Landwirtschaft ohne giftige Chemikalien

Essen ohne Pestizide

Der Einsatz von Agrargiften in der industriellen Landwirtschaft nimmt kontinuierlich zu – die Politik muss deshalb eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft unterstützen!

Lizenz zum Töten

Ob Brennnessel, Mohn oder Weizen: Glyphosat hat den Auftrag, ausnahmslos jede Pflanze zu vernichten – es ist ein Totalherbizid.

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Vor der Aussaat oder nach der Ernte spritzen Landwirte das Pestizid, um sicherzugehen, dass ihre Flächen frei von sogenannten Unkräutern sind. Beliebt ist das Mittel auch, weil es jahrzehntelang als unbedenklich galt. Das ist jetzt anders: Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation (IARC) stuften es 2015 als wahrscheinlich krebserregend ein.

Zum 30.6.2016 wäre die Zulassung von Glyphosat in der EU ausgelaufen. Doch die Lobbyisten rannten den EU-Staaten und der Kommission die Türen ein, sie wollten eine weitere Verlängerung von 15 Jahren für das Gift. Doch auch nach zwei Abstimmungen konnten sich die EU-Staaten nicht auf die notwendige qualifizierte Mehrheit einigen. Deutschland enthielt sich und machte der Kommission so den Weg für eine eigenmächtige Entscheidung frei.

Die umstrittene Zulassung bekam Glyphosat so trotzdem, die EU-Kommission ließ das Herbizid um weitere 18 Monate zu. Innerhalb dieser Zeit soll eine neue Bewertung der Europäischen Chemikalienagentur durchgeführt werden. Diese soll klären, ob der Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einzustufen ist.

Zugelassen wurde Glyphosat zunächst für alle Anwendungen, obwohl Einschränkungen für z.B. den Einsatz zur Abreifebeschleunigung kurz vor der Ernte, oder auf öffentlichen Flächen wie Gehwegen oder Parkanlagen, im Gespräch waren.

Pestizide müssen nach einer bestimmten Zeit erneut zugelassen werden. Dadurch soll gewährleistet sein, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden. Das war nach 14  Jahren bei dem von Monsanto und anderen Agrochemie-Konzernen produzierten Glyphosat der Fall.

Spannend wird die Geschichte durch die im vergangenen Jahr veröffentlichte Einschätzung der IARC, dass Glyphosat möglicherweise Krebs verursacht. Den Verdacht gibt es schon lange – ebenso die Vermutung, dass das Mittel das Hormonsystem beeinflusst.

Das Gift gelangt über die Nahrung zu uns. Vom Brötchen bis zum Bier: Labore haben in vielen Produkten Rückstände nachgewiesen. Betroffen sind ebenso die Anwender – auch die, die in ihren Gärten damit arbeiten. Dass ein Totalherbizid, welches auf 40 Prozent der Ackerflächen in Deutschland eingesetzt wird, zudem Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat, versteht sich von selbst.

„Sowohl krebserregende als auch hormonelle Wirkungen eines Pestizids sind Ausschlusskriterien für die Zulassung eines Pestizids“, erklärt Dirk Zimmermann, Agrarbiologe und Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace. „In Europa gibt es das Vorsorgeprinzip. Das besagt, dass absehbare Schäden für Umwelt und Verbraucher verhindert werden müssen. Die Zweifel an der Unbedenklichkeit von Glyphosat sind immens. Das Herbizid hätte deshalb nicht wieder zugelassen werden dürfen. Nun heißt es für Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, endlich Verantwortung zu übernehmen und Glyphosat national zu verbieten.“

Das sehen andere leider anders, etwa das in Deutschland für die Risikobewertung zuständige BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung). Das Institut attestierte dem Mittel jüngst die Unbedenklichkeit. Dafür zog es auch unveröffentlichten Studien der Industrie heran – für die Öffentlichkeit ist die Beurteilung dadurch nicht nachvollziehbar. Die IARC hingegen stützt ihre Bewertung ausschließlich auf öffentlich verfügbare Untersuchungsergebnisse.

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