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Morbacher Energielandschaft, Mai 2008
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

Netz kurz vor dem Zusammenbruch

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Verantwortlich für die brisante Situation waren Medienberichten zufolge die obersten Stromhändler, die sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen. Sie kaufen unter anderem für Stromhändler und Industrieunternehmen den Strom ein. Anhand von berechneten Prognosen der Netzbetreiber ermitteln sie die Menge, die ihre Kunden voraussichtlich brauchen. An diesen Prognosen orientieren sich auch die Versorgungsunternehmen, um ausreichend Strom zur Verfügung stellen zu können.

Anfang Februar kam es zu einer unerwarteten Unterversorgung. Die extreme Kälte hatte vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland zu einer Rekordnachfrage geführt. Strom wurde knapp, der Preis schnellte in die Höhe. Zeitgleich rechneten die Händler den Bedarf ihrer Kunden herunter, vermutlich um die hohen Kosten zu vermeiden. Auf diese Weise schufen sie eine Versorgungslücke. Diese wurde dann - wie üblich - von Regelkraftwerken geschlossen, die eigens für Engpässe zur Verfügung stehen.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, geschah das offenbar vorsätzlich. Mehrere Insider aus der Branche hätten der Zeitung berichtet, dass es um Profitmaximierung ging. Die Bundesnetzagentur untersucht den Vorfall.

Sven Teske, Energiefachmann bei Greenpeace, fordert nicht nur eine gründliche Untersuchung sondern auch Konsequenzen. Die Verantwortlichen müssten belangt werden. Das ist kein Kavaliersdelikt. Hier geht es um das 'Lebenselixier' der modernen Gesellschaft. Ohne Strom läuft heute fast nichts mehr. Stromhändler haben deswegen eine hohe Verantwortung.

Atomausstieg spielte keine Rolle

Dass Anfang Februar vor allem im Nachbarland Frankreich der Strom gefährlich knapp wurde, ist kein Zufall. Die französischen Bürger sind Opfer einer langjährigen verfehlten Energiepolitik, die darauf setzt, schlecht gedämmte Wohnhäuser mit ineffizienten Elektroheizungen mit Strom aus Atomkraftwerken zu versorgen.

Deutschland hat trotz Atomausstiegs nicht nur den kältebedingten Mehrbedarf gut verkraftet. Es hat darüber hinaus in den vergangenen Tagen viel Solar- und Windstrom nach Frankreich exportiert. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien kann also nicht nur die abgeschalteten Atomkraftwerke ersetzen, sondern lässt sogar noch einen Stromexport zu.

Damit ist ein Märchen der Atomlobby eindrucksvoll widerlegt. Sie geht in einem ihrer erfundenen Horrorszenarien davon aus, dass ohne Atomstrom die Lichter ausgehen und Erneuerbare Energien zu unzuverlässig sind, um das Defizit auszugleichen.

Die Welt schaut derzeit auf Deutschland: Atomkraftgegner möchten aus unserer Energiewende für ihr eigenes Land lernen - das birgt übrigens auch wirtschaftliche Chancen für umweltfreundliche Technologien, so Teske.

Der Wunsch nach dem Engpass

In dieser Situation mag sich manch ein Atomkraftbefürworter einen "vernünftigen Blackout" wünschen. Er wäre eine empfindliche Niederlage für die Erneuerbare Energien-Branche. Sie hat in den vergangenen 15 Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten den weltweiten Markt für neue Kraftwerke zu rund zwei Dritteln übernommen. Atomkraftwerke sind derzeit eher eine Lebensanschauung denn ein Markt, sagt Teske.

Nun bekommt die Atomlobby - freiwillig oder unfreiwillig - Hilfe von Stromhändlern, die schlicht und ergreifend aus Gier die Stromversorgung eines ganzen Landes aufs Spiel setzen.

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