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Doch der Protest auf der Straße beruht auf Missinterpretationen des neuen Gesetzes. Diese Auffasung teilen die Verbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Naturschutzring (DNR), Greenpeace, Naturschutzbund (NABU), WWF und Women in Europe for a Common Future (WECF). Sie gehen vielmehr davon aus, dass - anders als es die Chemieindustrie behauptet - kleine und mittlere Unternehmen enormen Nutzen von dem Gesetz haben werden.

Der Greenpeace-Sprecher Stefan Krug hat sich vor Ort ein Bild des Protestes gemacht: Die heutige Demonstration gegen die EU-Chemikalienreform REACH in Berlin war eine Farce. Der Gesetzentwurf wurde pauschal verteufelt und sein Inhalt falsch widergegeben. Vor allem die Kosten wurden maßlos übertrieben.

Auf die meisten kleinen und mittleren Unternehmen würden gar keine Kosten für die Registrierung ihrer Stoffe zukommen, weil sie diese Stoffe gar nicht selbst herstellen, so Krug weiter. Die EU-Kommission schätzt, dass der Chemieindustrie nur rund 2,3 Milliarden Euro Kosten entstehen - und das verteilt auf elf Jahre! Das sind weniger als 1,5 Prozent des Jahresgewinns, den die 50 großen Chemiekonzerne der EU einfahren, darunter viele deutsche Firmen.

Für die Weiterverarbeiter, die in Berlin demonstrierten, belaufen sich die Kosten auf gerade einmal 0,09 Prozent des Umsatzes. Hinzu kommt, dass REACH rund 40 EU-Chemiegesetze ersetzt und endlich Klarheit und Transparenz in das Chemiekalien-Dickicht bringt.

Patricia Cameron, Chemikalienexpertin des BUND sagt: Die Behauptungen des Aktionsbündnisses, REACH würde den Mittelständlern schaden, sind schlicht falsch. Der Mittelstand wäre gut beraten, sich nicht vor den Karren der Großchemie und deren Verbände VCI und BDI spannen zu lassen. REACH wird den europäischen Weiterverarbeitern von Chemikalien einen enormen Wettbewerbsvorteil und wieder mehr Kundenvertrauen verschaffen.

Sie verweist darauf, dass durch REACH die kleinen und mittleren Unternehmen endlich auch auf die Sicherheitsdaten der dann registrierten Chemikalien größerer Hersteller zurückgreifen können. Durch eine gemeinsame Datenregistrierung für gleiche Stoffe, die von mehreren EU-Mitgliedstaaten vorgeschlagen wurde, könnten Kosten weiter reduziert werden.

Die Industrie sollte aufhören, jegliche Umweltgesetzgebung mit den immer gleichen unrichtigen Argumenten zu bekämpfen und Beschäftigte von Klein- und Mittelbetrieben mit Halbwahrheiten auf die Straße zu schicken, fordert Karl Wagner, Leiter der Chemikalienkampagne beim WWF. Der verbesserte Informationsfluss, den REACH gewährleistet, ermögliche weitere Kosteneinsparungen zum Beispiel beim Arbeitsschutz.

Wir wissen über die meisten Chemikalien gar nicht, welche Folgen sie für Mensch und Umwelt haben, ob sie krebserregend oder mutagen wirken, sagt Stefan Krug. Auch kleine und mittlere Unternehmen müssen sichere Stoffe verwenden und gefährliche aus dem Verkehr ziehen. Genau das wird durch REACH erst möglich. Es liegt auch im wirtschaftlichen Interesse der Branche, Chemikalien sicherer zu machen und das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. (mir)

Ausführliche Informationen zum neuen EU-Gesetz finden Sie auf den Seiten von www.chemicalreaction.org

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