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Truck With Timber in Amazonas State
© Bruno Kelly / Greenpeace

Waldzerstörung im Amazonas-Regenwald geht weiter

Wir leben in schwierigen Zeiten, die uns zu Maßnahmen zwingen, die noch vor wenigen Wochen undenkbar waren. Eine davon, das sogenannte „social distancing“, ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaften. Dennoch: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es der beste Weg, um den massiven Ausbruch von COVID-19 zu verhindern, egal ob wir uns in der Stadt, auf dem Land oder im Wald befinden. 

Obwohl geographisch isoliert, sind die Menschen in den Waldgebieten, insbesondere im Amazonasgebiet, nicht so sicher vor dem Virus, wie manche glauben mögen. Die vielfältigen sozialen und marktwirtschaftlichen Beziehungen, die zwischen ihnen und den Städten in der Region aufgebaut wurden, sowie die massiv eingeschränkte Logistik und Infrastruktur des brasilianischen Gesundheitssystems erhöhen das Risiko, dass die Pandemie auch die indigenen Völker und traditionellen Gemeinschaften erreicht. Angesichts der unmittelbaren Bedrohung haben die Menschen, die im Wald leben und von ihm abhängig sind, bereits freiwillige Isolationsmaßnahmen ergriffen. Vor allem die indigenen Völker, die sich ihrer historischen epidemiologischen Verwundbarkeit bewusst sind.

Die Zerstörung geht weiter

Doch im Gegensatz zum Großteil der brasilianischen Bevölkerung haben die illegalen Landnehmer (Landgrabber), Holzfäller und Bergleute ihre Aktivitäten nicht eingestellt und setzen ihre kriminellen Handlungen zur Zerstörung des Waldes fort. Sie können so zu Überträgern des neuartigen Coronavirus für mehr als vierhunderttausend Indigene aus 180 Gemeinden werden, die seit Jahrhunderten im Amazonas-Regenwald leben. Ihre Gier nach Land, Holz und Bodenschätzen muss verhindert und dringend bestraft werden.

Von September 2019 bis zum 12. März 2020 wurden nach Angaben des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) 16.212 Entwaldungswarnungen für 3.282,89 km² Wald generiert. Die abgeholzten Gebiete werden wahrscheinlich ab Juni dieses Jahres von Bauern und Landnehmern in Brand gesteckt und tragen dann abermals zu verheerenden Waldbränden im Amazonasgebiet bei.

Die Sorge ist groß, dass sich im Zusammenhang mit der Pandemie die Belastung des Gesundheitssystems der Region noch weiter erhöht. Nach Angaben der Oswaldo-Cruz-Stiftung (Stiftung Fiocruz) hat sich die Zahl der Kinder, die zu Beginn der Trockenzeit zwischen Mai und Juni 2019 mit Atembeschwerden in den am stärksten von Bränden betroffenen Gebieten ins Krankenhaus eingeliefert wurden, verdoppelt. Es gab nicht weniger als 2.500 weitere Krankenhausaufenthalte pro Monat. Nach Angaben von Fiocruz erhöht sich für Menschen, die in einer nahe der Brände gelegenen Stadt leben, das Risiko, aufgrund von Atemwegsproblemen ins Krankenhaus zu müssen, um 36 Prozent.

Der steigende Goldpreis kommt die Wälder und seine Bewohner teuer zu stehen

Im Zuge der wirtschaftlichen Auswirkungen und der Unsicherheit, die inmitten der globalen Pandemie auf den Märkten entstanden sind, stieg der Goldpreis in nur drei Monaten um ein Drittel von 40 Euro auf 53 Euro pro Gramm. Wir sind bereits Zeuge eines neuen Goldrausches, der für den Wald und seine Menschen hohe Kosten verursacht. Die Verpflichtung der Regierung Bolsonaro, den Forderungen des Bergbausektors nachzukommen und das Land der Indigenen für den Mineralienabbau zu öffnen und Tausende illegaler Goldminen innerhalb und außerhalb dieser Gebiete zu legalisieren, ist ein absolut alarmierendes Warnsignal.

Nach Angaben des „Amazonas Social and Environmental Information Network“ (Raisg) erlebte Pan-Amazonien im Dezember 2018 bereits eine "Bergbau-"Epidemie". Allein im brasilianischen Amazonasgebiet sind mindestens 18 indigene Gebiete von Bergarbeitern überfallen worden, darunter das Land der Munduruku und Yanomami. Zusammengenommen ergeben sie mehr als 10 Millionen Hektar Wald, die derzeit von Tausenden von Bergarbeitern heimgesucht werden. Die Körper der dort lebenden Indigenen weisen alarmierend hohe Raten von Quecksilberverunreinigungen auf, die wahrscheinlich durch die Goldminen der Region verursacht werden.

Besorgt über die Auswirkungen, die dieser neue Goldrausch verursachen wird, veröffentlichte die Coordination of Indigenous Organizations in the Brazilian Amazon (Coiab) am 24. März eine Erklärung, in der die Regierung aufgefordert wurde, die Operationen in den Goldminen zu beenden und den Schutz der indigenen Gebiete Brasiliens zu garantieren.

In Anbetracht der ernsthaften Gefahr, dass sich die COVID-19-Pandemie über den Amazonas-Regenwald ausbreitet, was einen weiteren indigenen Völkermord verursachen könnte, ist es dringender denn je, dass der brasilianische Staat auf die Forderungen der indigenen Gemeinschaften eingeht und konkrete Maßnahmen zum Schutz des Waldes und der Gesundheit seiner Bevölkerung umsetzt. Die Gesundheit der Hüter des Waldes darf nicht gefährdet werden.

(Übersetzung eines Artikels von Carol Marçal und Danicley de Aguiar, Amazonas Campaigner Greenpeace Brasilien)

Ergänzungen:

Seit Verfassens des Artikels gab es bereits mehrere Indigene, in an den Folgen einer Covid-19-Infektion verstarben.

Zudem meldete das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE) inzwischen erneut einen Anstieg der Waldzerstörung für das erste Quartal 2020. Von Januar bis März wurden Waldflächen in der Größe von knapp 800 Quadratkilometern festgestellt, eine Fläche fast so groß wie Berlin. Dies ist der höchste Wert seit 2016, als dieses Analyse-System gestartet wurde.

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