den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen.

Leipold war schon vor 25 Jahren dabei, als Greenpeace gegen den damals noch bestehenden kommerziellen Walfang in Island protestierte. Damals war er an Bord der inzwischen vom französischen Geheimdienst versenkten Rainbow Warrior I. Auch gegenwärtig hat wieder eine Rainbow Warrior Kurs auf den Nordatlantik gesetzt, die Rainbow Warrior II. In wenigen Tagen wird sie in isländischen Gewässern eintreffen.

Leipold: Wir müssen der isländischen Regierung ein klares Signal senden - international wie in Island selbst -, dass wir die Wiederaufnahme des Walfangs nicht hinnehmen werden. (mir)

Auch Sie können etwas gegen das Töten der Wale vor Island tun! Schreiben Sie an den isländischen Botschafter in Deutschland und fordern Sie ihn auf, den Wiedereinstieg in den Walfang aufzugeben.

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