Skip to main content
Jetzt spenden
Berlin: Strahlendes Symbol für die Energiewende!
© Greenpeace

Start der Kohlekommission: Umweltschützer fordern mehr Erneuerbare Energien

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Ein bisschen zusätzlichen Sonnenschein verträgt der Berliner Sommer immer: Greenpeace-Aktivisten verwandelten heute Morgen den Kreisverkehr um die Siegessäule in ein riesiges Sonnensymbol – unter Verwendung von rund 3500 Litern umweltfreundlicher Farbe*, selbstverständlich abwaschbar. Das Bild ähnelt dem, das die französischen Kollegen 2015 am Pariser Triumphbogen schon einmal inszenierten.

Damals richtete sich der Appell an die Unterzeichner des historischen Klimaabkommens: Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien! Die Adressaten sind heute Morgen spezieller, aber die Aussage ist weiterhin so gut wie richtig – und nötig: Der neue Anstrich im Berliner Straßenverkehr ist ein farbenfroher Gruß in Richtung der Kohlekommission, die heute ihre Arbeit aufnimmt – unter Mitwirkung von Greenpeace.

Deutschland läuft seinen Zielen hinterher

Trotz der freundlichen Symbolik ist der Hintergrund sehr ernst: Deutschland hat den Ausstieg aus der Kohleenergie verschlafen und hechelt jetzt seinen Klimazielen hinterher. Die Kohlekommission soll nun klären, wie Deutschland bis zum Jahr 2020 so viel Kohlenstoffdioxid einsparen kann, dass es wieder auf Kurs ist und innerhalb der Leitplanken des Pariser Klimaabkommens bleibt. Ursprünglich geplant war von der Bundesregierung eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 – ohne weitreichende Maßnahmen läuft es eher auf 32 Prozent hinaus.

“Weitreichende Maßnahmen“ bedeutet im Grunde: Die deutschen Kohlekraftwerke müssen vom Netz. Wie das machbar ist, unter Berücksichtigung aller sozialen und wirtschaftlichen Wägbarkeiten, erarbeitet in den kommenden Monaten die Kohlekommission. Ob es machbar ist, steht außer Frage: Eine Analyse des Beratungsinstituts Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace zeigt, dass rund ein Drittel der deutschen Kohlekraftwerke mit insgesamt 17 Gigawatt Kapazität innerhalb von drei Jahren vom Netz gehen könnten. Die Versorgungssicherheit bliebe gewährleistet, der deutsche CO2-Ausstoß aber würde bis 2020 um 88 Millionen Tonnen sinken.

Nur so kann Deutschland seinen Beitrag leisten, die fortschreitende Erderhitzung unter den kritischen 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu belassen. Eine der dringlichsten Aufgaben der Kommission wird darum sein, endlich einen verbindlichen – und vernünftigen – Termin für den Kohleausstieg festzulegen. „Die Kohlekommission gibt den betroffenen Menschen und Investoren nur dann die nötige Planungssicherheit, wenn sie ein Enddatum festlegt, mit dem Deutschland seine Klimaziele nachweislich erreicht“, sagt Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven.

Klimawandel ist auch hier angekommen

Die Kohleindustrie ist auf dem absteigenden Ast, die noch verbliebenen Arbeitsplätze müssen möglichst schnell bei den Erneuerbaren Energien unterkommen, einer Branche, die unverdrossen weiter wächst. Denn es geht um mehr als einen aussterbenden Industriezweig: Wetterextreme wie Starkregen, Stürme und anhaltende Trockenzeiten treten immer häufiger auf, richten Millionenschäden an und zeigen, dass der menschengemachte Klimawandel längst auch in Deutschland zu spüren ist.

In der Bevölkerung ist bereits angekommen, womit sich die Bundesregierung schwer tut: Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe ist zu Ende. Die Mehrheit spricht sich für einen raschen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung und einen schnellen Umstieg auf Erneuerbare Energien aus – auch wenn es sie womöglich etwas teurer käme. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Universität St. Gallen. „Der verschleppte Kohleausstieg ruiniert Deutschlands Klimabilanz und bremst die Modernisierung unseres Energiesystems hin zu Solar- und Windkraft“, sagt Christoph von Lieven. Dagegen haben Greenpeace-Aktivisten heute Morgen ein positives, sonnengelbes Zeichen gesetzt.

