Skip to main content
Jetzt spenden
Offshore-Windanlage "Baltic One" in der Ostsee
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

EU-Kommission stellt Energierichtlinien für Europa vor

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

„Winterpaket“ – das klingt ein wenig nach besinnlicher Jahreszeit und Weihnachtsgeschenk. Und tatsächlich birgt das heute von der EU-Kommission veröffentlichte Maßnahmenbündel zur Zukunft der Energiewende einige Überraschungen – fürs Klima sind die allerdings alles andere als angenehm.

Denn das Paket klingt wie die Wunschliste der Kohleindustrie: Der Ausbau der Erneuerbaren soll erschwert, bewährte Fördermechanismen verboten und Kohlekraftwerke künftig subventioniert werden, auch wenn sie gar keinen Strom mehr liefern. „Das Paket legt die deutsche Energiewende in Ketten und tritt das Pariser Klimaabkommen mit Füßen“, sagt Niklas Schinerl, Greenpeace-Experte für Energie „Die noch immer mächtige Kohle- und Atomlobby will sich mit Kapazitätsmärkten eine Lebensversicherung für ihre schmutzigen und gefährlichen Meiler erschleichen.“

Erneuerbare ausgebremst

Denn das Winterpaket setzt den europäischen Rahmen für die Förderung Erneuerbarer Energien, Kapazitätsreserven für Kohlekraftwerke sowie den zukünftigen Strommarkt. Es hat dadurch weitreichende Folgen auch für die deutsche Energiepolitik. So soll etwa der Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien, wie er bislang im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen ist, abgeschafft werden.

Das Ziel des Einspeisevorrangs: Erzeugen Sonne und Wind genug Strom, könnten die schmutzen Kohlekraftwerke zurückgefahren werden. Doch genau das soll nun nicht mehr gelten. Künftig sollen nun ganz offiziell Windparks abgeschalten werden, während Kohlekraftwerke weiterlaufen dürfen. „Ein solches Energiepaket bringt Deutschland um die Früchte der Energiewende“, so Schinerl. „ Es gibt der Kohleindustrie freies Geleit für die Zerstörung des Klimas.“

Energiewende in Gefahr

Zudem macht das Winterpaket garantierte Einspeisevergütungen für Erneuerbare – wir kennen sie als Ökostromumlage – in vielen Ländern nahezu unmöglich. Damit wird die Energiewende in Europa gefährdet. In Deutschland etwa wäre der Ausbau der Erneuerbaren ohne Ökostromumlage nie in der notwendigen Geschwindigkeit vorangekommen. Sie war der Garant dafür, dass sich mehr als eine Million Menschen an der Energiewende beteiligt haben. Durch sie konnten Stadtwerke, Landwirte, Bürger, Genossenschaften in den Ausbau der Erneuerbaren investieren und die Wende voranbringen. Sie galt lange als Vorbild für andere Staaten – durch das Winterpaket der EU-Kommission wird sie beinahe unmöglich.

Besser geht es hier der Kohleindustrie: Alte Kohlekraftwerke, die am Strommarkt nicht mehr rentabel sind, sollen künftig als Reserve bereitgehalten werden, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom bringen. So sinnvoll Reservekapazitäten sind, sollten diese jedoch auf die Klimaschutzziele ausgerichtet sein. Doch für diese Reserve gelten vorerst keine Klimaschutzbestimmungen. Nicht das sauberste Kraftwerk soll bereitgestellt werden, sondern das billigste. Egal wie sehr das Klima darunter leidet.

Und so entpuppt sich das Winterpaket der EU-Kommission also als böses Geschenk. Denn fürs Klima bedeuten die beschlossenen Maßnahmen vor allem eins: frostige Zeiten.

Mehr zum Thema

Anti-Atom-Protest bei der CSU in München

Energiewende in Bayern

  • 05.04.2023

Die Energiewende könnte Bayern günstigen und klimafreundlichen Strom bringen und den Wirtschaftsstandort sichern. Doch seit Jahren arbeitet die Staatsregierung gegen den Ausbau der Windkraft.

mehr erfahren
Windpark bei Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern

Windkraft

  • 04.04.2023

Windkraft – zweitliebste Energieform in Deutschland. Sie spielt beim grundlegenden Umbau der deutschen Energieversorgung sowohl an Land als auch auf dem Meer eine herausragende Rolle.

mehr erfahren
Licht fällt aus einem Dachfenster

Wärmewende

  • 23.02.2023

Auch Gebäudewärme muss schnell klimaneutral erzeugt werden, wollen wir die Klimaziele schaffen und unabhängig vom Import fossiler Energien werden. Eine Wärmewende muss her, und Greenpeace sagt, wie.

mehr erfahren
Sonnenblume und Windmühle in der Nähe von Wismar in Brandenburg.

Ökostromanbieter

  • 16.12.2022

Wie finde ich den richtigen Stromanbieter? Diese Frage stellen sich viele. Denn Stromgewinnung aus fossiler Energie schädigt das Klima und die Umwelt.

mehr erfahren
Heavy Rain Disaster in Southwest Germany

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

  • 15.07.2022

Im Juli 2021 erlebte das Ahrtal eine beispiellose Flut, die viele Todesopfer forderte. Rainer Doemen hat die Katastrophe erlebt und setzt sich für einen nachhaltigen Wiederaufbau der Region ein.

mehr erfahren
Arbeiter installieren Photovoltaikanlage auf Dach vor Reichstag in Berlin

Viel hilft viel

  • 21.10.2021

Die älteste Leier der deutschen Klimapolitik? „Man darf die Wirtschaft nicht überfordern.“ Nun zeigt eine Greenpeace-Studie: Mehr Klimaschutz schafft Jobs und Wachstum.

mehr erfahren