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Kalevalski-Urwald in Russland/Karelien. August 2002
Vadim Kantor / Greenpeace

Kalevalski-Urwald in Russland: Seit 2006 Nationalpark – auch dank Greenpeace

Dem Kalevalski-Urwald (auch Kalevalsky) in der russischen Republik Karelien drohte der Kahlschlag. Motorsägen und Harvester fraßen sich durch eines der letzten noch intakten ursprünglichen Waldgebiete Nordeuropas. Kostbare Nadelbaumriesen fielen für die Papier- und Zellstoffindustrie, vor allem für die finnischen Konzerne Enso (seit 1998 Stora Enso) und UPM Kymmene. Nachdem sich Greenpeace Anfang der 1990er Jahre den internationalen Urwaldschutz auf die Agenda geschrieben hatte, zogen Greenpeace-Aktivisten 1996 in die Einschlaggebiete in Nordrussland, ketteten sich an die Holzerntemaschinen, behinderten den Abtransport der Baumstämme und protestierten mit russischsprachigen Bannern gegen die Zerstörung.

Vor allem Enso wurde unter Druck gesetzt: Im Hafen von Lübeck machten sich Schlauchbootfahrer von Greenpeace an einen Holzfrachter heran, um ein Protestbanner anzubringen: "Urwaldzerstörung hat einen Namen: Enso". Und auch vor der deutschen Enso-Zentrale in Düsseldorf zeigte Greenpeace Präsenz und übergab den Verantwortlichen tausende Protestpostkarten.

Das zeigte Wirkung: Die Konzerne beendeten vorerst den Raubbau und unterzeichneten ein dreijähriges Einschlagmoratorium. Doch damit gab sich Greenpeace nicht zufrieden. Gemeinsam mit anderen Umweltgruppen forderte die Organisation, den Kalevalski-Urwald zum Nationalpark zu erklären. Der Durchbruch gelang erst nach weiteren Jahren aktiver Kampagnenarbeit: 2002 beschloss der Gouverneur von Karelien, einen 74.400 Hektar großen Nationalpark einzurichten, 2006 gab die russische Regierung ihr Einverständnis und besiegelte so den endgültigen und umfassenden Schutz – ein weiterer Beweis, wie wichtig es ist, langen Atem zu beweisen und Ziele auch über Jahre nicht aus den Augen zu verlieren.

74.400 Hektar oder 744 Quadratkilometer, das entspricht etwa der dreifachen Größe des Nationalparks Bayerischer Wald. Viel ist das nicht, wenn man sich die gigantisch großen Landschaften Russlands vor Augen führt. Dafür ist das Gebiet ein echtes Juwel: Der Mix aus Urwald (70 Prozent), Sumpflandschaften (20 Prozent) sowie Seen und wild sprudelnden Flüssen (10 Prozent) sorgt dafür, dass zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere hier ihr Auskommen finden. Große Säugetiere wie Braunbären, Wölfe und Luchse, ebenso Vögel wie der Dreizehenspecht und der Uhu haben im Kalevalski eine dauerhafte Überlebenschance. Aus anderen europäischen Ländern wurden diese Tiere bereits vertrieben, da ihre Lebensräume zerstört wurden. Heute wird der Nationalpark mit seiner wildromantischen Ausstrahlung in vielen Reisemagazinen als lohnendes Ziel für Outdoor-Abenteuertourismus angepriesen.

(Autorin: Nicoline Haas)

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