Mit weniger Tierhaltung für mehr Klimaschutz

Landwirtschaft und Klima

Die intensive Landwirtschaft trägt neben dem Artensterben auch zur Klimakrise bei. Dabei leiden auch Bauern und Bäuerinnen unter den Folgen dieser Entwicklung. Zeit, umzudenken.
  • /

Äpfel mit Hagelschäden – genießbar und doch kaum verkäuflich. Maispflanzen, die verdorren, bevor die Maiskolben reif sind. Kühe, die unter Hitzestress leiden. Die Klimakrise macht das Wetter immer unberechenbarer. Vielerorts steigt nicht nur die Termperatur an, auch die Niederschläge nehmen regional zu und Pflanzen leiden unter Wassermangel. Zugleich gibt es aber auch mehr Extremereignisse wie Hagel und stürmischen Starkregen. Oder der Spätfrost nach einem viel zu milden Winter zerstört früh ausgetriebene Blüten. Die Landwirtschaft leidet schon jetzt unter dem veränderten Klima: In Spanien bleiben die Mandarinen klein, in Frankreich machen sich die Winzer Sorgen. Auch in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren viele bäuerliche Betriebe Ernteausfälle und konnten kaum ihre Tiere mit dem hofeigenen Futter ernähren, weil die Futterpflanzen ebenfalls weniger Ertrag brachten.

Emissionen aus der Landwirtschaft

Doch die Landwirtschaft ist nicht nur Opfer der Klimakrise, sie ist auch Verursacherin. In Deutschland ist sie für mehr als zwölf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zu den größten Quellen gehören hierzulande die Nutztierhaltung durch die Methanemissionen aus Rindermägen und Gülle sowie Stickstoffdüngung und die landwirtschaftliche Nutzung ehemaliger Moorflächen, weil Moor ein wichtiger Kohlenstoffspeicher ist. Weltweit trägt die Landwirtschaft laut Weltklimarat IPCC sogar mit  knapp einem Drittel der Treibhausgasemissionen zur Klimaerhitzung bei.

Soja-Importe für Fleischproduktion

Die Rodung von Wäldern zur Ausdehnung von Weide- und Ackerflächen setzt klimaschädliches CO2 frei. Auch wenn in Deutschland heute keine Wälder mehr für landwirtschaftliche Flächen zerstört werden dürfen – das haben bereits Generationen vor uns gründlich erledigt –, so ist die deutsche Landwirtschaft doch auch indirekt weiterhin für Waldzerstörung verantwortlich: Um die große Nachfrage nach billigem Fleisch zu bedienen, halten die Produzenten so viele Tiere, dass sie Futtermittel importieren müssen. Besonders die Anbauflächen von Soja wachsen weltweit rasant, und ihnen fallen riesige Waldflächen, die zuvor wertvolle CO2-Speicher waren, zum Opfer. Dass der Amazonas-Regenwald unter Brasiliens umstrittenen Präsidenten Jair Bolsonaro stärker von solcher Waldvernichtung bedroht ist als zuvor, ist mittlerweile bekannt. Doch auch andere Ökosysteme wie die Savannenwälder des brasilianischen Cerrado und die Trockenwälder des größtenteils in Argentinien liegenden Gran Chaco sind betroffen.

Teil des Problems - Teil der Lösung

Doch die gute Nachricht ist, dass wir auf diese Entwicklung Einfluss nehmen können. Die Landwirtschaft kann ihren Teil dazu beitragen, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen und die Artenvielfalt zu erhalten. Eine wachsende Zahl von Landwirten in Deutschland zeigt bereits, dass Ökolandbau möglich und rentabel ist. Mittlerweile werden bereits zwölf Prozent der Betriebe beziehungsweise neun Prozent der Landwirtschaftsfläche ökologisch bewirtschaftet. 

Würden deutsche und europäische Fördergelder gezielter und sinnvoller eingesetzt, könnten es noch viel mehr Betriebe werden. Jedes Jahr schüttet die EU weit mehr als 58 Milliarden Euro an die Landwirtschaft aus – das ist der größte Posten im Haushalt, rechnerisch 114 Euro pro Person. Doch aktuell gilt leider noch immer für drei Viertel der Gelder: Wer die größten Flächen bewirtschaftet, kassiert die höchsten Subventionen. Das führt zu Höfesterben, weil viele kleinere Familienbetriebe dem wachsenden wirtschaftlichen Druck nicht mehr standhalten und die industriellen Großbetriebe übrig bleiben. In Deutschland müssen jährlich rund 4.000 Betriebe aufgeben, was in jüngster Zeit zu Protesten und Demonstrationen von Landwirtinnen und Landwirten geführt hat. 

Doch das muss nicht so sein. Greenpeace hat mit dem “Kursbuch Agrarwende" gezeigt, wie eine ökologisierte Landwirtschaft bis 2050 in Deutschland aussehen kann und welche Wege dorthin führen. Beispielsweise eine kluge Neuaufteilung der Subventionen, so dass nicht mehr Betriebsgröße, sondern ökologisches Wirtschaften gefördert wird. Oder eine Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent für Fleisch und Milchprodukte und stattdessen ein ermäßigter Steuersatz auf Alternativen wie Tofu oder Hafermilch.

Bauernfamilien ziehen für Klimaschutz vor Gericht

Die Agrarwende ist also ein wichtiger Baustein für die Lösung der Klimakrise. Auch aus den Reihen der Landwirtschaft steigt der Druck auf die Bundesregierung, wollen Menschen die durch die Erderhitzung bedingten Ernteausfälle nicht länger hinnehmen. So verklagten im Herbst 2018 drei Bauernfamilien mit Unterstützung von Greenpeace die Regierung vor dem Bundesverwaltungsgericht aufgrund mangelnder Ambitionen beim Klimaschutz. Im Januar 2020 legten die jüngeren Familienmitglieder nach und zogen mit weiteren jungen Menschen, unter anderem Luisa Neubauer von Fridays for Future, vor das Bundesverwaltungsgericht in Karlsruhe.

Klimafreundlich essen

Und eine gute Nachricht noch zum Schluss: Klimafreundlichere Landwirtschaft und damit auch Ernährung - das geht mit Genuss. Tipps für eine Umstellung auf ökologische Ernährung gibt es hier. Gesünder ist diese nebenbei ebenfalls. Die rund 60 Kilogramm Fleisch, die Deutsche trotz leicht rückläufigem Trend noch immer jährlich verspeisen, sind fast doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.. Ein größerer Anteil von pflanzenbasierten Produkten, dazu regional und ökologisch erzeugt ist besser für die Gesundheit, für die Artenvielfalt - und für das Klima. Greenpeace setzt sich deshalb auch im Bereich der öffentlichen Verpflegung für eine Umstellung auf eine umweltfreundlicheres Angebot in Kantinen ein - mit mehr Bio und weniger Billigfleisch. Das schmeckt auch dem Klima.

Stand: Januar 2020

Tags:

Mehr zum Thema

Fleisch: bessere Steuerung

Wer Billigfleisch konsumiert, zahlt nicht den Preis für die Umweltschäden. Abgaben auf Fleisch könnten diese Fehlsteuerung korrigieren, belegt eine neue Studie. 

Mitmachen