Jetzt spenden
The 2200th Vigil against Nuclear in Switzerland
© Greenpeace / Emanuel Büchler

Punktsieg für Bush, Gefahr für den Frieden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Punktsieg für George W. Bush: Nach dem Repräsentantenhaus stimmte auch der US-Senat dem Nuklearabkommen mit Indien zu. Damit endet ein 30-jähriger Boykott und der Atomwaffensperrvertrag wird geschwächt.

Seit 1974, als Indien seine ersten Atombomben testete, haben die USA dem südasiatischen Staat jede Kooperation auf dem Gebiet der Atomtechnologie verweigert. Damit ist es bald vorbei. Im März 2006 unterzeichneten Bush und sein indischer Kollege Manmohan Singh ein Abkommen zur Aufhebung des Boykotts. Im Juli 2006 stimmte das US-Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit der Vereinbarung zu, am Freitag folgte der US-Senat mit 85 zu 12 Stimmen.

Vordergründig geht es um die zivile Nutzung der Atomkraft. Indien plant gewaltige Investitionen, um seine Atomkraftwerke zu modernisieren. Der US-Atomindustrie winkt also ein einträgliches Geschäft. Den Preis bezahlen wir alle. Denn mit ihrem Vorstoß gefährden die USA den Atomwaffensperrvertrag und damit auch unmittelbar den Frieden auf der Welt.

Die USA gehören zur sogenannten Nuclear Supplier Group (NSG), einem Zusammenschluss von Ländern, die Atomtechnologie herstellen. Sie haben sich selbst verpflichtet, bestimmte Arten von Atomtechnologie nur an Staaten zu liefern, die den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben. Indien gehört zu den wenigen Nichtunterzeichnern des Vertrags. Damit die USA Atomtechnologie an Indien liefern können, müssen die internationalen Richtlinien der NSG verändert werden.

Eine solche Änderung unterminiert zwangsläufig auch den ohnehin schon schwachen Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty, NPT). Er trat 1970, zu Zeiten des Kalten Kriegs, in Kraft und verfolgt im Wesentlichen zwei große Ziele: Zum einen verpflichtet er die damaligen Atommächte USA, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China zur Abrüstung ihrer atomaren Waffenarsenale.

Zum anderen verpflichtet er die anderen Unterzeichnerstaaten, Atomwaffen gar nicht erst zu entwickeln. Als Gegenleistung wird im Vertrag die Nutzung und Weiterverbreitung der sogenannten zivilen Atomtechnologie geregelt, die allerdings auch zur Entwicklung und Herstellung von Atomwaffen befähigt.

So weit die Theorie. Was aus der Abrüstung geworden ist, wissen wir alle. Das Ziel der Nicht-Weiterverbreitung ist ebenfalls verfehlt worden. Wenn die NSG jetzt ihre Selbstverpflichtung einschränkt oder aufhebt, ist dem internationalen Handel mit waffentauglicher Atomtechnologie ein weiteres Tor geöffnet. Um das zu verhindern, sind die anderen Mitglieder der NSG gefragt - auch Deutschland.

„Wer nukleare Abrüstung fordert, muss dafür sorgen, dass auch aus der zivilen Atomkraft ausgestiegen wird. Frau Merkel ist nun gefordert, diesem Deal in der NSG nicht zuzustimmen“, sagt Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace.

Zum Weiterlesen

Projektion für den Atomausstieg am Atomkraftwerk Isar 2 bei Nacht
© Matthias Balk / Greenpeace

9 Fakten über Atomkraft

Hintergrund

Auch wenn immer wieder eine „Renaissance“ herbeigeredet wird: die Fakten sprechen gegen Atomkraft. Denn sie ist und bleibt unsicher, unzuverlässig, gefährlich, dreckig und teuer. Punkt. Aus.

mehr erfahren über 9 Fakten über Atomkraft

Alles, was bewegt

Immer auf dem Laufenden bleiben mit unserem Newsletter. Wir informieren über Kampagnen, Mitmachmöglichkeiten und spannende Events und freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Newsletter abonnieren

Mehr zum Thema

Italian Tornado at Steadfast Noon Maneuver in Noervenich

Kräftevergleich Nato gegen Russland

Neue Greenpeace-Studie: Die europäischen Nato-Staaten sind Russland auch ohne die USA in wesentlichen militärischen Kategorien überlegen. Aber sie verzetteln sie sich in Kleinstaaterei.

mehr erfahren über Kräftevergleich Nato gegen Russland
Polina Kolodiazhna vor zerbombtem Haus in Kiew

Dieser Krieg ist ein Verbrechen

Unsere Kollegin Polina Kolodiazhna arbeitet im Greenpeace-Büro Ukraine. Hier schildert sie eindrücklich, wie schlimm die Situation in Kyjiw mittlerweile ist.

mehr erfahren über Dieser Krieg ist ein Verbrechen
AKW Saporischschja von oben

AKW Saporischschja: Droht ein atomarer Notfall?

Krieg und Atomkraft - Beim ukrainischen AKW Saporischschja fällt immer wieder die externe Stromversorgung aus. Greenpeace-Recherchen zeigen: Das ist Absicht. Plant Russland, das AKW wieder hochzufahren?

mehr erfahren über AKW Saporischschja: Droht ein atomarer Notfall?
Demonstration against Right-Wing Extremism in Berlin

10 Tipps zum Schutz der Demokratie

Unsere Demokratie ist bedroht. Zugleich stehen überall Menschen auf, um sie zu verteidigen. 10 Tipps, was jede:r Einzelne für mehr Menschlichkeit und Miteinander und gegen Hass und Hetze tun kann.

mehr erfahren über 10 Tipps zum Schutz der Demokratie
Martin Kaiser mit Regenbogen

Wie weiter nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?

Fast jede zweite Stimme in Sachsen-Anhalt ging an eine gesichert rechtsextreme Partei. Greenpeace-Chef Martin Kaiser ist, wie wir alle, schockiert. Warum wir jetzt erst recht weitermachen.

mehr erfahren über Wie weiter nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?
Greenpece-Aktiver Henry Schubert vor Greenpeace-Banner

„Die Gemeinschaft gibt mir viel Kraft“

Henry Schubert ist seit 2010 für Greenpeace aktiv. In Magdeburg kommt er dabei mit den Menschen in Kontakt. Ein Gespräch über Engagement in hitzigen Zeiten.

mehr erfahren über „Die Gemeinschaft gibt mir viel Kraft“