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Trauermarsch zum Tokaimura-Atomunfall Gedenktag, September 2009
Oliver Soulas / Greenpeace

Gefahren der Atomkraft

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Es gibt mehr als genug ungelöste Probleme, die gegen die Atomkraft sprechen: Reaktorunfälle, gefährliche Transporte, wachsende strahlende Müllberge, die Weiterverbreitung der Atombombentechnologie sowie die Gefahr terroristischer Anschläge.

Technisch und wirtschaftlich ist die Atomenergie weltweit ein Auslaufmodell, Uran ein begrenzter Rohstoff wie Öl und Gas. Wenn heute von einer Renaissance der Atomkraft in einigen Ländern die Rede ist, wird gern verschwiegen, dass das nur mit staatlicher Unterstützung in Märkten, in denen kaum Wettbewerb herrscht, oder mit Dumpingpreisen funktioniert.

Inhalt:

Risiko ohne GrenzenDie stille VerseuchungMit Beelzebub gegen den TeufelWie Atomkraft die Kohle rettetDie Alternativen: Effizienz und Nachhaltigkeit

Risiko ohne Grenzen

Weltweit erzeugen über 430 Reaktoren Strom. Atomenergie hat einen Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch von etwa sechs Prozent, Tendenz sinkend. Allein in den deutschen Reaktoren gab es bisher jedes Jahr etwa 140 meldepflichtige Ereignisse: ein explodiertes Rohr im Atomkraftwerk Brunsbüttel im Dezember 2001, ausgelaufenes radioaktiv kontaminiertes Wasser im Atomkraftwerk Philippsburg im April 2004, Notstromausfall im Atomkraftwerk Biblis im Februar 2004 - nur drei Beispiele.

Weltweit ereignen sich täglich Zwischenfälle in Atomreaktoren - Zwischenfälle, die in jedem Kraftwerk ärgerlich wären, bei einem Atomkraftwerk aber potenziell unabsehbare Folgen haben können. Ein tragisches Beispiel dafür ist die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986, die sich in einem Reaktortyp ereignete, der zuvor (auch in der internationalen Fachpresse) als besonders sicher bezeichnet wurde.

Die stille Verseuchung

Viele Freisetzungen von Radioaktivität sind verhältnismäßig still vonstatten gegangen. Sei es durch Unfälle oder einfach nur durch den täglichen Betrieb von Atomkomplexen (wie Hanford in den USA oder Majak und Tomsk-7 in Russland). Oder durch die Wiederaufarbeitungsanlagen für abgebrannte Brennelemente (Sellafield in England oder La Hague in Frankreich).

Neben der nicht zu gewährleistenden Sicherheit der Atomtechnik und der kaum kontrollierbaren Verbreitung von atomwaffenfähigem Material steht das dritte große Problem der Atomenergie: der Atommüll, der zwangsläufig beim Betrieb eines Atomkraftwerks entsteht. Hätten die ersten Menschen auf dem europäischen Kontinent Atomkraftwerke gehabt, wir müssten ihren Müll heute immer noch sicher von der Umwelt abschirmen. Wie sie uns das wohl mitgeteilt hätten?

Mit Beelzebub gegen den Teufel

Wie steht es um das klimarettende Potenzial der Atomenergie? Hauptverursacher des Klimawandels ist Kohlendioxid. Wann immer fossile Energieträger verbrannt werden, wird CO2 in die Erdatmosphäre freigesetzt. Etwa 80 Prozent der zurzeit eingesetzten Primärenergie sind fossiler Natur (Erdöl, Kohle, Erdgas). Uran, in Atomkraftwerken eingesetzt, hat einen Primärenergieanteil von sechs Prozent. Und es ist, wie fossile Energieträger auch, endlich. Allein beim Weiterbetrieb der aktuell laufenden Meiler reicht Uran nur noch etwa 65 Jahre (Basis: Zahlen der OECD).

Auf Wunsch der CDU/CSU ließ die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages 2002 ein nationales nukleares Klimaschutz-Szenario durchrechnenn. Ergebnis: Bis 2050 hätten in Deutschland etwa 60 neue Atomkraftwerke gebaut werden müssen. Das wäre nicht nur unbezahlbar (die französische Regierung veranschlagt für den Neubau eines Atomkraftwerks mit 1,5 Gigawatt Leistung zurzeit rund 3,5 Milliarden Euro), sondern auch praktisch nicht machbar gewesen. Amory Lovins, amerikanischer Energieexperte und Träger des Alternativen Nobelpreises, stellt heraus, dass Atomtechnologie nur noch in Ländern mit einer staatlichen Wirtschaftsplanung geordert werde. Privates Risikokapital scheue die hohen Kosten und Risiken.

Um das Klima zu schützen, wird ein Umbau der Energieversorgungsstruktur notwendig - hin zu einem dezentraleren, hoch effizienten, schnell zu regelnden und intelligenten Kraftwerkspark. Ein Atomkraftwerk läuft Tag und Nacht, es ist kaum regelbar, es liefert permanent große Mengen an elektrischer Energie. Deshalb ist der Einsatz auf den Anteil des Stromverbrauchs beschränkt, der gleichmäßig nachgefragt wird. Um einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können, müssten die Reaktoren nicht nur als Grundlast-, sondern auch als Mittellast-Kraftwerke betrieben werden können. Für diesen Bereich sind sie nicht geeignet.

Wie Atomkraft die Kohle rettet

In Deutschland hieß es, längere Laufzeiten von Atomkraftwerken würden der Wirtschaft Zeit und Geld verschaffen, die Abhängigkeit vom Rohöl zu lockern. Auch hieß es, dass dann die Strompreise sinken würden. Heute sollen die Strompreise angeblich durch den Atomausstieg steigen.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Betrieb von Atomkraftwerken blockiert die gerade in Gang gekommene Modernisierung der Energiewirtschaft. Die Atomkraft verschlimmert damit letztlich das Problem des Klimawandels. Der Modernisierungsdruck ist der Motor für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Erschließung der enormen Effizienzpotenziale.

Die Alternativen: Effizienz und Nachhaltigkeit

Die klimaschonendste Energiequelle ist die Vermeidung von Energieverschwendung, sprich: die Energieeffizienz. Riesige Einsparpotenziale, die sich aus Verlusten bei der Energieerzeugung und -übertragung ergeben, liegen zurzeit brach. Im Gegensatz zu nuklear und fossil befeuerten Großkraftwerken können beispielsweise Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen den eingesetzten Brennstoff fast vollständig in Nutzenergie umsetzen. Erneuerbare Energien (wie Geothermie, Wind, Sonne, Wasser und Biomasse) haben fast keine Treibhausgasemissionen, sie sind unerschöpflich und auf lange Sicht die einzige Option.

Risiko Atomkraft. Warum der Ausstieg aus der Atomkraft der einzig richtige Weg ist

Risiko Atomkraft. Warum der Ausstieg aus der Atomkraft der einzig richtige Weg ist

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