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Palmölplantage aus der Luft

Das Klima wird verheizt

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Unser jetziges Tun wirft seinen Schatten weit in die Zukunft. Das Herzstück [der Klimapolitik muss] die Risikoökonomie sein; sie muss über die marginalen Veränderungen hinausgehen, die das Tagesgeschäft der Ökonomen sind. Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank.

Mit dem Höhenflug des Palmöls gehen die Kohlenstoffspeicher des indonesischen Torflands zur Neige. Jedes Jahr werden im indonesischen Torfland durch Degradierung der Wälder und Brandrodung 1,8 Milliarden Tonnen (Gigatonnen, Gt) klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen (THG) freigesetzt[1] - vier Prozent des weltweiten THG-Ausstoßes auf weniger als 0,1 Prozent der Landmasse unseres Planeten.[2]

Der Bericht How The Palm Oil Industry Is Cooking The Climate zeigt auf, wie die weltweit größten Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Biokraftstoffkonzerne mit ihrem wachsenden Bedarf an Palmöl - einem der meist verbreiteten Lebensmittel-Bestandteile der Welt - die massive Zerstörung von Torfgebieten und Regenwäldern vorantreiben. Diese Unternehmen, u.a. Unilever, Nestlé und Procter & Gamble, verbrauchen einen erheblichen Anteil des weltweit verfügbaren Palmöls, überwiegend aus Indonesien und Malaysia.

Indem Satellitenbilder von Waldbränden mit Karten abgeglichen wurden, auf denen die dichtesten Kohlenstoffspeicher Indonesiens verzeichnet sind, konnten Mitarbeiter von Greenpeace Kohlenstoff-Brennpunkte lokalisieren. Für unsere Nachforschungen sind wir in die indonesische Provinz Riau auf der Insel Sumatra gefahren, um die Aktivitäten derer zu dokumentieren, die derzeit einen Ausbau der Palmölbranche betreiben. Es handelt sich um die Palmöl-Erzeuger, die Unilever, Nestlé, Procter & Gamble und viele andere große Akteure der Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Biokraftstoffbranche beliefern.

Das Torfgebiet in Riau ist vergleichsweise klein: Es hat eine Fläche von nur 4 Millionen Hektar [3] und damit etwa die Größe Taiwans oder der Schweiz. [4] Und dennoch speichern die Torfböden Riaus 14,6 Gt Kohlenstoff [5] - die Zerstörung dieser Torfgebiete würde THG-Emissionen freisetzen, die dem globalen THG-Ausstoß eines ganzen Jahres entsprächen. Wenn keine Maßnahmen gegen die Zerstörung der Wälder und des Torflandes ergriffen werden, so werden deren Emissionen womöglich eine "Klimabombe" zünden.

Die Wälder als tickende Zeitbomben

Waldkökosysteme speichern derzeit rund eineinhalb Mal so viel Kohlenstoff, wie sich in der Atmosphäre befindet. [6] Ohne eine drastische Reduzierung der THG-Emissionen könnte der Klimawandel - der zum Teil durch die Waldzerstörung beschleunigt wird - bald dazu führen, dass diese Kohlenstoffspeicher zu Kohlenstoffquellen umkippen. Der daraus resultierende Temperaturanstieg könnte Wald-Ökosysteme dermaßen beeinträchtigen, dass weitere THG-Emissionen entstehen und den Klimawandel potenziell weiter beschleunigen.

Die weltweit führenden Klimaforscher im UN-Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) legen dar, dass eine massive Reduzierung der THG-Emissionen dringend und rasch vonnöten ist. Die Zeit ist unglaublich knapp. Je länger wir brauchen, >desto höher werden die finanziellen, sozialen und ökologischen Kosten sein.

Indonesiens Regenwälder und Torfgebiete ins politische Rampenlicht

Das Beispiel Indonesien veranschaulicht sehr deutlich, warum Regierungen und Konzerne auf internationaler Ebene etwas gegen die THG-Emissionen aus der Abholzung von Wäldern und der Umwandlung in Agrarland unternehmen müssen.

Indonesien hält bei den THG-Emissionen durch Abholzung den Weltrekord und nimmt daher bei den insgesamt vom Menschen verschuldeten THG-Emissionen nach den USA und China den dritten Platz ein. [7] In den vergangenen 50 Jahren wurden über 74 Millionen Hektar der indonesischen Wälder zerstört [8] - abgeholzt, verbrannt, degradiert, zu Zellstoff verarbeitet - und als Produkte weltweit vermarktet.

