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Greenpeace-Aktivist:innen in einem Schlauchboot rasen an zwei illegalen Schiffen, darunter der 1980 gebauten 'Genova Bridge' aus Großbritannien vorbei, die potenziell sie giftige Substanzen an Bord haben.
© Greenpeace / Steve Morgan

Schiff Genova Bridge ist mit Asbest verseucht

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Die Umweltbehörde des indischen Bundesstaates Gujarat GPCB bestätigte am 24. November die Greenpeace-Vorwürfe gegen das britische Schrottschiff Genova Bridge: Das Schiff ist verseucht mit Asbest und anderen Chemikalien, und muss dringend gereinigt werden, bevor es auf einer Werft im indischen Alang abgewrackt wird. Greenpeace kritisiert das Vorgehen der Behörden: Das Schiff soll von der Meeresbehörde von Gujarat dekontaminiert und der anfallende Sondermüll, zum Beispiel Asbest, auf eine Deponie geschafft werden. Das aber wäre Aufgabe des britischen Schiffseigners V. Shipping International.

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior hatte die Genova Bridge des Londoner Unternehmens V.Ships Commercial  kurz zuvor in indischen Gewässern aufgespürt und eine Untersuchung des Schiffes auf gefährliche Chemikalien gefordert. Seit dem 9. November wird die Genova Bridge in Alang auseinandergenommen. Dann untersuchte die GPCB das Schiff - und entdeckte unter anderem Asbest, Ölschlamm und anderen Müll. Daraufhin ordnete die GPCB an, das Schiff zu dekontaminieren.

Genova Bridge mit Asbest verseucht

Tatsache ist: Alte Schiffe enthalten eine Fülle gesundheitsschädlicher Baustoffe. Die Genova Bridge ist belastet mit giftigen Substanzen wie PCBs (Polychlorierten Biphenylen), Asbest, TBT (Tributylzinn) und Ölschlamm. Wer ein ausgemustertes Schiff mit allen giftigen Inhaltsstoffen in ein Entwicklungsland schafft, um es dort unter katastrophalen Arbeitsbedingungen billig abwracken zu lassen, macht sich nach internationalem und indischem Recht des illegalen Giftmüllexports schuldig. Das Exportieren von Giftmüll in Entwicklungs- und Schwellenländer ist laut Baseler Konvention verboten. In Alang aber, wo viele Industrieländer unter unvorstellbaren Bedingungen ihre alten Schrottschiffe abwracken lassen, sind solche Gesetze scheinbar nicht von Bedeutung.

„Asbest kann Asbestosis verursachen, wenn damit nicht sachgemäß umgegangen wird“, erklärt J. K. Vyas, Umweltbeauftragter der lokalen Regierung in Gujarat, und fährt fort: „Besonders das Verbrennen im Freien kann Probleme bereiten“. Gerade in Alang müssen die Arbeiter oft mit bloßen Händen die Schiffswracks auseinander nehmen.

Keine Lösung in Sicht

Zwar ist es ein Erfolg, dass die Genova Bridge aufgrund des Einschreitens von Greenpeace nun erst einmal dekontaminiert werden muss. Doch warum von indischer Seite? Anstatt die Verantwortlichkeiten unmissverständlich klarzustellen, kooperiert die Kontrollbehörde für Umweltverschmutzung (GPCB) von Gujarat mit dem Verursacher des Problems.

Nicht nur indische Behörden stehen unter Kritik. Greenpeace fordert die Internationale Meeresorganisation (IMO) auf, entsprechend der Baseler Konvention endlich international gültige Regeln für das Abwracken alter Schiffe zu erarbeiten: Schiffseigner müssen sicherstellen, dass ihre Schrottschiffe dekontaminiert werden, bevor sie in andere Länder exportiert und dort auseinander genommen werden.

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Update vom 25.03.2004

Britischer Asbest in Indien

An den Stränden Südostasiens tragen Arbeiter asbestverseuchte Schiffsüberreste an Land - ohne Schutzkleidung, ohne Ausrüstung. Sie verschrotten Schiffe aus den Industriestaaten. Greenpeace fordert jetzt gemeinsam mit der größten britischen Gewerkschaft GMB und dem ehemaligen Industrieminister Peter Mandelson, die Schiffe dort zu verschrotten, wo sie herkommen.

Bislang ist es an der Tagesordnung, die Schiffe zur Demontage zu verfrachten. An den Stränden von Bangladesch, Indien und Pakistan werden sie dann in Handarbeit auseinander genommen. Nicht selten sind Kinder unter den Arbeitern. Der Verdienst pro Tag: weniger als ein Pfund.

Besonders problematisch ist die Belastung der Schiffe mit Asbest. Da keine Sicherheitsstandards bestehen, kommen die Arbeiter ohne Schutz mit dem giftigen Stoff in Berührung. Neben anderen Atemkrankheiten löst Asbest auch Lungenkrebs aus. Noch 40 Jahre nach dem Einatmen der gefährlichen Partikel kann er zur Bildung von Geschwüren führen. Weniger als zwölf Monate nach der Diagnose sterben etwa 75 Prozent der Erkrankten.

Doch nicht nur Asbest stellt eine tödliche Gefahr für die Arbeiter dar. Die Schiffe enthalten oft entzündliche Schweröle, Blei und PCBs. Explosionen bei der Demontage sind alltäglich.

„Es ist absolut skandalös, dass Schiffe zur Verschrottung nach Indien geschickt werden“, so Greenpeace-Experte Simon Reddy. „Die Arbeiter in Indien wissen nicht einmal, was Asbest ist.“

In Großbritannien dagegen gibt es das nötige Fachwissen und die Ausrüstung, um die Schiffe umweltgerecht und ohne Gefahr für Menschen zu verschrotten. Die Greenpeace-Kampagne hat zum Ziel, dass dort, und in einem weiteren Schritt europaweit, eine Industrie zur Demontage von Schiffen aufgebaut wird.

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