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Windkraftanlage im Rheinischen Braunkohlerevier
© Bernd Lauter / Greenpeace

Ausbau der Windenergie: Behörde räumt Fehler ein

Mit einer fehlerhaften Studie wird seit 16 Jahren Stimmung gegen den Ausbau der Windenergie gemacht. Doch der vermeintlich hohe Infraschallpegel von Windrädern ist ein Mythos.

Eine Behörde als Stichwortgeber von Windkraftgegner:innen. Ein Rechenfehler um den Faktor 4000, an dem trotz Kritik über 16 Jahre lang festgehalten wird. Eine Entschuldigung, die lautlos verhallt. Im Mittelpunkt dieses Skandals um das Ausbremsen der Windenergie steht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, die Fachbehörde des Wirtschaftsministeriums. 

Eigentlich ist es die Aufgabe von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), den Ausbau der Windenergie zu fördern. Doch in den letzten Jahren geriet der Ausbau ins Stocken. Langwierige Genehmigungsverfahren, bürokratische Hürden und eine im Wirtschaftsministerium angezettelte unsägliche Debatte über Abstandsregelungen verhinderten den Ausbau. Dazu kamen Bürgerproteste, die sich auf die angeblich gesundheitsschädliche Wirkung von Infraschall durchWindkraftanlagen beriefen. Zentrales Argument: eine Studie der BGR aus dem Jahr 2005, die angeblich hohe Infraschallpegel von Windkraftanlagen aufzeigte.

Anfang des Jahres musste die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bei dieser von Windkraftgegner:innen oft zitierten Studie systematische Fehler einräumen. Über die lange Zeit von 16 Jahren hielt die Behörde an ihren Falschbehauptungen fest und lieferte auf diese Weise Windkraftgegnern Munition für ihre Kampagnen gegen den Bau von Windkraftanlagen.

  • Doch die Behauptung, Windkraftanlagen würden eine hohe Belastung durch Infraschall verursachen, stimmt nicht! Den Mitarbeiter:innen der BGR war bei der Umrechnung des Drucksignals in Schalldruckpegel ein schwerwiegender Rechenfehler unterlaufen. Eine fehlerhafte Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte den Schalldruckpegel von Infraschall von Windkraftanlagen über ein Jahrzehnt lang fälschlicherweise um 36 Dezibel zu hoch angegeben. In Schallleistung entspricht dies einem Faktor 4.000.

    Fakt ist: Der direkte Vergleich von Windkraft-Infraschall mit anderen technischen und natürlichen Quellen (zum Beispiel Stürmen oder Autos) zeigt, dass Infraschall von Windrädern viel geringer ist. Eine dreieinhalbstündige-Autofahrt entspricht energetisch der Infraschall-Belastung eines Menschen, der 27 Jahre lang im Abstand von 300 Metern neben einer gewöhnlichen Windkraftanlage wohnt.

     
  • Auch die Behauptung, man müsse sehr weit von Windrädern entfernt sein, um den Infraschall nicht mehr wahrzunehmen, ist falsch. Eine Untersuchung der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg stellte fest, dass bei sechs Windkraftanlagen im mittleren Leistungsbereich (rund 2-3 Megawatt) der Schalldruckpegel im Infraschallbereich bereits in einer Entfernung von rund 150 Metern deutlich unterhalb der Wahrnehmungsgrenze des Menschen liegt.

Gelder von der industrienahen Hans-Joachim-Martini-Stiftung

Dass die BGR als zentrale Forschungs- und Beratungseinrichtung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier über Jahre haarsträubenden Unsinn über Infraschall von Windkraftanlagen verbreitet, ist nur ein Fall von einer ganzen Reihe von fachlich fragwürdigen Aussagen der Geowissenschaftler. Die BGR veröffentlichte klimaskeptische Thesen, fiel mit besonders industrienahen Positionen auf und galt als „Quertreiber der Wissenschaft“. Gesponsert von der industrienahen Hans-Joachim-Martini-Stiftung machte sich die BGR wiederholt zum Stichwortgeber der Klimaleugner:innen und Energiewende-Gegner:innen.

Die inzwischen aufgelöste Stiftung fungierte als Scharnier zwischen der fossilen Industrie und industrienahen Wissenschaftler:innen, die abseitige Thesen zu unbequemen Wahrheiten verbreiteten. Die Hans-Joachim-Martini-Stiftung unterstützte die industrienahen Forscher:innen finanziell. So verweisen viele Klimaleugner:innen bis heute auf die wissenschaftlich unhaltbaren Publikationen der BGR. Mit der falsch berechneten Ausbreitung von Infraschall wiederholt sich jetzt das gleiche unwürdige Schauspiel. Die Anti-Windkraftlobby zitiert weiter die falschen Daten der BGR, ohne auf den eklatanten Rechenfehler hinzuweisen. 

Für “Vernunftkraft”,  “Windwahn” und anderen Gruppen von Windkraftgegnern löst sich mit der fehlerhaften BGR-Studie ein zentrales Pseudo-Argument in Luft auf. Mit den niedrigen, unter der Wahrnehmungsschwelle liegenden Infraschallpegeln lässt sich keine Angst mehr schüren. Die BGR scheint unter dem massiven Einfluss der fossilen Industrie unwillig oder unfähig, sich von ihren Falschbehauptungen zu distanzieren, wie es unter seriösen Forscher:innen üblich wäre. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bedauerte zwar die fehlerhaften Berechnungen mit dem Satz “Es tut mir sehr leid, dass falsche Zahlen über einen langen Zeitraum im Raum standen”; eine sachliche Aufklärungskampagne zum Thema Infraschall, um die Akzeptanz der Windenergie zu erhöhen, lehnt das Ministerium aber ab. 

So wird das Ministerium, das die Transformation unseres Energiesystems von fossilen Energieträgern zu klimafreundlichen Erneuerbaren Energien voranbringen soll, zum Bremser der Energiewende. 

BGR, Windkraftgegner und die Hans-Joachim-Martini-Stiftung.pdf

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