Anders als die Industriestaaten, die den Klimavertrag von Kyoto unterzeichnet haben (Anhang 1), ist Indonesien gemäß Kyoto-Vertrag als Entwicklungsland nicht verpflichtet, sich ein Ziel zur Reduzierung seiner THG-Emissionen zu setzen. Da das Kyoto-Protokoll keine Anreize für die Verhinderung der Tropenwaldzerstörung bereitstellt, ist die Expansion der Palmölwirtschaft in kohlenstoffreiche Landschaften wie Torfgebiete und Regenwälder daher zur Erzielung kurzfristigen Profits durchaus sinnvoll, ökologisch betrachtet allerdings widersinnig.

Im Dezember 2007 sind die Verhandlungsteams der Staatsregierungen aus aller Welt im indonesischen Bali zusammegekommen, um eine Übereinkunft auszuarbeiten, die idealerweise in einen internationalen Plan zu einer erheblichen Reduktion der weltweiten THG-Emissionen mündet, als Erweiterung zum derzeitigen Klimavertrag von Kyoto.

Diese Klimaverhandlungen sind ein erster Schritt hin zu internationalen politischen Maßnahmen gegen die Entwaldung. Bis dahin geht eine global agierende Industrie ungehindert ihren Geschäften nach und expandiert weiter in die Regenwälder der Erde.

Palmölboom!

Die Klimaforscher der NASA warnen, bei einem anhaltend raschen Anwachsen des CO2 -Ausstoßes und der Infrastruktur für weitere zehn Jahre könnte es unausführbar, wenn nicht unmöglich werden, den hochriskanten globalen Temperaturanstieg aufzuhalten. [9]

Ein vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlichter Bericht stellt fest, dass Palmölplantagen derzeit die Hauptursache für die Zerstörung des Regenwaldes in Malaysia und Indonesien sind. [10]

Indonesien hat seit 1990 28 Millionen Hektar Wald zerstört, [11] überwiegend durch Landumwandlung in Plantagenflächen. Plantagen für die Palmöl- oder Zellstoffproduktion wurden jedoch erst auf neun Millionen Hektar errichtet. [12] Daraus ergibt sich klar, dass sich die meisten Firmen die Genehmigungen für die Umwandlung des Waldes nur verschafft haben, um an das Holz heranzukommen. Die Zerstörung von Regenwald für neue Plantagen und zur Ausbeutung des wertvollen Holzes hält an.

Ölpalmen-Plantagen decken die wachsende globale Nachfrage nach billigem Pflanzenöl, das für die Produktion von Lebensmitteln, Kosmetika und Kraftstoff verwendet wird. Prognosen zufolge soll sich die Nachfrage nach Palmöl, verglichen mit dem Jahr 2000, bis 2030 verdoppeln und bis 2050 verdreifachen. [13]

Eine Handvoll mächtiger global agierender Konzerne kontrolliert einen Großteil des internationalen Handels mit indonesischem Palmöl, darunter Cargill, das größte privat geführte Unternehmen der Welt, die ADM-Kuok-Wilmar-Allianz, derzeit der weltweit größte Biokraftstoff-Produzent, sowie Synergy Drive, das der Kontrolle der malaysischen Regierung untersteht und bald zum größten Palmölkonzern aufsteigen wird.

Die unbeirrbare Geschäftspolitik der Branche und ihre derzeitige Expansionsstrategie - die auch darin besteht, die Sorge um den Klimawandel zu missbrauchen, um Palmöl als Ausgangsstoff für Biodiesel zu forcieren - lassen es zweifelhaft erscheinen, dass wir wirklich Emissionen reduzieren können.