* Zur verwendeten Farbe:

Bei der Aktion wurde ein Gemisch aus Wasser (3500 Liter), Goldocker (125kg Pigment), Spinellgelb (250kg Pigment), Kreide (350 kg) und Zellulose (30kg) verwendet. Die daraus gemischte Farbe ist abwaschbar.

Spinell, Ocker und Kreide sind mineralische Rohstoffe. Ocker beispielsweise ist Eisen(III)-Oxidhydroxid, ein harmloser Stoff nach Wasserrahmenrichtlinie ohne Grenzwert. Spinell ist ein natürlich vorkommendes Mineral. Es ist gesundheitlich unbedenklich und deshalb unter anderem als Farbstoff für Kinderspielzeug zugelassen. Methylzellulose ist ein als E461 zugelassenes Verdickungsmittel in der Lebensmittelindustrie.

In Sicherheitsdatenblättern von Farbherstellern findet sich gelegentlich der Hinweis, dass Ökofarben nicht in die Kanalisation gelangen sollen. Der Grund hierfür ist, dass die Pigmente unlöslich sind und in hohen Mengen Abflussrohre zum Beispiel von Waschbecken eventuell verstopfen oder verschlammen können. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die in Berlin verwendete Farbe ökologisch und damit harmlos für die Umwelt ist.

  • Verteilen der Farbe vom Heck eines Lieferwagens

    Kunst am Kreisel

    Überspringe die Bildergalerie
  • Ausbringen der Farbe mit einem Fahrradanhänger

    Malen mit Pedalen

    Überspringe die Bildergalerie
  • Aktivisten mit Schrubbern beim Ausbringen der Farbe

    Gelber Gruß an die Kohlekommission

    Überspringe die Bildergalerie
  • Autos im Kreisverkehr, Siegessäule im Hintergrund, gelber Asphalt

    Farbige Fahrbahn

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

“Scholz, pack das an!”

  • 10.11.2021

Zum Endspurt der Koalitionsverhandlungen demonstrieren Greenpeace-Aktive mit Katastrophen-Schutt für eine stärkere Rolle der SPD im Klimaschutz

mehr erfahren
Arbeiter installieren Photovoltaikanlage auf Dach vor Reichstag in Berlin

Viel hilft viel

  • 22.10.2021

Die älteste Leier der deutschen Klimapolitik? „Man darf die Wirtschaft nicht überfordern.“ Nun zeigt eine Greenpeace-Studie: Mehr Klimaschutz schafft Jobs und Wachstum. 

mehr erfahren

Vor der Jahrhundertaufgabe

  • 18.10.2021

Nie gab es bei Klima- und Artenschutz so viel zu tun. Aktivist:innen erinnern die Verhandelnden der Ampelkoalition an ihre historische Verantwortung.

mehr erfahren
Windenergie in Sachsen-Anhalt

Ökostromanbieter

  • 13.10.2021

Greenpeace setzt sich nicht nur mit Worten sondern auch mit ganz konkreten Taten für den Klimaschutz ein. Seit 1999 beweist die Genossenschaft Green Planet Energy: Sauberer Strom ohne Atom und Kohle ist möglich! Und zwar wirtschaftlich und zuverlässig. 2016 ist Green Planet Energy mit mehr als 23.000 Mitgliedern die größte Energie-Genossenschaft Deutschlands und beliefert über 112.000 Kunden mit sauberem Strom.

mehr erfahren
Lisa Göldner, Energie-Expertin bei Greenpeace

“Vorrang für Mensch und Klima”

  • 27.09.2021

Für die Bundestagswahl waren Klimaschutzthemen so präsent wie lange nicht - und doch noch nicht präsent genug. Interview mit Klimaexpertin Lisa Göldner.

mehr erfahren
Greenpeace-Aktivisten schwimmen mit Banner und Gepäck zur Ölplattform

Mut gegen Klimawahnsinn

  • 24.09.2021

Vier Aktivist*innen haben eine Ölplattform besetzt. Sie fordern, jede weitere Ausbeutung von Öl und Gas sofort zu stoppen. Offshore-Wind statt Öl ist ihre Devise gegen Klimakrise.

mehr erfahren