Greenpeace-Aktivisten sammeln Plastik an Küsten im Nordpolarmeer

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

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Wenn es ein Ende der Welt gibt, liegt Spitzbergen nicht weit davon entfernt. Auf der Inselgruppe im Nordpolarmeer wohnen nur wenige Menschen, dennoch steckt die Region voller Leben: Aufgrund seiner vielfältigen Tierwelt wird die Inselgruppe auch das „Galapagos des Nordens“ genannt.

Doch selbst hier, wo der Mensch kaum Fußspuren hinterlassen sollte, ist die Natur längst nicht mehr so unberührt wie vermutet. Die Besatzung des Greenpeace-Schiffs Arctic Sunrise ist derzeit in der Barentssee unterwegs und hat an den Stränden Spitzbergens Müll gesammelt. „Leider lässt sich kaum einen Schritt tun, ohne auf kleine oder große Plastikteile zu stoßen“, sagt Larissa Beumer, Greenpeace-Expertin für die Arktis und mit an Bord des Aktionsschiffes.

Die Abfälle stammen allerdings kaum von den Bewohnern der Inseln: Denn die Greenpeace-Aktivisten trugen vor allem Plastiknetze, Bojen und weiteren Müll der Fischereiindustrie zusammen.

Vier Fünftel des Mülls stammen von Fischtrawlern

Wind und Meeresströmungen können Plastikmüll über weite Strecken an solche abgelegenen Orte bringen, das ist schlimm genug. Doch der überwiegende Teil des angelandeten Mülls entsteht vor Ort im Nordpolarmeer. Die Verwaltung Spitzbergens schätzt, dass rund 80 Prozent des Abfalls aus den Hinterlassenschaften der Fischtrawler dort besteht. Das ist weit mehr als andernorts – weltweit macht Fischereimüll durchschnittlich 18 Prozent des Plastikmülls im Meer aus. Ohne ein Schutzgebiet in der Barentssee droht die Zahl weiter zu steigen: Durch den Klimawandel können Schiffe mittlerweile tiefer ins arktische Meer vordringen und sich Fanggründe erschließen, die zuvor unter Eis lagen.

Für das vielfältige Ökosystem Spitzbergens ist die Müllflut verheerend: Wissenschaftler fanden Plastikmüll in den Mägen von fast 90 Prozent aller untersuchten Eissturmvögel in der Region. Größere Tiere wie Rentiere und Robben, selbst Eisbären, können sich in verlorenen und entsorgten Netzen und Seilen verheddern. Zu Mikroplastik zerrieben landen die Netze in den Mägen von Fischen – und schließlich in der Nahrungskette.

Schutzgebiete – jetzt!

Ein Schutzgebiet würde nicht nur den unmittelbaren Schaden am Meeresboden durch Grundschleppnetze mindern, die vormals unberührte Natur wäre auch vor gefährlichem Fischereimüll besser geschützt. Doch in der norwegischen Barentssee ist nach wie vor keines eingerichtet. „Die norwegische Regierung muss die Ausbreitung der industriellen Fischerei in bislang unberührte Gebiete stoppen, bevor sie richtig Fahrt aufnimmt“, sagt Larissa Beumer.

Vor Kurzem gelang durch zahlreiche Gespräche und öffentlichen Druck von Greenpeace immerhin ein Teilerfolg für den Arktisschutz: Große Unternehmen wie Iglo, McDonald’s und andere marktführende Fischerei- und Handelsunternehmen verpflichteten sich freiwillig, die Kabeljau-Fischerei nicht weiter in bislang unbefischte Gebiete der nördlichen Barentssee auszuweiten. Kabeljau aus Gebieten der Barentssee, die bislang von Eis bedeckt waren, sind für sie damit tabu; Trawler, die dennoch hier fischen, haben Mühe, Abnehmer für ihre Ware zu finden. Ein erster Schritt dank guter Absichten, dem allerdings bald Rechtssicherheit durch die norwegische Regierung folgen muss.

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