Die aktuelle und prognostizierte Ausdehnung der Palmölplantagen findet zum überwiegenden Teil in Torfgebieten statt, die weltweit mit die höchste Kohlenstoffkonzentration aufweisen. Von den 22,5 Millionen Hektar Torfland in Indonesien wurden zehn Millionen Hektar bereits gerodet und entwässert, was zu massiven und anhaltenden THG-Emissionen führt, weil die Torfböden austrocknen, oxidieren und sogar in Brand geraten. [14]

Die THG-Emissionen aus den Torfgebieten werden, wenn die prognosizierte Expansion eintritt, bis 2050 um mindestens 50 Prozent zunehmen.[15]

Riau: Die Zündschnur brennt

Anfang 2007 entdeckte Greenpeace durch Satellitenüberwachung Großbrände in der Provinz Riau. [16] Ein Vergleich von Torfgebietslandkarten und Konzessionskarten ergab deutlich Überschneidungen zwischen der jeweiligen Position dieser Brände, den Ölpalmenkonzessionen und den Torfgebieten.

Die Torfböden der stark bewaldeten, neun Millionen Hektar großen Provinz weisen weltweit die höchste Kohlenstoffkonzentration pro Hektar auf. Das Gebiet, um das es geht, ist relativ klein: Es umfasst nur vier Millionen Hektar [17] - das entspricht der Fläche Taiwans oder der Schweiz. [18] Doch es speichert 14,6 Gt Kohlenstoff, [19] das sind 40 Prozent des Kohlenstoffs im indonesischen Torf. [20]

Der gewaltige Kohlenstoffspeicher von Riau ist durch die Entwässerung, Rodung und schließlich durch Brände extrem gefährdet. Die Zerstörung dieser Torfgebiete könnte THG-Emissionen freisetzen, die den globalen Gesamtemissionen eines Jahres oder dem Fünfjahresausstoß aller fossil befeuerten Kraftwerke der Welt entspricht. [21]

Ein Viertel der indonesischen Palmölplantagen liegt in Riau. Im Jahr 2005 waren bereits 1,4 Millionen Hektar Palmölplantagen in der Provinz angelegt worden. [22] Aus den Daten geht hervor, dass wohl mehr als ein Drittel der Konzessionsgebiete für Ölpalmen in Riau auf Torf liegt.[23]

In Riau steht aufgrund der bereits vorhandenen Infrastruktur eine weitere Expansion der Palmölbranche an. Noch einmal drei Millionen Hektar Torfwälder sind im Laufe des nächsten Jahrzehnts für die Umwandlung vorgesehen. [24] Mehr als die Hälfte der Fläche Riaus, die einst überwiegend aus Wald bestand, wird bald mit Ölpalmen bepflanzt sein.

Einem Bericht der Europäischen Union und des indonesischen Forstministeriums aus dem Jahr 2001 zufolge werden sich die meisten neuen Palmölplantagen zwangsläufig in Feuchtgebieten befinden, da die begehrteren Trockengebiete von [Sumatra] bereits vergeben sind. [25]

Duta Palma: Das Rezept der Palmölindustrie für die Klimakatastrophe

Die privat geführte Firma Duta Palma betreibt zahlreiche Unternehmungen in Riau. Sie ist einer der zehn größten Raffineriebetreiber in Indonesien. [26]

Duta Palma kontrolliert derzeit 200.000 Hektar Land, über die Hälfte davon in Riau. [27] Dieses Land umfasst weite Flächen mit tiefem Torf, die nach indonesischem Recht theoretisch unter Schutz stehen.

Greenpeace hat Satellitenaufnahmen aus den Jahren 2001 bis

2007 analysiert. Die Analyse ergab großflächige Rodungen in mehreren aneinander angrenzenden Konzessionsgebieten von Duta Palma. Offiziellen Karten zufolge liegt fast die Hälfte der Konzessionsgebiete auf Torfland mit einer Torftiefe von mehr als zwei Metern. [28] Eines der Gebiete ist offiziell als geschütztes Torfland ausgewiesen, [29] hat also eine Torfmächtigkeit von mehr als drei Metern.

Die Greenpeace-Messungen der Torftiefe vom Oktober 2007 zeigen, dass diese Konzessionen auf sehr tiefen Torfschichten liegen; die Tiefe reicht von 3,5 Metern jenseits der Plantagengrenzen bis zu über acht Metern mitten im Konzessionsgebiet. Das gesamte Gebiet sollte daher nach indonesischem Recht unter Schutz stehen.

Weitere Untersuchungen durch Greenpeace vor Ort bestätigen eine umfangreiche Entwässerung von Torf, unter anderem mit dem Bau großer Kanäle, sowie den Kahlschlag von Regenwald in diesen Konzessionsgebieten.

