Verkehrswende

Bewegt euch!

Während Rekordtemperaturen, Waldbrände und Dürre die Sorge vor der Klimakatastrophe befeuern, bewirbt die Autoindustrie ihre neuen Spritfresser und Stadtpanzer. Wir rufen den Klimanotstand aus. Setzen Sie sich mit uns für eine Verkehrswende ein!

Sofort wenden

Die Klimakrise spitzt sich zu. Wir müssen rasch in Bewegung kommen, um auf diesem Planeten künftig gut leben zu können. Leitplanken dafür hat die Politik zu liefern, denn die Autoindustrie setzt immer noch auf Klimakiller mit Verbrennungsmotoren.

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Ihre schweren und durstigen Fahrzeuge vermarktet die Branche erfolgreich: In diesem Jahr werden voraussichtlich erstmals mehr als eine Million SUVs und Geländewagen neu zugelassen – ein knappes Drittel aller neu zugelassenen Pkw. Trotz Klimakrise setzt die Industrie auf Boliden, verspricht Abenteuer im Großstadtdschungel – obwohl dieses bekanntlich nicht selten im Stau endet.

Der Verkehr  verursacht knapp ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen. Der CO2-Ausstoß von Pkw stagniert auf hohem Niveau, obwohl er doch dringender denn je sinken müsste: In Sibirien tauen, von Wissenschaftlern gefürchtet, die Permafrostböden. Island erklärt den ersten Gletscher für tot. Und Deutschlands Landwirtschaft plagt die Dürre. Wir brauchen einen drastischen Wandel.

Eine komplett andere Mobilität

Die Versäumnisse der vergangenen Jahre lassen sich nicht mit vereinzelten Maßnahmen ausgleichen. Dafür ist es zu spät. Der Klimanotstand fordert tiefgreifende Veränderungen, die auf eine komplett andere Mobilität hinauslaufen. Nicht das private Auto, sondern Räder, Füße, geteilte E-Fahrzeuge sowie Bus und Bahn sollten künftig maßgeblich unser Vorwärtskommen prägen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hingegen blockiert notwendige Schritte wie den Ausstieg aus dem Verbrenner oder ein Tempolimit. Stattdessen setzt er auf teure, ökologisch bedenkliche und zudem kaum wirkende Maßnahmen wie alternative Kraftstoffe aus Pflanzen und Strom. „Einen umfassenden Plan lässt der Minister vermissen“, sagt Marion Tiemann, Greenpeace-Expertin für Mobilität. “Seine ziellosen Ideen verstellen den Blick auf das, was nötig ist: eine Verkehrswende. Nur so trägt der Verkehrssektor dazu bei, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.“

Ein Notfallplan

Im Herbst will das Kabinett ein Klimaschutzgesetz beschließen. Was keinerlei Aufschub und Ausflüchte mehr duldet, hat Greenpeace zusammen mit anderen Umweltverbänden in einem Sofortmaßnahmenpaket veröffentlicht. Die Forderungen unter anderem:

  • Keine Neuzulassungen von Diesel und Benzinern ab 2025
  • Bonus-Malus-System, das den Kauf von kleinen, leichten Autos fördert – SUVs und andere Spritschlucker belastet. Streichung falscher Anreize wie die Begünstigung von Diesel, Kerosin und Dienstwagen
  • Verdreifachung der Investitionen in die Bahn (Bislang ist Deutschland mit 77 Euro pro Kopf eines der Schlusslichter in Europa.)
  • Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Zugtickets, Einführung eines 365-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr
  • Tempo 120 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h in Städten

Steigen Sie  um

So kann die Politik den Rahmen setzen – auch für die Bevölkerung. Es muss attraktiv sein, das Auto stehen zu lassen, weil Bus, Bahn oder das Rad die bequeme und günstigere Alternative sind. Sicherlich ist es eine Umstellung, womöglich aber auch ein Weg in ein besseres Leben. Aus Fahrbahnen werden breite Radwege oder Busspuren, aus Parkplätzen werden Spielplätze oder urbane Gärten. Schienenfahrzeuge und Busse kutschieren ihre lesenden Gäste entspannt ans Ziel. Wer Möbel zu transportieren hat, kann sich problemlos ein E-Auto leihen oder erstaunt feststellen, dass das vom Geschäft gestellte Lastenfahrrad alles befördern kann. 

