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Gordon Welters / Greenpeace

Streit zwischen Brandenburg und Berlin um neue Braunkohletagebaue

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Umweltschützer platzierten im Berliner Rathaus einen 50 mal 50 Zentimeter großen, mit Wasser gefüllten Glaswürfel. Er ist für Bürgermeister Michael Müller (SPD) – der Inhalt wird ihn nicht begeistern. Denn das Wasser stammt aus den Spreezuflüssen rund um den von Vattenfall betriebenen Tagebau Welzow-Süd I – und es ist stark mit Sulfat belastet. Greenpeace-Aktivisten hatten es vergangene Woche bei Messungen in der Lausitz entnommen. Dabei wurden Sulfatwerte bis zu 847 Milligramm pro Liter festgestellt – 12 der 16 Proben enthielten mehr als 800 Milligramm. In der Wasserrechtlichen Erlaubnis für Vattenfall ging die zuständige Behörde in Brandenburg im Jahr 2008 noch von einer maximalen Belastung von bis zu 600 Milligramm aus.  

Verantwortlich für diese Verunreinigung ist der Braunkohletageabbau – durch ihn gelangen die Schwefelverbindungen über Bäche in die Spree. Da der Fluss eine wichtige Quelle für die Berliner Wasserwerke ist, sind auch diese alarmiert: Die Qualität des Trinkwassers ist bedroht. Und die Belastung wird weiter zunehmen.

Problem beschäftigt  Spitzenpolitiker

Denn das Land Brandenburg will mit Welzow-Süd II ein weiteres Gebiet für den Abbau von Braunkohle freigeben. Das bedeutet noch mehr Sulfateinleitungen aus den Grubenwässern. „Berlin kämpft schon heute um seine Trinkwasserqualität. Es ist absurd, dass nun noch mehr Belastungen durch neue Braunkohletagebaue in Kauf genommen werden“, sagt Niklas Schinerl, Experte für Energie bei Greenpeace.

Deshalb fordern die Aktivisten im Roten Rathaus mit einem Banner „Unser Trinkwasser retten! Braunkohle stoppen“. Und das nicht das erste Mal. Greenpeace hat in den vergangenen Monaten wiederholt Proben genommen und die Politik aufgefordert, Welzow-Süd II nicht zu genehmigen. Vielleicht ist der Tagesordnungspunkt Braunkohle auf der morgen in Potsdam stattfindenden Landesplanungskonferenz ein Ergebnis davon. Dort wollen der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Bürgermeister Müller das Problem erörtern. Die Positionen sind bekannt: Brandenburg will neue Braunkohletagebaue, Berlin fürchtet um sein Trinkwasser.

Schinerl weiß, was Müller zu tun hat: „Berlin und Brandenburg können die geplanten weiteren Tagebaue in der Lausitz noch stoppen. Michael Müller muss sich dafür einsetzen, sonst zahlen die Berliner die Zeche für den zerstörerischen Braunkohleabbau in Brandenburg.“

Braunkohle: überflüssig und dreckig

Denn Sulfat lässt sich nicht ausfiltern. Den Wasserwerken bleibt daher nur eines: Verdünnen bis die Werte gut sind. Zu viel Sulfat kann vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern, aber auch bei älteren und kranken Menschen zu Durchfall und Erbrechen führen. Es führt darüber hinaus zu verstärkter Korrosion am Beton der Abwasserschächte in der Berliner Kanalisation.

Bereits im Jahr 2012 schlugen die Berliner Wasserwerke Alarm: Sie befürchteten immer teurere Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserqualität. Dabei müsste es dieses Problem gar nicht geben. Denn auch aus Klimaschutzgründen ist der Energieträger Kohle ein Fossil aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Energiewende macht neue Braunkohletagebaue überflüssig. Die Kohle ist also in jeglicher Hinsicht nicht zukunftsfähig - weder als Energieträger noch für die Qualität des Trinkwassers.

  • Greenpeace-Aktivisten messen mit einem Schnelltest die Sulfatbelastung der Spree.

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