Duta Palma betreibt zudem die Zerstörung eines Lebensraums, der für gefährdete und unter Naturschutz stehende Arten wie den vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger lebenswichtig ist.

Wer kontrolliert den Handel? Runder Tisch über nachhaltiges Palmöl

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist eine hochkarätig besetzte Initiative unter dem Vorsitz von Unilever. Zu seinen Mitgliedern zählen wichtige Unternehmen aus der Versorgungskette von den Plantagen über Handelsunternehmen wie Cargill und ADM bis hin zu Lebensmittelriesen wie Cadbury’s, Nestlé und Tesco. Gemeinsam sind sie für 40 Prozent der weltweiten Produktion und Verarbeitung von Palmöl verantwortlich.

Greenpeace-Recherchen vor Ort haben ergeben, dass RSPO-Mitglieder ihr Palmöl von Lieferanten beziehen, die sich aktiv an der Abholzung von Wald und der Umwandlung von Torfgebieten beteiligen.

Die Lebensmittelriesen

Der RSPO-Vorstand Unilever ist ein wichtiger Akteur im globalen Palmölhandel. Er verarbeitet im Jahr etwa 1,2 Megatonnen (Mt) Palmöl30 oder rund drei Prozent der Weltpalmöl-Produktion, [31] überwiegend aus Indonesien und Malaysia. [32] Verarbeitet wird das Palmöl für Markenprodukte wie die Flora-Margarine.

Auch andere führende Marken wie KitKat, Pringles, Philadelphia-Streichkäse und Cadbury’s Flake sowie Konzerne wie Gillette, Burger King und McCain sind Komplizen bei der Expansion der Palmölbranche auf Kosten indonesischer Torfgebiete.

Die Handelsriesen

Der globale Handel mit indonesischem Palmöl läuft überwiegend über Händler, die in Singapur ansässig sind. Zu den größten dieser Handelsfirmen in Singapur zählen Mitglieder des RSPO, darunter die ADM-Kuok-Wilmar-Allianz, Cargill, Golden Hope und Sinar Mas.

Diese Firmen kümmern sich auch um die Weiterverarbeitung und vermischen in ihren Raffinerien und Biokraftstoff-Anlagen Palmöl aus abgeholzten Wäldern und zerstörten Torfgebieten.

Dank ihrer Kontrolle über die gesamte Versorgungskette des Palmöls - von den Plantagen in Indonesien bis zum raffinierten Palmöl oder Biokraftstoff - sind diese Konzerne in der Lage, den Markt zu beeinflussen und zu verändern.

Ein RSPO-Mitglied - eine große Einzelhandelskette - beklagte gegenüber Greenpeace: Unglücklicherweise ist die globale Palmölindustrie derzeit nicht in der Lage, jemanden zu präsentieren, der eine Rückverfolgung von der Verarbeitung bis zur Plantage vorweisen könnte.

Unternehmen, die das Palmöl in ihren Produkten verarbeiten, haben folglich praktisch keine Möglichkeit nachzuvollziehen, ob das von ihnen verwendete Palmöl aus Regenwaldzerstörung oder der Umwandlung von Torfland stammt.

Indem sie einfach so weitermachen wie bisher, versäumen die Handelsunternehmen und andere große Akteure Maßnahmen, die dringend notwendig wären, um die zerstörerischen und sozial ungerechten Praktiken, die mit der Expansion der Branche einhergehen, zu beenden.

Mit Biokraftstoff in die Regenwaldzerstörung

Die Trockenlegung von Feuchtgebieten zur Produktion von Biokraftstoffen hätte einen Verlust an Kohlenstoffvorräten zur Folge, der erst in Hunderten von Jahren durch die jährlichen Treibhausgaseinsparungen kompensiert werden könnte. [33] Europäische Kommission, 2007.

