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Adventskranz
© Illustration: Christina Bednarz

Kranz und Christbaum: ökologisch, bitte! – eine Vorweihnachtsgeschichte

„Der stinkt!“ Meine Mutter ist sehr empfindlich, wenn es um verdächtige Gerüche geht. Vor allem, wenn sich das Odeur ihres Wohnzimmers dem einer Chemiefabrik annähert. Und ich stehe da, den hübschen Adventskranz aus Nordmanntanne, Konifere und niedlichen kleinen Zapfen in der Hand, und gucke betreten. Denn meine Mutter hat Recht: Das Gebinde müffelt. Statt saftig-herben Tannen- und Zapfendufts wabert hier ein Hauch von Kläranlage und Waschbenzin durch den Raum.

Dabei war ich ganz vorweihnachtsberauscht gewesen, als ich den Kranz im Tannendeko-Regal des Baumarktes erstöbert hatte: Ein besonders schön gebundenes Exemplar, bestimmt prächtig, wenn erst einmal Kerzen, Kugeln, Schleifen im Nadelwerk steckten. Und nun steht er da nackig auf dem Tisch und stinkt.

Denn der Kloake-Kranz, das hat meine Mutter längst entschieden, kriegt keinen Schmuck. Sondern umgehend einen Platz in der Grünschnitt-Tonne. Mir hingegen blüht ein Spaziergang zu Frau Galinski, die den kleinen Blumenladen ein paar Straßen entfernt betreibt.

Nachhaltige Nadeln

„Alles Tanne aus nachhaltigem Anbau“, sagt Frau Galinski, als meine Mutter an einem Nordmann-Rund schnuppert und zufrieden nickt. „Kommt von einer kleinen Plantage im Nachbarort“, legt Frau Galinski nach. Obwohl sie und ihr Adventskranz das Vertrauen meiner kritischen Mutter längst gewonnen haben. Denn hätten diese Nadeln je üblen Mineraldünger oder Pflanzengifte wie Glyphosat gesehen: Meine Mutter würde es erschnüffeln. Doch dieses Gebinde riecht so, wie Tanne riechen soll: nach Weihnachten.

Und so scheinen kleine Kerzen die Augen meiner Mutter zu erhellen, als sie verzückt fragt: „Haben Sie denn auch solche Weihnachtsbäume?“ Frau Galinski hat. Keine der 2,2 Millionen, die jährlich zumeist von dänischen Plantagen angeliefert werden, selbstverständlich. Denn die werden wegen ihrer langen Reise früh geschlagen, nadeln rasch und haben bereits bei ihrer Ankunft in den Tannenbaumgehegen auf deutschen Brachflächen und Supermarktparkplätzen einen enorm unheiligen CO2-Stammabdruck. Zudem werden sie bei ihrer Aufzucht auf Plantagen oft mit jeder Menge Dünge- und Spritzmitteln berieselt, und die versickern im Boden, landen im Grundwasser und in den Flüssen.

Pestizidfreiheit besiegelt

Solche Gewächse kommen Frau Galinski nicht ins Christbaumgatter hinterm Laden. Dort steht meine Mutter glücklich inmitten der ökologisch einwandfreien Pracht und nimmt erst einmal ein paar Nasen Nadelduft. Denn an den Ästen baumeln Bio-Siegel – der erhabenste Christbaumschmuck schlechthin: Kennzeichnungen wie Naturland, Demeter, Bioland und Biokreis sowie das Bio-Siegel der Europäischen Union garantieren pestizid- und mineraldüngerfreie Aufzucht der Bäume.

Zwar sind es noch vier Wochen hin bis zum Fest, doch meine Mutter ist nun im Weihnachtsrausch. Und erwählt schließlich einen besonders eleganten Baum: dicht benadelt, mit üppigem Astwuchs und – na klar – deliziösem Duft. Diese Tanne ist der Kerzen und Kugeln würdig!

Die Zeit bis Heiligabend wird sie windgeschützt auf der Terrasse verbringen, wo sie bis dahin in der kalten Dezemberluft ganz sicher keine einzige Nadel lässt. Der Kranz hingegen bekommt einen Ehrenplatz auf dem Esstisch. Und während meine Mutter sich zu Hause umgehend daran macht, den Prachtkringel mit Kerzen und Schleifen zu dekorieren, schleiche ich noch einmal zur Grünschnitt-Tonne. Dort dümpelt das Miefgebinde majestätisch zwischen Kartoffelschalen und welkem Salat, und irgendwie tut es mir leid um den Schönen. Aber es ist nun einmal, wie es ist: er stinkt.

>>> Sie haben keine Frau Galinski in Ihrer Nähe? Kein Problem: Robin Wood stellt jährlich zertifizierte Betriebe und Verkaufsstellen mit ökologischer Weihnachtsbaumkultur oder Bäumen aus ökologischer Waldwirtschaft zusammen, nach Bundesländern sortiert. Die Liste finden Sie hier.

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