Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Demokratische Republik Kongo ist ein reiches Land. Sie verfügt über immense Bodenschätze und ausgedehnte Wälder. Doch das von Kriegen zerrüttete Land kann diese Schätze nicht nutzen. Im reichen Kongo herrscht bittere Armut. Millionen Menschen wissen nicht, woher sie die Nahrung für den nächsten Tag nehmen sollen. Beim Wiederaufbau des Kongo spielt die Weltbank eine zentrale Rolle. Ihr erklärtes Ziel ist es, der Wirtschaft des Landes wieder auf die Beine zu helfen und die Armut zu bekämpfen.

Eine hervorragende Einnahmequelle ist der Wald, deshalb fördert die Weltbank den industriellen Holzeinschlag. Die Bewirtschaftung des Waldes soll die Staatseinnahmen erhöhen. Das neue Waldgesetz von 2002 sichert die traditionellen Nutzungsrechte der Gemeinden vor Ort. Es fördert eine nachhaltige Waldwirtschaft und regelt die Zuteilung von Einschlagkonzessionen: Die Vergabe soll transparent und sozialverträglich für die lokale Bevölkerung erfolgen.

So weit die Theorie. Der Untersuchungsbericht eines internen Kontrollgremiums zeigt detailliert, wie die Weltbank in der Demokratischen Republik Kongo ihre eigenen Richtlinien verletzt. Zwei Drittel der Menschen dort leben im und vom Wald. Trotzdem wurden die lokalen Gemeinden bei den Forstreformen völlig ignoriert. Das potentielle Staatseinkommen aus dem Holzhandel wurde von der Weltbank eklatant überbewertet.

Damit bestätigt der Bericht auch, was Greenpeace in der Studie Carving up the Congo gezeigt hat: Der industrielle Holzeinschlag hat verheerende Auswirkungen auf die Urwälder des Kongobeckens und die 40 Millionen Menschen, die existenziell von ihnen abhängen. Darunter rund 600.000 Pygmäen. Für sie ist der Wald, was für einen Europäer der Supermarkt oder die Apotheke ist.

Das Untersuchungsergebnis ist ein wichtiger Etappensieg für die Pygmäen. Seit Jahren versuchen sie, sich Gehör zu verschaffen. Sie waren es auch, die beim zuständigen Ausschuss der Weltbank die Untersuchung beantragten und so den Stein ins Rollen brachten. Der Sprecher ihres Interessenverbands, der Menschenrechtler Adrien Sinafasi Makelo, bereiste im Juni Europa und besuchte dabei auch Greenpeace in Hamburg.

In einem Interview mit uns sagte Makelo: Die Weltbank hat eine sehr zwielichtige, widersprüchliche Rolle gespielt. Das [Einschlag]Moratorium und das neue Waldgesetz wurden niemals umgesetzt und die Weltbank weiß das nur zu gut, denn sie war präsent, sie hat es mitangesehen.

Susanne Breitkopf, Kongo-Expertin von Greenpeace in Washington, fordert die Weltbank auf, umgehend Konsequenzen aus der Untersuchung zu ziehen. Die Weltbank muss Programme finanzieren, die die Armut bekämpfen und Kapazitäten schaffen, um die illegalen und zerstörerischen Aktivitäten einzudämmen. Über fünf Jahre nach Beginn der Weltbankreformen ist die Situation in den Wäldern des Kongo nach wie vor völlig außer Kontrolle, wenn nicht schlimmer als zuvor.

Entwicklungshilfe, sagt Breitkopf, müsse auf den Bedürfnissen der Armen basieren, nicht auf denen des Holzhandels.

Mehr zum Thema

Timelapse over Broadback Valley Forest in Canada

Wälder des Nordens

  • 18.11.2021

Die borealen Wälder in Kanada, Russland und Skandinavien beherbergen eine große Artenvielfalt und tragen zum Klimaschutz bei. Doch die verbliebene Waldwildnis ist bedroht.

mehr erfahren
Oil Palm Fruit

Raubbau für Palmöl

  • 18.11.2021

Palmöl findet sich in etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Doch unser Ressourcenhunger vernichtet die letzten Regenwälder Südostasiens.

mehr erfahren
Eine große Palmöl-Plantage mit jungen Ölpalmen

Kritische Palmöl-Zertifikate

  • 21.10.2021

Greenpeace nimmt Palmöl-Zertifikate unter die Lupe und findet Verstöße gegen die Auflagen: Trotz Verboten liegen viele Plantagen im geschützten National Forest Estate.

mehr erfahren

Kongobecken: Ins grüne Herz

  • 11.10.2021

Der Regenwald des Kongobeckens ist nach dem Amazonasgebiet der größte tropische Regenwald der Erde – und ein Ort, an dem die Deutsche Bank Greenwashing betreibt.

mehr erfahren
Ein Bach fließt durch einen Wald

Katastrophenschützer Wald

  • 06.10.2021

Wie können Wälder Katastrophen durch Extremwetter eindämmen? Das ist Thema auf dem heutigen Waldgipfel von Peter Wohlleben.

mehr erfahren
Durch den Waldboden ist eine Schneise geschlagen, an den Seiten liegen Steine und Äste

Wald gegen Flut

  • 04.10.2021

Anlässlich der heutigen zweiten “Zukunftskonferenz Ahrtal” mahnt Greenpeace, Schutzwälder in Mittelgebirgen auszuweisen.

mehr erfahren