Gegenüber dem weltweiten Dieselverbrauch ist die derzeit verfügbare Menge an Ausgangsstoffen für Biodiesel verschwindend gering. Wollte man nur zehn Prozent der weltweiten Dieselnachfrage für den Straßenverkehr ersetzen, so bräuchte man dafür mehr als drei Viertel [34] der gesamten gegenwärtigen Soja- Palm- und Rapsölproduktion.[35]

Biokraftstoffe haben gegenüber anderen landwirtschaftlichen Produkten einen relativ geringen Geldwert. Daher wird Biodiesel grundsätzlich aus den billigsten Massenölen gewonnen: Soja-, Palm- und Rapsöl. Die Ölpalme erbringt pro Hektar einen erheblich höheren Ertrag als Soja oder Raps [36] und ist daher mit einem Anteil an der globalen Speiseölproduktion von 30 Prozent im Jahr 2006/07 das wichtigste Pflanzenöl der Welt.[37]

Die wachsende Nachfrage nach Biodiesel wird sehr wahrscheinlich durch den Ausbau der Palmölplantagen in Indonesien gedeckt werden. Große Handelsunternehmen planen bereits eine umfangreiche Expansion ihrer Biodiesel-Infrastruktur. Ist diese erst errichtet, wird sie die Waldzerstörung beschleunigen und nicht nur unsere Autos antreiben, sondern auch den Klimawandel.

Die Nachfrage nach Biokraftstoffen in Europa wird von den verbindlichen EU-Zielen im Bereich Transport-Kraftstoffe angekurbelt. Anfang des Jahres 2007 beschloss der EU-Gipfel einen Mindestanteil von zehn Prozent Biokraftstoffen als Ersatz für fossile Kraftstoffe bis 2020. [38] Damit wurde das Ziel der Biokraftstoff-Richtlinie von 2003 mit 5,75 Prozent Anteil bis 2010 fast verdoppelt.[39] Die erhöhte Zielvorgabe hängt davon ab, ob die Produktion kostengünstig und nachhaltig sei. [40]

Diesel deckt derzeit rund 60 Prozent des Kraftstoffbedarfs für den Straßenverkehr in Europa. [41] Im Jahr 2005 betrug der Verbrauch in Europa 172 Mt. [42] Einem im RSPO organisierten Unternehmen zufolge gibt es zu wenig Raps auf dem Markt, um die EU-Ziele zu erreichen. [43] Von allen Pflanzenölen sei Palmöl dasjenige, das auf dem Markt in den größten Mengen und am besten erhältlich ist. [44] Das Unternehmen prognostiziert zwischen 2005 und 2030 allein in der EU infolge des kontinuierlich wachsenden Kraftstoffbedarfs für den Straßenverkehr eine Zunahme der Biodiesel-Nachfrage um 52 Mt. [45]

Um diese prognostizierte Zunahme der Pflanzenölnachfrage beispielsweise mit Palmöl zu decken, wären 15 Millionen Hektar Plantagenfläche mit erntereifen Palmen notwendig. Das ist das Dreifache der 2005 in Indonesien bepflanzten Fläche. [46]

Auch viele andere Länder aus Regionen, die auf Öl angewiesen sind, wenden sich Biokraftstoffen aus den indonesischen Regenwäldern zu. Dieser Handel ist letztendlich keine Reduzierung der Emissionen, sondern ein Emissionstransfer. Die THG-Emissionen, die von der Palmölbranche zu verantworten sind, etwa aus der Abholzung von Wäldern, werden dem Produzenten-Staat angelastet.

Die chinesische Regierung geht davon aus, dass sie bis 2020 15 Prozent der Kraftstoffnachfrage für den Straßenverkehr mit Biokraftstoffen decken wird. [47] Indien hat sich bis zum Jahr 2012 das Ziel von 20 Prozent Diesel aus Biokraftstoffen gesetzt. [48]

Greenpeace-Schätzungen zufolge werden die derzeit in Indonesien geplanten Biodiesel-Raffinerien - darunter ein Megaprojekt für fünf Mt von Sinar Mas - eine zusätzliche Biodieselkapazität von bis zu neun Mt im Jahr schaffen. [49]

In ihrem Bestreben, ihre Kapazität weiter auszubauen, denken die Unternehmen in die Zukunft und wenden sich der Region Papua auf der Insel Papua-Neuguinea zu - dem letzten großen Regenwaldgebiet Südostasiens. Dort gibt es bereits Hinweise auf eine groß angelegte Landnahme im Namen des Biokraftstoffs; ein Unternehmen hat Berichten zufolge allein fast drei Millionen Hektar Wald für sich beansprucht. [50]

tick tick tick - Höchste Zeit, zu handeln

Die Zeit wird knapp. Die Frage ist nicht, ob wir in den Industrieländern die Emissionen aus den fossilen Brennstoffen reduzieren oder ob wir der Abholzung in den verbleibenden Wäldern der Entwicklungsländer Einhalt gebieten sollen. Wir müssen uns der unumstößlichen Wahrheit stellen, dass wir beides tun müssen, und zwar jetzt.

