Skip to main content
Jetzt spenden
Projektion für mehr Solarförderung am Reichstag in Berlin, März 2012
Andreas Schoelzel / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Läutet der Bundestag das Ende einer Erfolgsgeschichte in Deutschland ein? Die geplante Kürzung der Förderung für Solarenergie gefährdet nicht nur die Umwelt, sondern auch einen ganzen Wirtschaftszweig. Unter dem Motto Solarenergie dem deutschen Volke protestierten Greenpeace-Aktivisten heute in Berlin gegen das Vorhaben.

Die Neuregelungen für die Förderung von Solarstrom in Deutschland wurden bereits am 23. Februar veröffentlicht. Das Ergebnispapier stammt von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Anlass für den heutigen Protest von Greenpeace ist die erste Lesung der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) im Bundestag. Für die Aktion ergänzten die Aktivisten mit einer Projektion die Widmung „Dem Deutschen Volke“ um das Wort „Solarenergie“.

Röttgen und Rösler wollen die Sonnenfinsternis für Deutschland, sagt Tobias Münchmeyer, Energieexperte bei Greenpeace. Der Bundestag darf das nicht zulassen. Das Bundeskabinett unter Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmte den vorgeschlagenen Neuregelungen am 29. Ferbuar zu. In Zukunft soll die Förderung von Großanlagen um 30 Prozent und die von kleinen und mittleren Anlagen um 20 Prozent gekürzt werden. Geplant ist außerdem, den erzeugten Solarstrom nur noch zu 90 Prozent zu vergüten.

Ziele der Energiewende werden mit der Neuregelung unerreichbar

Greenpeace hat errechnet, dass eine Kürzung der Einspeisevergütung um 15 Prozent noch zu verkraften wäre. Eine Kürzung um 30 beziehungsweise 20 Prozent geht deutlich zu weit. Diese Neuregelung kommt einem Installationsverbot für in Deutschland hergestellte Solaranlagen gleich und schadet damit nicht nur der Umwelt, sondern auch der deutschen Wirtschaft, so Münchmeyer. Sollten außerdem nur noch 90 Prozent des erzeugten Solarstroms vergütet werden, gäbe es keine Anreize mehr für das Installieren möglichst effizienter Anlagen.

Bis 2020 sollen die Erneuerbaren Energien 35 Prozent des Stromverbrauchs decken. So das im letzten Sommer beschlossene Ziel zur Energiewende. Die dazugehörige BMU-Leitstudie Basisszenario 2010 A nennt als Ziel bis 2020, dass für die Stromerzeugung 43,9 Terrawattstunden TWh pro Jahr aus Photovoltaik stammen. 2010 lag der Anteil von Photovoltaik bei 11,7 TWh. Das bedeutet also eine Vervierfachung dieses Wertes in den nächsten acht Jahren. Mit der geplanten Neuregelung würde dieses Ziel unerreichbar.

130.000 Arbeitsplätze gibt es in der deutschen Solarindustrie, viele davon in den Bereichen Projektion und Installation. Sie tragen erheblich zur Wertschöpfung und Finanzierung von oftmals strukturschwachen Kommunen und Regionen bei. Die geplanten Kürzungen würden das Investitionsklima in der Branche dauerhaft verschlechtern, weil sie unerwartet und kurzfristig kommen. Diese Solar-Kürzung gefährdet den Erfolg der Energiewende, so Münchmeyers Fazit.

Mehr zum Thema

Anti-Atom-Protest bei der CSU in München

Energiewende in Bayern

  • 05.04.2023

Die Energiewende könnte Bayern günstigen und klimafreundlichen Strom bringen und den Wirtschaftsstandort sichern. Doch seit Jahren arbeitet die Staatsregierung gegen den Ausbau der Windkraft.

mehr erfahren
Windpark bei Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern

Windkraft

  • 04.04.2023

Windkraft – zweitliebste Energieform in Deutschland. Sie spielt beim grundlegenden Umbau der deutschen Energieversorgung sowohl an Land als auch auf dem Meer eine herausragende Rolle.

mehr erfahren
Licht fällt aus einem Dachfenster

Wärmewende

  • 23.02.2023

Auch Gebäudewärme muss schnell klimaneutral erzeugt werden, wollen wir die Klimaziele schaffen und unabhängig vom Import fossiler Energien werden. Eine Wärmewende muss her, und Greenpeace sagt, wie.

mehr erfahren
Sonnenblume und Windmühle in der Nähe von Wismar in Brandenburg.

Ökostromanbieter

  • 16.12.2022

Wie finde ich den richtigen Stromanbieter? Diese Frage stellen sich viele. Denn Stromgewinnung aus fossiler Energie schädigt das Klima und die Umwelt.

mehr erfahren
Heavy Rain Disaster in Southwest Germany

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

  • 15.07.2022

Im Juli 2021 erlebte das Ahrtal eine beispiellose Flut, die viele Todesopfer forderte. Rainer Doemen hat die Katastrophe erlebt und setzt sich für einen nachhaltigen Wiederaufbau der Region ein.

mehr erfahren
Arbeiter installieren Photovoltaikanlage auf Dach vor Reichstag in Berlin

Viel hilft viel

  • 21.10.2021

Die älteste Leier der deutschen Klimapolitik? „Man darf die Wirtschaft nicht überfordern.“ Nun zeigt eine Greenpeace-Studie: Mehr Klimaschutz schafft Jobs und Wachstum.

mehr erfahren