Unterstützen Sie uns auf dem Weg dorthin:

  • Fordern Sie die Autoindustrie zur Umkehr auf und demonstrieren sie mit uns vor der IAA, der Internationalen Automobilausstellung für die Verkehrswende.
  • Plötzlich endende Radwege, gefährliche Kreuzungen, schmale Spuren: viele Wege sind für Radfahrende gefährlich. Auf unserer interaktiven Karte sammeln wir, wo sich dringend was ändern muss. Tragen Sie Ihre Erfahrung ein: radwege.greenpeace.de.
  • Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen. Drei Bauernfamilien verklagen die Bundesregierung wegen unterlassenem Klimaschutz. Unterstützen Sie die Klimaklage.

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Häufig gestellte Fragen

  • Wie schlecht ist die Luft in deutschen Städten?

    Fast jede größere deutsche Stadt hat mit hohen Stickstoffdioxidemissionen (NO2) zu kämpfen. Sie stammen vor allem aus Dieselmotoren. Hohe Belastungen finden sich in der Nähe jeder größeren Straße; das haben Messungen von Greenpeace  gezeigt. NO2 reizt die Atemwege, verstärkt Allergene und kann bei längerer Belastung die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. NO2 führt in Deutschland zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen im Jahr.

  • Was ist unter Verkehrswende zu verstehen?

    Zwei Aspekte sind zentral: 1. Wir müssen die Zahl der Autos auf das Notwendigste minimieren und es Menschen gerade in Städten ermöglichen, schnell und sicher zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn von A nach B zu kommen. 2. Die Fahrzeuge, die wir in der Stadt und auf dem Land noch brauchen, müssen elektrisch, also emissionsfrei, angetrieben werden. So schützen wir das Klima und bekommen saubere Luft. Zur Verkehrswende gehört auch der Umbau des Güterverkehrs: Der muss von der Straße auf die Schiene und ebenfalls emissionsfrei vorankommen.

  • Was ist nötig für diese Verkehrswende?

    In erster Linie braucht es klare Vorgaben und Maßnahmen der Politik: Einen Stopp für Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor bis spätestens 2025 und ein Investitionspaket für ÖPNV, Bahn und Radverkehr, um nur einige zu nennen. Und dann ist auch jeder Einzelne gefragt: Wir alle können dazu beitragen, dass in unseren Städten bessere Luft, mehr Platz, weniger Lärm und neue kreativere Fortbewegungsmittel Vorfahrt bekommen.

  • Gefährdet der Umbau der Mobilität Wirtschaft und Arbeitsplätze?

    Heute werden gut drei Viertel der deutschen Autos exportiert in Länder wie China, Norwegen oder die Niederlande, die sich immer schneller in Richtung E-Mobilität bewegen. Statt vor diesen absehbaren Entwicklungen weiter die Augen zu verschließen, muss die Branche sich mit neuen Modellen schneller als bislang geplant vom Verbrenner verabschieden; die Entwicklung vom reinen Fahrzeughersteller zum Mobilitätsdienstleister ist nötig. Tut sie das nicht, bringt sie mehr Arbeitsplätze in Gefahr, als sie zu schützen vorgibt.

  • Forderungen

    • Fahrverbote für schmutzige Diesel in Städten
    • Keine neuen PKW mit Verbrennungsmotor ab 2025 zulassen
    • Verkehrswende in Städten durch Ausbau des Rad- und öffentlichen Nahverkehrs sowie Umsetzung alternativer Mobilitätskonzepte