Die wachsende globale Pflanzenölnachfrage für die Nahrungsmittelherstellung, kombiniert mit der aktuellen Landnahme durch die Biokraftstoff-Konzerne - viele von ihnen Mitglieder des RSPO -, erhöht massiv den Druck auf die bedrohten Regenwaldgebiete der Welt und andere sensible Lebensräume. Die anhaltende Rodung tropischer Regenwälder und die anschließende Pflanzung landwirtschaftlicher Produkte wie Ölpalmen ist nicht mehr aufzuhalten, wenn Industrie und Regierungen jetzt nichts unternehmen.

Große Emissionseinsparungen ganz schnell: Die Abholzung beenden

Die Zerstörung der tropischen Regenwälder ist für ein Fünftel der weltweiten THG-Emissionen verantwortlich [51] - das ist mehr, als alle Autos, Lastwagen und Flugzeuge dieser Welt ausstoßen. [52] Allein die Vernichtung der indonesischen Torfgebiete verursacht fast vier Prozent der globalen THG-Emissionen eines Jahres. Der Abholzung der tropischen Regenwälder Einhalt zu gebieten, ist eine der schnellsten und effektivsten Möglichkeiten, den THG-Ausstoß zu reduzieren.

Wo können schnell und kostengünstig große Emissionseinsparungen erreicht werden?

Einsparung eins: Beendigung der globalen Entwaldung: jährliche Emissionseinsparung - bis zu zwie Gt CO2. Einem IPCC-Bericht zufolge können bis zu zwei Gt CO2 (das entspricht bis zu vier Prozent der derzeitigen THG-Emissionen im Jahr) kostengünstig eingespart werden. In dem Bericht werden die Kosten für diese Emissionseinsparung mit 100 US-Dollar pro Tonne CO2 beziffert. [53] Es ist wichtig anzumerken, dass in dieser Zahl die potenzielle Emissionseinsparung, die sich aus der Vermeidung weiterer Torf- und anderer Sumpfbrände ergäbe, nicht enthalten ist. [54]

Einsparung zwei: Ein Stopp der indonesischen Torflandbrände und ein Moratorium für die Umwandlung von Torfland: jährliche Emissionseinsparung bis 1,3 Gt CO2. Die Emissionen aus den indonesischen Torflandbränden stammen überwiegend aus Expansionsflächen und gerodetem Torfgebiet. Diese Emissionen lassen sich am besten vermeiden, indem man die weitere Umwandlung von Torfsumpfwäldern unterbindet. Da die Brandrodung zu forst- oder landwirtschaftlichen Zwecken, ebenso wie die Degradierung von tiefem Torf, verboten ist, entstehen Kosten lediglich für die Durchsetzung und die bessere Umsetzung des geltenden Rechts.

Einsparung drei: Wiederherstellung des degradierten Torflandes in Indonesien: jährliche Emissionseinsparung bis 0,5 Gt CO2. Die Vermeidung von Emissionen aus dem fortschreitenden Verfall der degradierten Torfböden in Indonesien bietet eine kostengünstige Chance für eine rasche Emissionsminderung. Das betroffene Gebiet ist winzig - es umfasst nur zehn Millionen Hektar oder weniger als 0,1 Prozent der Landfläche auf der Erde. Ein von Wetlands International betriebenes Projekt zielt auf die Wiederherstellung von 43.500 Hektar degradierten Torflandes in Zentral-Kalimantan ab, die mit einer einmaligen Investition von 500.000 Emissionen von 3,4 Mt CO2 im Jahr vermeidet (das entspricht 0,15/Tonne). [55] Kleingeld im Verhältnis zum globalen Klimawandel.

Gesamteinsparungen:

Die möglichen Emissionseinsparungen im Jahr: bis zu 3,8 Gt CO2 . Das sind fast acht Prozent der derzeitigen THG-Emissionen im Jahr.

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Wie die Palmölindustrie das Klima verheizt - dt. Zusammenf.

Wie die Palmölindustrie das Klima verheizt - dt. Zusammenf.

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