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Vermüllte Straßen in der Provinz Adana
Mert Çakir / Greenpeace

Verschmutzung durch deutsche Plastikmüllexporte in der Türkei

“Sie haben ihn vergiftet”, sagt Mustafa Akar. Der Ziegenhirt lebt in dem Dorf Yenidam in der türkischen Provinz Adana, einer seiner Böcke fraß von einem “gelben Staub” und wurde krank. “Sie spielen mit der Gesundheit der Menschen”, sagt der Getreidebauer Adem Koç aus dem Ort Çavuşlu, der von tiefschwarzen Dämpfen berichtet, die übers Land ziehen. 

Sie – das sind europäische Plastikexporteure, die vermeintlich recyclingfähige Kunststoffabfälle in die Türkei bringen. “Fremde bringen Plastik hierher und verbrennen es”, sagt Koç. Was zurückbleibt, legt sich wie Schlacke über das Land und macht Tiere und Menschen krank. Die Verzweiflung der Menschen in Adana ist groß – wie kommt es, dass die Türkei befürchten muss, auf einmal zur Müllhalde Europas zu werden?

Plastikmüllexporteure suchen sich neue Wege

2018 verhängte China, einer der größten internationalen Abnehmer von Plastikmüll, einen Importstopp, worunter nun insbesondere der südostasiatische Raum leidet – aber eben auch die Türkei. Denn der Abfall aus Ländern wie Großbritannien, Italien, Belgien oder Deutschland bleibt nicht in seinem jeweiligen Herkunftsland, sondern wird über den gesamten Globus verfrachtet. Erlaubt ist das, weil diese Plastikabfälle offiziell in die Wiederverwertung gehen sollen – allerdings fand Greenpeace auch in Adana einen erheblichen Teil nicht-recyclebarer Materialien auf den Deponien.

Im Sommer wurde Greenpeace Türkei von Anwohnerinnen auf eine große Menge von in Ballen gepresstem Plastikmüll aus Deutschland aufmerksam gemacht. Es handelt sich offensichtlich um Abfälle, die in einer deutschen Recyclinganlage aussortiert wurden, weil sie nur schwer oder gar nicht recyclebar sind. Nach Aussage von Dr. Sedat Gündoğdu von der Universität in Adana sind auch die angrenzenden Gewässer und Felder durch Plastik und giftigen Rauch, der bei der Müllverbrennung entsteht, belastet. Nihan Temiz Ata von Greenpeace Türkei beklagt: „Die meisten Abfall-Firmen hier haben zwar Importlizenzen, aber sie importieren viel mehr, als sie verarbeiten können.“ 

Mythos Recycling

Das gute Gewissen, das Deutsche bei der Mülltrennung an den Tag legen, wird von den Zahlen deutlich als Selbsttäuschung entlarvt: Weniger als 20 Prozent unseres Plastikabfalls werden in neuen Produkten verarbeitet. Und das bei 228 Kilogramm Verpackungsabfall, die jede/r Deutsche im Jahresschnitt anhäuft. Dafür braucht es Lösungen, etwa ein Verbot von Einwegverpackungen und bessere Mehrweg- und Unverpacktangebote. Zu diesem Zweck haben Greenpeace und andere Umweltverbände 15 Forderungen an die Bundesregierung formuliert.

Gleichzeitig müssen die umweltschädlichen Plastikmüllexporte gestoppt werden. Von den im Jahr 2017 in Deutschland vorsortierten 5,2 Millionen Tonnen Plastikmüll gingen mehr als 15 Prozent in den Export, zum Beispiel nach Malaysia oder in die Türkei. Eine irrsinnige Praxis, wenn man bedenkt, dass diese Länder nicht über die nötigen Entsorgungssysteme verfügen und oft schon mit ihrem eigenen Abfall überfordert sind.

>>> Die Zukunft ist unverpackt oder gehört Mehrweglösungen! Schreiben Sie der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, damit sie verpackungsfreies Einkaufen für Händler und Kund*innen möglich macht.

  • Porträt Mustafa Akar

    "Sie haben ihn vergiftet"

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